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ARCHSUM "Das Glück war ein Leben lang bei mir"

Von fd | 16.09.2011, 09:14 Uhr

Kapitänssohn Bernhard "Benje" Prott feiert heute seinen 107. Geburtstag

In Russland wurde er 1944 von Partisanen angeschossen und verbrachte sieben Wochen im Lazarett - "während dieser Zeit wurde meine Einheit aufgerieben". Wenige Monate später wurde er aus Dresden abkommandiert - kurz darauf legten Luftangriffe die Stadt in Schutt und Asche. In Berlin erhielt er im April 45 Heimaturlaub - Tage später marschieren die Russen ein. "Das Glück war ein Leben lang bei mir", resümiert Bernhard Prott. Während seines langen Lebens hat er viel erlebt: Sylts ältester Bürger feiert heute seinen 107. Geburtstag.

Als Spross einer Sylter Kapitänsfamilie wurde Bernhard Prott dort geboren, wo er heute seinen Lebensabend verbringt: In einem Anno 1757 erbauten Friesenhaus am Dorfrand von Archsum. Entbehrungsreich war die Kindheit, erinnert sich der Jubilar noch gut: "Es herrschte ja eine solche Armut auf Sylt. Mit ein wenig Landwirtschaft brachte meine Mutter uns durch, denn der Vater war früh verstorben. Das Geld war so knapp, dass ich statt Schuhen Holzpantoffeln trug."

Nach der Konfirmation verdingte sich der Archsumer auf dem nahen Festland auf verschiedenen Bauernhöfen, bevor er 1926 beim Bau des Hindenburgdamms Hand anlegte: "Wir haben die Böschung aufgeschüttet, natürlich alles mit der Schaufel." Ein Knochenjob, "aber wir waren ja jung und kräftig". Als der Damm 1927 eingeweiht wurde, durften Prott und einige andere Arbeiter am Festessen im Westerländer Rathaus teilnehmen: "Den Reichspräsidenten Hindenburg ganz nah zu sehen, das war natürlich aufregend."

Bei einem Tanzabend in Keitum lernte Bernhard Prott 1928 seine spätere Ehefrau kennen, die ihm einen Sohn und eine Tochter schenkte. Bis 1969 bewirtschaftete das Paar den elterlichen Hof in Archsum und zog sich dann aufs Altenteil zurück. Tochter Helma erinnert sich: "Als meine Eltern noch jung waren, bot man ihnen Land in Kampen an, für zehn Pfennig den Quadratmeter. Nee, der Boden ist dort so karg, da werden ja nicht mal die Schafe satt, haben sie dankend abgelehnt."

Helma Hinrichsen wohnt mit Ehemann Sönke gleich nebenan und umsorgt den Vater, dessen Seh- und Gehvermögen zwar deutlich nachgelassen hat, nicht aber der wache Geist: Bernhard Prott hört oft Radio, interessiert sich besonders für Politik. Zum heutigen Festtag ist dann die ganze Familie beisammen - Sohn Jens-Peter reist aus Kiel an und auch die vier Enkel und fünf Urenkel sind da. Klarer Fall, dass Tochter Helma das Lieblingsessen ihres Vaters auftischt: herzhaften Schweinebraten.