Ahrensburg : Zwischen Möglichkeit und Realität

„Kunst ist das Scharnier zwischen Realität und Möglichkeit“: Suse Bauer zwischen zwei ihrer Scans im Marstall.  Fotos: Nie
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„Kunst ist das Scharnier zwischen Realität und Möglichkeit“: Suse Bauer zwischen zwei ihrer Scans im Marstall.

Die in Hamburg lebende Künstlerin Suse Bauer stellt vom 15. April bis 27. Mai in der Galerie im Marstall Ahrensburg ihre Arbeiten aus. Die Ausstellung wird am Sonntag eröffnet.

shz.de von
12. April 2018, 06:00 Uhr

Suse Bauer mag sich nicht gerne einzwängen lassen. Die in Hamburg lebende Künstlerin ist offen für neue Ideen, für neue Arbeitsmaterialien, Medien und Stoffe. Doch ein Thema begleitet die 1979 in Erfurt geborene Kreative durch ihre Arbeiten: das Interesse an Rastern. In ihren Bildern finden sie sich häufig sichtbar im Hintergrund, in anderen Werken definiere sie Flächen und Räume in denen Elemente in der zwei- oder auch dreidimensionalen Ebene zusammentreffen. Interessant ist für sie auch die vertikale Perspektive. Durch Google Maps oder auch Drohnenaufnahmen habe sich die Wahrnehmung verändert.

In ihrer aktuellen Ausstellung mit dem Titel „Der Abgrund unter mir heißt Zukunft“, die ab dem 15. April in der „Galerie im Marstall“ in Ahrensburg zu sehen ist, spielen die vertikale Perspektive genau wie die Raster wichtige Rollen – so etwa mit Blick auf die „Scans“, die großformatig an der Wand hängen. Für diese hat die Künstlerin aus Ton – einem der Werkstoffe für den sich Bauer besonders begeistern kann – Kompositionen angefertigt, die dann aufwendig gescannt wurden. Nach dem Scan wurden die Vorlagen zerstört. „Es ging ja nicht um die Vorlage. Diese wurde nicht bewusst geformt, damit sie ein bestimmtes Ergebnis ergeben. Die Scans entstanden sozusagen erst am Computer“, erklärt Bauer. Somit waren nicht die Tonvorlagen entscheidend, sondern das Ergebnis, das jetzt zu sehen ist. Dieses erinnert an Aufnahmen von Ausgrabungsstellen archäologischer Natur, an Satellitenfotos oder schwarz-weiße Luftaufnahmen.

„Ich habe den Scans daher den Titel Landschaft unter Aufsicht gegeben“, erläutert Suse Bauer.

Auch das Arbeiten mit Beton fasziniere sie. Daher ist im Marstall ein großes Betonrelief zu sehen, das sich in die Formensprache der Künstlerin einfügt. Und was hat das mit dem Ausstellungstitel „Der Abgrund unter mir heißt Zukunft“ zu tun? Der Titel bezieht sich auf den Autor und Dramatiker Heiner Müller. „Vielleicht bin ich nur ein Auge, das an einem mir unbekannten Flugkörper befestigt ist, in der Luft gehalten von einer mir unbekannten Kraft. Ein Auge mit verbranntem Lid: mein Schlaf ist in den Feuern. Eine ausgespannt Netzhaut. Mein Weg nach oben ist ein Weg in die Vergangenheit, der Abgrund unter mir heißt Zukunft“, lautet dieses Zitat.

Indem sie auf künstlerische Bewegungen wie den Konstruktivismus und deren Formensprache zurückgreift, diese aber mit Zeichen der Moderne anreichert, zeigt Bauer dass es der Gegenwart an Utopien für die Zukunft fehlen könnte. Die Gegenwart, also das was ist, ist nur eine Möglichkeit der unterschiedlichen Zukünfte der Vergangenheit, die übrigen sind halt nicht eingetreten. „Die Frage wird laut, welchen Einfluss der aktuelle Mangel an Zukunftsvisionen auf den Einzelnen, die Gesellschaft und die künstlerische Produktion hat“, so Katharina Schlüter, Geschäftsführerin der Sparkassen-Kulturstiftung, die die Ausstellung präsentiert.

„Kunst ist für mich das Scharnier zwischen der Möglichkeit und der Wirklichkeit“, erklärt Bauer. Die Einteilung in Raster sei ja auch ein Versuch, die Dinge zu ordnen. Damit passt die Ausstellung natürlich in das Jahresthema der Kulturstiftung „Linie-Netz-Verbindung“, erklärt Julia Köllle, Mitarbeiterin der Stiftung.

>Im Rahmen der Eröffnung am Sonntag, 15. April, um 16 Uhr spricht Anna Sabrina Schmid, Kuratorin des Hamburger Kunsthauses. Am Sonntag, 13. Mai, findet um 15 Uhr ein Gespräch mit der Künstlerin vor Ort statt.

>Führungen finden immer mittwochs um 16 Uhr statt. Das dazu passende Kinderatelier wird am 21. und 28. April im Atelier Mamülei in Ahrensburg angeboten. Für dieses sollte man sich unter info@stormarner-kinderatelier anmelden.

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