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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 17:01 Uhr

Ahrensburg : Zweite Chance für Drogensüchtigen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

30-Jähriger zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt – trotz mehrerer Vorstrafen.

Blass und schmächtig sitzt der 30-jährige Ahrensburger vor dem Schöffengericht. „Ich bin etwas faul und vergesslich“, sagt er zum Richter. Weil er Termine beim Bewährungshelfer vergaß,, hat er schon eine Haftstrafe verbüßt. Die Bewährung wurde aufgehoben, und er musste 13 Monate in den Knast. Jetzt stand er wegen räuberischem und gewerbsmäßigem Diebstahl wieder vor Gericht.

„Meine Leistungen wurden vom Jobcenter gekürzt, ich brauchte Geld“, sagt der bärtige Deutsche, der aus Kroatien stammt. Auch dort hatte er seine Terminauflagen nicht erfüllt. Vermutlich hat seine Drogensucht dazu beigetragen. „Ich bin abhängig von Heroin“, sagt Danijel C. (Name geändert) und gesteht alle Vorwürfe. Seit zwei Jahren ist er arbeitslos.

Um an Geld zu kommen, hatte er am 23. Mai vergangenen Jahres einen Optiker in der Hagener Allee bestohlen. Zwei teure Sonnenbrillen hatte er eingesteckt und wollte damit den Laden verlassen. „Ich kannte ihn, denn zwei Wochen zuvor hatte er mich schon mal beklaut“, sagt der Optiker aus. Deshalb stellte er sich dem Dieb in den Weg. „Du kannst mich nicht aufhalten“, soll Danijel C. gesagt haben und sich drohend vor ihm aufgebaut haben. „Ich hatte Angst, auch weil ich zwei kleine Kinder habe“, so der Optiker. Berührt habe ihn der Angeklagte aber nicht, als er dann das Weite suchte.

Die Polizei entdeckte ihn wegen der guten Personenbeschreibung wenig später in der Bahnhofstraße. „An seinem Fahrrad hing eine Tüte mit Bettwäsche, an der noch die Preisschilder waren“, sagt die Beamtin, die den Angeklagten festgenommen hatte. Bei der Durchsuchung fanden sich auch die Sonnenbrillen einer Nobelmarke im Wert von 200 Euro. Die Bettwäsche aus einem Sanitätshaus war etwas teurer. „Ich wollte die Sachen verkaufen, um an Geld für Drogen zu kommen“, gibt Danijel C. zu.

„Natürlich war er ein Drogenkonsument“, sagt ein weiterer Polizeibeamter, der den Täter gestellt hatte. „Woran erkennen sie das?“, fragt Richter Ulf Thiele zurück. „Eine dünnere Erscheinung und blasse Hautfarbe“, lautet die Antwort. Glasige Augen oder Ausfallerscheinungen habe er nicht gehabt.

Danifel C. hatte sich vor einiger Zeit entschlossen, seine Sucht in den Griff zu bekommen. Vier Therapiesitzungen hat er absolviert und wartet auf die Kostenzusage für eine stationäre Entgiftung. „Ein Freund von mir hat es so nach zehn Monaten geschafft“, sagt er, „er ist heute ein ganz anderer Mensch.“ Er habe erkannt, dass es so nicht weitergehe.

Diese Chance gewährt ihm das Schöffengericht. Es verhängte trotz Vorstrafen ein Jahr Gefängnis auf Bewährung. „Sein Leben ist geprägt von der Drogenkrankheit“, sagt der Richter. Durch sein umfassendes Geständnis habe er das Verfahren erleichtert. Danijel C. muss jetzt alle notwendigen Therapieauflagen erfüllen und darf seine stationäre Entwöhnung erst nach ärztlicher Empfehlung beenden. Außerdem muss er 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Ihr bisheriges Leben kann so nicht weitergehen“, sagt der Richter, „sie müssen sich insgesamt infrage stellen und neu entwickeln.“ Sonst sei der Knast die einzige Alternative.

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