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Extrem selten Sensation auf Sylt: Albatros fliegt wieder über die Insel

Von Pierre Boom/dpa | 05.04.2018, 14:48 Uhr

Der von Insulanern „Albert Ross“ genannte Vogel wurde im Schutzgebiet am Rantumbecken gesichtet.

Illustre Gäste hat Sylt öfter mal zu bieten, nun verzückt ein besonders seltener und imposanter Besucher dort Naturfreunde. Ein Schwarzbrauenalbatros wurde gesichtet - nicht zum ersten Mal. Das ist eine kleine ornithologische Sensation. „Die riesigen Vögel mit einer Spannweite zwischen zwei und zweieinhalb Metern leben normalerweise nur auf der Südhalbkugel der Erde“, sagte Sebastian Conradt vom Vogel- und Naturschutzverein Jordsand am Donnerstag in Ahrensburg bei Hamburg.

Mehrere Beobachter hatten den Vogel tags zuvor im Schutzgebiet am Rantumbecken auf Sylt gesehen. „In den vergangenen Jahren hat sich höchstwahrscheinlich immer wieder derselbe Albatros in den Schutzgebieten unseres Vereins auf Helgoland und Sylt gezeigt“, sagte Conradt, Chefredakteur der Vereins-Zeitschrift „Seevögel“.

Seit November 2017 war der Vogel nicht mehr in Europa beobachtet worden. In ganz Europa dürften sich nur zwei oder drei Schwarzbraunalbatrosse aufhalten, schätzt Conradt. Es seien einzelne Tiere, die sich offenbar über den Äquator auf die Nordhalbkugel verirrt hätten.

Rund 70 Prozent des weltweiten Wildbestandes brüten auf den Falklandinseln, laut Conradt etwa 500.000 Brutpaare. Hauptnahrung sind Fische und andere Meerestiere. Der Schwarzbrauenalbatros kann wochenlang ohne Pause über das Meer segeln, wie Arbeiten des emeritierten Professors Gottfried Sachs am Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der TU München ergaben. Das funktioniert, weil er nicht unentwegt mit den Flügeln schlagen muss. Stattdessen nutzt der Albatros mit ausgefeilter Gleitflugtechnik den Wind als Antrieb und verbraucht so kaum Energie. Über einen Zeitraum von acht Stunden kann er mehr als 120 Kilometer pro Stunde schaffen.

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Der Äquator ist für die eleganten Gleitflieger eigentlich eine nur schwer zu überwindende natürliche Grenze – wegen der Rossbreiten, in denen oft Windstille herrscht. „Die mächtigen Vögel sind auf starke Winde angewiesen wie zum Beispiel am Kap Horn“, erklärt Conradt. Wer einmal den Äquator überquere, schaffe es daher auch schwer zurück. An Fressbarem mangelt es den Tieren aber auch im Norden wohl nicht. „Im Nordatlantik und auch in der Nordsee kann sich der Albatros gut ernähren“, erklärte der Vogelexperte.

Der Einzelgänger von Helgoland und Sylt sorgt schon seit 2014 regelmäßig für Aufsehen: Im Frühjahr und Sommer wird er immer wieder auf den Inseln oder an der Küste bis hoch nach Dänemark gesichtet, wie die Nationalparkverwaltung Wattenmeer feststellte. Anfangs hielt er sich vorwiegend auf Helgoland auf, man sah ihn dort oft auf dem Lummenfelsen, Deutschlands einzigem Brutgebiet für Hochseevögel.

„Inzwischen hat er eine Vorliebe für die Insel Sylt entwickelt, wo er mit seinen auf über zwei Meter ausgebreiteten Schwingen oft dicht am Rantumdamm entlang segelt“, berichtete Conradt. Gelegentlich konnte die Ankunft des Schwarzbrauenalbatrosses, der im Winter offenbar weiter im Süden weilt, durch Beobachtungen in Spanien und Frankreich angekündigt werden. In diesem Jahr hatte es bislang kein Lebenszeichen von ihm gegeben.

Auf Sylt wird der seltene Besucher nur kurz „Albert“ oder auch „Albert Ross“ genannt – anderenorts sei aber auch „Molly“ üblich. „Dieser Name kommt von Molly Mauk, was so viel wie 'Plumpe Möwe' bedeutet, sagt Conradt. „Denn in der Luft sieht der große Vogel zwar sehr majestätisch aus, an Land bewegt er sich aber eher tapsig.“

„Wir freuen uns jetzt natürlich sehr“, sagte Conradt. „Der Albatros ist einfach der Star unter den Seevögeln.“ Vogelfreunden rät er, vom Rantumdamm – einem Fußgänger- und Fahrradweg – per Fernglas das Rantumer Becken zu überblicken. In dem ehemaligen Wattgebiet hält sich der Schwarzbrauenalbatros immer wieder mal auf.

Wie lange wird der ungewöhnliche Besucher noch regelmäßig Gast sein auf Helgoland und Sylt? „Schwarzbrauenalbatrosse können mehrere Jahrzehnte alt werden“, so Conradt. Ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt, lasse sich nicht sagen. „Dafür müsste man das Tier auf den Arm sehen“, sagte der Experte. „Dem Vogel geht es im Prinzip in seinem Revier gut hier, er kann leider nur keinen Partner finden.“

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