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Kunstfundus in der Abstellkammer Schätze der Kampener Künstlerkolonie

Von K. Korell | 18.11.2010, 07:52 Uhr

Dass der Maler Albert Aereboe (1889 bis 1970) in den 1940er Jahren die Pergola von "Haus Niekamp" abreißen ließ, um an deren Stelle einen Hühnerstall zu bauen, verzieh ihm Inge Hammerich nie so recht.

Und trotzdem: Von allen Gemälden, die sie und ihre beiden Mitstreiter für das Archiv des Kaamp-Hüs katalogisiert haben, ist ihr ein Werk von Aereboe das liebste. Es zeigt ein Kampener Urgestein. "Reimert Hansen", erklärt Hammerich. Ihre Bewunderung kann sie nun doch kaum zügeln: "Das Bild stellt ihn dar, wie er leibte und lebte."

Inge Hammerich, Christine Seddig und Udo Lützen - alle Mitglieder des Ältestenrats der Gemeinde Kampen - trafen sich über ein Jahr lang wöchentlich, um den Nachlass von über 45 Kampen-Malern und -Fotografen zu ordnen. 187 Bilder hatten sich über Jahrzehnte in den Abstellkammern des Kaamp-Hüs angehäuft. Das Trio musste alle sichten und beschreiben. ("Was manchmal, zum Beispiel bei den sich wiederholenden Blumenstraußmotiven von Heide Dahl, nicht leicht war.")

Das genaue Prozedere: "Es galt, die Lebensläufe der Maler zu sammeln, Namen für nicht betitelte Bilder zu finden, Gemälde in die künstlerische Strömung einzuordnen", so Lützen, der selbst Hobby-Künstler ist. Für die Kampener war das keine Arbeit: "Wir hatten pure Freude an dieser Aufgabe", bezeugen sie einstimmig.

Der Katalog zeigt auch, wie wichtig ihr Heimatort für namhafte deutsche Maler nach dem zweiten Weltkrieg war. Der Ruf der "Künstlerkolonie Kampen" und die im mondänen Kurort ein- und ausgehenden Kunstsammler lockten Maler wie Helmut Märksch, Otto Eglau, Herbert Pohris oder Christian Hinrich Claußen an. Heute ist die Kunstszene reduzierter, die Zahl der Galerien und Künstler arg geschrumpft.

Beachtlich ist aber der aus Schenkungen entstandene Fundus. Neben einigen Originalbriefen und -Notizen der Künstler sind Bilder unterschiedlicher Stilrichtungen enthalten: von realistischen Arbeiten, wie dem Porträt des Kampener Altbürgermeisters Hans Hansen (von Günther Petersen) über abstrakte Sprotte-Malerei bis hin zu postmodernen Collagen und Gouachen von Johanna Eglau und Ernst Reinhold. Angesichts dieser Fülle freut sich Christine Lunk vom Tourismus-Service Kampen, die für Kunstevents zuständig ist: "Wir haben Stoff für viele Winterausstellungen," sagt sie, "im Sommer organisieren wir Verkaufsausstellungen."

Die ersten Bilder der Kampen-Künstler hängen bereits: Lithographien und Linolschnitte von Carl Ihrke neben Schwarz-Weiß-Fotografien von Bleicke Bleicken. Über die Qualität der Ausstellungsstücke scheiden sich die Geister. "Ich sehe ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Besuchern", so Lunk. Bleickens vor dem zweiten Weltkrieg entstandene Fotos sorgten besonders bei Ortskundigen für Begeisterung. Manch einer sei aber auch skeptisch und könne mit den Kampen-Bildern wenig anfangen.