Zweiter Anlauf für Beschluss zur Vernässung

Hagen von Massenbach
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Hagen von Massenbach

Am Donnerstag berät der Umweltausschuss abermals über die Vernässung der Wolkenweher Niederung. Im Fokus der Gegner: Die Kosten.

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04. Februar 2009, 10:05 Uhr

Bad Oldesloe | Das wird noch eine richtige Wasserschlacht: Die Vernässung der Wolkenweher Niederung steht am Donnerstag wieder auf der Tagesordnung des Umweltausschusses, weil der alte Beschluss von der Kommunalaufsicht bemängelt worden war.

Wie inzwischen hinlänglich bekannt ist, soll die Pumpstation in Wolkenwehe abgeschaltet werden. Dadurch würde der bisherige Wanderweg unbrauchbar. Drei Möglichkeiten stehen zur Auswahl. Die Verwaltung hat die Argumente zusammengetragen und vor allem Kosten aufgelistet.

Alles bleibt wie es ist - auch diese "Null-Variante" verursacht Kosten. Fördermittel müssen erstattet werden, Pumpen und Kabel erneuert werden, ganz zu schweigen vom schlechten Zustand des alten Wegs. Unterm Strich macht das 157 000 Euro zuzüglich der jährlichen Strom- und Wartungskosten.

Wenn das Pumpwerk abgeschaltet und der vorhandene Weg erhöht wird, damit auch bei Nässe in der Niederung Spaziergänger dort gehen können, schlägt das mit 130 600 Euro für die Stadt zu Buche. Die hohe Summe ergibt sich aus der Tatsache, dass wenig Fördermittel fließen würden.

Alternativ gibt es Überlegungen, den alten Weg abzutragen und längs der Pilkenbek einen neuen zu bauen. Kostenmäßig wäre die Stadt - so die bisherigen Berechnungen - "nur" mit 25 000 Euro dabei. Ökologisch hätte diese Variante den Vorteil, dass sie die zukünftige Nassfläche nicht zerschneidet und Spaziergänger aus dem sensiblen Gebiet heraus hält.

Cornelia Klamt und Michael Voigt von der Initiative "Rettet die Wolkenweher Niederung" zweifeln an den Zahlen der Verwaltung. "In den Unterlagen werden die Kosten für den weiteren Betrieb des Schöpfwerkes dilletantisch um mindestens 50 000 Euro hochgerechnet", wettern sie in einer Pressemitteilung. In der Kalkulation taucht beispielsweise die neue Stromleitung mit 20 000 Euro auf. Das seien gar keine Kosten, die der Stadt entstünden, sondern Aufgabe der Stadtwerke. Auch bei der Sanierung des Schöpfwerksgebäudes, kommen die Vernässungsgegner auf deutlich geringere Zahlen und die Kosten für Ingenieurleistung seien ebenfalls mit 23 000 Euro viel zu hoch angesetzt.

Da öffentliche Projkete immer teurer werden als ursprünglich kalkuliert, gehen Voigt und Klamt davon aus, dass die Vernässungsvarianten in Wahrheit deutlich kostspieliger sind, als jetzt angegeben. Die Wolkenweher führen nicht nur den städtischen Anteil in ihrer Argumentation an, sondern die Gesamtkosten, schließlich seien auch Fördermittel "durch unsere Steuern zu decken". So kommt es dann, dass 47 000 Euro Zuschüsse, die die Stadt aus ihrem Säckel zurückzahlen müsste, kurzerhand abgezogen werden, weil die Summe ja "in einem anderen öffentlichen Haushalt dem Steuerzahler wieder zugute" komme.

90 Prozent der Bewohner im Ortsteil hätten sich bei einer Unterschriftensammlung gegen das Projekt ausgesprochen. Für die Wolkenweher ist deshalb klar: Ihr Wille wird mit Füßen getreten. Mit der CDU hätte ein Gespräch stattgefunden, SPD und FDP würden anscheinend die sachliche und umsichtige Diskussion scheuen.

Das provoziert natürlich Widerspruch der beiden Fraktionen. Anita Klahn von der FDP macht eine ganz einfache Gegenrechnung auf: "Zu Wolkenwehe gehören nach dem amtlichen Wählerverzeichnis 345

Wahlberechtigte. Die Initiative sagt, dass sie von 90 Prozent der Wahlberechtigten unterstützt werde. Rein rechnerisch müssten das dann 310 Personen sein. Es liegen aber nur 126 Unterschriften vor." Das seien lediglich 36,52 Prozent. "Von der Vernässung profitieren aber 24 000 Oldesloer", hält die Liberale dagegen.

Hagen von Massenbach, SPD-Fraktions-Vorsitzender, zeigt sich über die jüngste Entwicklung erstaunt. "Von Durchpeitschen kann gar keine Rede sein, wir haben immer unsere Meinung zu Wolkenwehe gesagt." Gleichwohl nehme die Partei die Bedenken ernst. "Die SPD steht für die Vernässung und ich sehe im Moment keine Argumente, die mich davon abbringen", so der Sozialdemokrat. Er habe ein "offenes und verständnisvolles Gespräch" mit Michael Voigt geführt. "Wenn ich jemandem zuhöre, heißt das ja noch nicht, dass ich seine Meinung übernehme", sagt von Massenbach.

Michael Klahn, Vorsitzender des Umweltausschusses, bewertet die Situation ähnlich: "Die jüngste Pressemitteilung der Initiative zeigt leider nach wie vor nur die absolute Blockadehaltung, frei nach dem Motto alles soll bleiben wie es ist. Damit wird die Diskussion zur Vernässung der Wolkenweher Niederungen jetzt leider zur emotional geführten Posse." Wie auch die SPD auf ihrer Homepage verweist er darauf, dass selbst zu Zeiten, als die CDU noch die absolute Mehrheit hatte, alle Beschlüsse zu diesem Thema einstimmig gefasst worden sind.

Die Rolle der Christdemokraten löst bei den anderen Fraktionen Kopfschütteln aus. Die CDU hat für die Sitzung den Antrag gestellt: "Die Vernässung der Wolkenweher Niederung ist durch die Verwaltung vorzubereiten." Zusätzlich sollen die Kosten für die verschiedenen Varianten ermittelt werden. Ob die CDU dem allerdings zustimmen wird, ist noch nicht klar, denn die Fraktion habe sich dazu noch nicht positioniert. Gestern Abend nach Redaktionsschluss fand die entscheidende Fraktionssitzung statt. Sprecher Heinz Drenkberg: "Uns geht es darum, dass die Bedenken der Wolkenweher ernst genommen werden. Was von den Argumenten berechtigt ist, können wir jetzt allerdings noch nicht nachvollziehen. Das wollen wir mit Fachleuten diskutieren." Damit liegt die CDU eigentlich wieder auf der Linie der anderen Fraktionen.

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