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List Der Flugpionier aus dem Inselnorden

Von fd | 12.03.2012, 03:59 Uhr

Jeder Mensch hat einen Traum.

Den hatte auch der junge Leutnant Wolfgang von Gronau, der im Ersten Weltkrieg bei der Kaiserlichen Marine dient. "Eines Tages", sinniert der ehrgeizige Offizier, der es bis zum Generalmajor bringen soll, "werde ich nach New York fliegen." Die Prophezeiung erfüllt sich 1930. Wolfgang von Gronau leitet die Verkehrsfliegerschule in List auf Sylt und sein Auftrag am 18. August diesen Jahres lautet: "Fliegen Sie mit Ihrer Maschine das Nordkap an und kehren Sie dann nach List zurück."

Um 14.20 Uhr hebt die zweimotorige Dornier Wal D 1422 bei völliger Windstille ab, an Bord ein Brennstoffvorrat von 2 350 Litern. Als die Maschine mit dröhnenden Motoren in die Wolken aufsteigt, wissen auch die drei übrigen Besatzungsmitglieder nicht, dass von Gronau insgeheim seine eigene Reiseroute ausgearbeitet hat. Erst zwei Tage später, in Island, stellt er den Kameraden die Gretchenfrage: "Ich will weiter nach New York. Fliegt Ihr mit?" Die anderen nicken - und daheim tobt der Verkehrsminister: Lapidar hatte von Gronau nach Berlin gekabelt: "Fliegen, Einverständnis vorausgesetzt, über Grönland nach USA."

Nach 44 Stunden, 25 Minuten und 6 785 Flugkilometern landet die Maschine im Hafen von New York. Es gibt einen großen Bahnhof für die Helden der Lüfte. Gronau und seine Männer werden von einem Empfang zum nächsten gereicht - unter anderem zu einem Dinner in Anwesenheit von Charles Lindbergh und als Krönung zu einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Hoover.

Zwei Jahre später stellt sich der nunmehr populäre Pilot einer neuen Herausforderung: Ein Flug um die ganze Erde soll es diesmal sein. Als er am 24. November 1932 von seiner Weltreise zurückkehrt, bereiten ihm die Sylter einen begeisterten Empfang und begrüßen ihn am Lister Hafen mit einem dreifachen "Hurra", Schulkinder singen "Kommt ein Vogel geflogen". Gronaus Sohn erinnerte sich viele Jahre später: "Zu Hause hat mein Vater von seinen Plänen nicht viel erzählt - auch wir erfuhren immer erst aus der Zeitung, wo er gerade war." Die Gemeinde List verlieh Wolfgang von Gronau 1932 die Ehrenbürgerschaft, was die Kommune nicht nur zur Verleihung einer Urkunde und der Zahlung von 50 Reichsmark verpflichtet, sondern auch zu einem unentgeltlichen Begräbnis. Seit 1977 ruht der Flugpionier auf dem kleinen Friedhof inmitten der Lister Dünen. Zeugnis seiner Taten legt noch heute das legendäre "Guinness-Buch der Rekorde" ab, da Gronau durch seinen Flug nach New York das ewige Superlativ "Die erste Ost-West-Atlantiküberquerung mit einem Flugboot" errang.