Zwischen "Himmel und Hölle"

Kreiskulturreferentin Dr. Friederike Daugelat (v. l.) mit den Preisträgern Bianca Hobusch, Lucia Schoop, Michael Jöhnk und Michaela Wendland im Reinbeker Schloss.  Foto: meier
Kreiskulturreferentin Dr. Friederike Daugelat (v. l.) mit den Preisträgern Bianca Hobusch, Lucia Schoop, Michael Jöhnk und Michaela Wendland im Reinbeker Schloss. Foto: meier

Kulturpreis des Kreises feierte Premiere: 3000 Euro dotierte Auszeichnung für Lucia Schoop aus Bargteheide

shz.de von
16. November 2012, 07:59 Uhr

Reinbek | Lucia Schoop ist die erste Kulturpreisträgerin in Stormarn. Kreispräsidentin Christa Zeuke verlieh die neue und mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung an die Bargteheider Künstlerin im Reinbeker Schloss. "Schön, dass dieser Preis jetzt jährlich verliehen wird", sagte Lucia Schoop, "hoffentlich erhalten noch viele Künstler diese Chance". Christa Zeuke teilt diese Hoffnung: "Und besonders freut mich heute, dass eine Frau die erste Preisträgerin ist."

Thema des Wettbewerbs war "Heimat Stormarn". Lucia Schoop hat sich ihm auf verschiedene Weise angenähert. Sie hat Motive von Familienfotos in Holz- und Li nolschnitte gebannt. Mit der gleichen Technik hat sie auch historische Landkarten verfremdet und in dreidimensionale Formen gebracht. So wie das Objekt "Himmel und Hölle", das die Ambivalenz des Begriffs Heimat unterstreicht. Schließlich hat sie zurückgesandte Briefe von Neu-Stormarnern an ihre alten Heimatadressen gesammelt, die heute nicht mehr existieren. Sie sind Sinnbild für die vielen Flüchtlinge, die am Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Osten kamen und die Einwohnerzahl Stormarns verdoppelten.

"Die Betrachter können sich mit diesen persönlichen Erinnerungen identifizieren", sagte Laudatorin Claudia Schönfeld vom Museum Schwerin. Die Arbeiten spiegelten die Flüchtigkeit menschlicher Existenz wider. "Die Briefe sind ein Sinnbild des Wandels, dem Verlust der alten Heimat", sagte sie, "und wie eine eigene Identität in der globalisierten Welt bewahrt bleibt".

Auf Initiative von Kreiskulturreferentin Dr. Friederike Daugelat wurde der Wettbewerb ausgeschrieben. Teilnehmen konnten alle Kulturschaffenden im Kreis, und dementsprechend bunt war auch das Spektrum der 28 eingereichten Arbeiten. Das zeigt sich an den weiteren Preisträgern. Die Grönwohlderin Bianca Hobusch hat den Film "Heimatgedanken" gedreht, Michaela Wendland und Michael Jöhnk aus Bad Oldesloe haben das Fotobuch "Heimat Stormarn" zusammengestellt. Auch ihre Werke wurden während der Preisverleihung vorgestellt.

"Die Kulturförderung gehört zur Grundausstattung eines demokratischen Gemeinwesens" sagte Hedda Bluschke, Vorsitzende des Kreiskulturausschusses. Kultur sei für die Menschen so wichtig wie Wasser für die Fische: "Sie regt zum Nachdenken an und schafft Freude und Ablenkung vom Alltag."

"Wir möchten ein Signal der Wertschätzung für die Künstler setzen", sagte Jury-Vorsitzende Katharina Perry, die dem Landeskulturverband vorsitzt. Der Begriff Heimat habe eine positive Wandlung erfahren. "In den 70er Jahren gab es noch die Furcht, er könne ins Negative umschlagen." Durch die Globalisierung habe der Begriff Heimat heute eine ganz neue Dimension erhalten.

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