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Bahnverkehr nach Sylt Schwarzer Tag auf der Marschbahn: Sylt-Pendler leiden unter Zugausfällen

Von rh | 27.09.2017, 04:35 Uhr

DB Regio hat gravierende Probleme mit den neuen Bombardier-Lokomotiven der Baureihe 245.

„Morgen erwartet uns ein schwarzer Tag“, hieß es am Montagabend in der Facebook-Gruppe der Pendler. Die düstere Vorahnung bestätigte sich – bis gegen 18 Uhr sollen gestern zwölf Züge auf der Marschbahn-Strecke ausgefallen sein, berichtete Achim Bonnichsen. Der Betreiber DB Regio hat ein neues Problem – jetzt spielen die Lokomotiven verrückt.

In den verbliebenen Zügen sei es „unsagbar voll“ gewesen, mit bis zu sechs Personen auf einem Quadratmeter. „Das glaubt kein Mensch“, sagte Achim Bonnichsen von der Pendlerinitiative. Schon am Montag wäre der mit 30 Minuten Verspätung gestartete Regionalexpress um 16.22 Uhr so voll gewesen, dass Fahrgäste in Westerland hätten wieder aussteigen müssen. In Keitum und Morsum habe dann niemand mehr einsteigen dürfen, so Bonnichsen.

In der Hamburger Bahnzentrale bestätigte Egbert Meyer-Lovis, dass es zu Verspätungen und Zugausfällen gekommen sei. Als Ursachen nannte der Pressesprecher die Loks der Baureihe 245, die fehlenden Marschbahn-Personenwagen und die störungsanfälligen Ersatzwagen. Besonderes Kopfzerbrechen bereitet dem Marschbahn-Betreiber offenbar die Situation bei den 15 Lokomotiven, die erst seit Januar 2015 in Betrieb genommen wurden. Eigentümer ist der Finanzinvestor Paribus, im Rahmen des Verkehrsvertrages „Netz West“ werden sie von DB Regio zwischen Hamburg-Altona und Westerland eingesetzt. Die Loks wiesen nach wie vor eine erhebliche Zahl an Mängeln auf, zeitweise stünde nicht einmal die Hälfte in voll einsatzfähigem Zustand zur Verfügung.

Regelmäßig müssten Loks mit weniger als vier Motoren betrieben werden, manchmal auch nur mit zwei Motoren, was dann für Verspätungen sorge. Zu den häufigsten Schäden bei der Bombardier-Baureihe zählt Meyer-Lovis Öllecks, verstopfte Rußpartikelfilter wegen einer fehlerhaften Software und Kühlwasserverluste – alles Mängel, die den Ausfall der Motoren verursachen. Die Probleme sollten im Rahmen einer geplanten „Rollkur“ durch den Hersteller in einem Zeitraum von 18 Monaten abgestellt werden, erläutert der Bahnsprecher. Nur durch den Einsatz von zusätzlichen Ersatzlokomotiven könne der Betrieb aufrecht erhalten werden. Derzeit werde aber versucht, „auf allen Kanälen“ zusätzliche Loks zu bekommen.

Ein weiteres Problem sind nach Angaben aus der DB-Zentrale die Wagenparks der Marschbahn, die DB Regio von der Nord-Ostsee-Bahn übernehmen sollte. Von 15 Wagenparks stünden derzeit nur zehn Parks zur Verfügung, von denen vier wiederum derzeit in den Werkstätten sind. Seit gestern sei wieder ein Park mehr im Umlauf. „Wir hoffen, einen zweiten Park im Laufe der Woche einsetzen zu können.“

Die Ersatzwaggons haben vielleicht einen nostalgischen Charme, laufen aber auch nicht zuverlässig: „Derzeit haben wir bei den alten Wagen einen sehr hohen Schadstand“, formuliert es Meyer-Lovis. Nicht bestätigen wollte er Gerüchte, nach denen DB Regio dem Land 6,2 Millionen Euro für die Ersatzwagen in Rechnung gestellt haben soll. Auch das Wirtschaftsministerium wollte keine Zahlen nennen, bestätigte aber, dass er derzeit Gespräche zwischen DB Regio, Nah.SH und Wirtschaftsministerium über Maluszahlungen gäbe.

Am heutigen Mittwoch soll es „planmäßig keine Ausfälle geben“, teilte Meyer-Lovis mit. Allerdings müsse ein Wagenpark durch einen Triebwagen ersetzt werden. DB Regio setze „alles daran, die angespannte Situation zu verbessern.“