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Freispruch für Trittauer : Zweifel an Vergewaltigung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein 41-jähriger Trittauer soll an seinem 40. Geburtstag eine Bekannte vergewaltigt haben, obwohl er völlig betrunken war. Weil sich die damals 28-Jährige in Widersprüche verwickelt, wurde er freigesprochen.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2013 | 12:26 Uhr

Was wirklich am 15. Januar 2012 im Haus von Horst G.(Name geändert) in Trittau passiert ist, werden weiterhin nur die direkt Beteiligten wissen. Die Tangstedterin Isabel B. hatte Horst G. am Tag nach dessen 40. Geburtstag angezeigt. Er habe sie im Schlaf nach Ende der Party in einem Zimmer überfallen und vergewaltigt, während seine Frau Gäste nach Hause fuhr.

Zu den ersten beiden Verhandlungstagen war das Opfer als Hauptzeugin der Anklage und Nebenklägerin nicht erschienen. „Vielleicht weil sie mit der Sache abschließen wollte“, mutmaßte ihre Anwältin. Gestern – am dritten Verhandlungstag – erschien sie dann doch vor Gericht und stellte sich den Fragen von Richter Ulf Thiele, der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers von Horst G.

Die Befragung war ihr sichtlich unangenehm, so dass das Gericht ihrem Wunsch entsprach, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen zu dürfen. Dabei traten aber Widersprüche auf. „Das potenzielle Opfer hat hier zum Teil ganz andere Angaben gemacht, als bei der polizeilichen Befragung im letzten Jahr. An viele Details wollte oder konnte sie sich nicht erinnern. Das lässt natürlich an ihrer Glaubhaftigkeit zweifeln und hilft nicht bei der Aufklärung“, so Thiele.

Ein Punkt sei dabei besonders schwerwiegend: Bei der ersten Vernehmung habe das Opfer geleugnet mit einem weiteren Partygast Sex gehabt zu haben. Bei einer zweiten Aussage habe sie das relativiert und Zärtlichkeiten mit dem weiteren Gast zugegeben. Nun gestand sie vor Gericht, dass es doch mit ihm zum Sex gekommen sei. Sie habe das nur verschweigen wollen, um die Beziehung zu ihrem damaligen Freund und heutigen Mann nicht zu gefährden. „Ein nachvollziehbarer Gedanke. Aber wer offen mit der Polizei arbeiten möchte, kann das nicht machen. Sie hat aus eigenen taktischen Gründen gehandelt. Das ist in so einem Fall nicht gut“, sagte Richter Thiele.

Fest stehe allerdings, das hatte eine DNA Probe ergeben, dass intensiver Körperkontakt zwischen Isabel B. und Horst G. stattgefunden hat. Auch das Sperma von Horst G. wurde an den Oberschenkeln des Opfers gefunden. Ob das Blut am T-Shirt des vermeindlichen Täters Blut aus einer Wunde stammte oder Menstruationsblut gewesen sein könnte, ließ sich nicht feststellen. Ein eingefordertes Gutachten dazu war nicht pünktlich eingetroffen. Alle Parteien verzichteten aber auf eine weitere Verfolgung dieses Punktes, so dass die Verhandlung nicht vertagt werden musste.

Dr. Johanna Preuß-Wössner vom Institut für Rechtsmedizin am Uniklinikum Lübeck berichtete über den Einfluss, den der hohe Alkoholkonsum von Horst G. am besagten Abend auf die ihm vorgeworfene Tat gehabt haben könnte. Dabei basierten ihre Annahmen aber darauf, dass die Vorwürfe des Opfers stimmten. Fest steht, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt 2,54 bis 2,74 Promille Alkohol im Blut hatte. Das ergaben Hochrechnungen anhand seines Blutalkoholspiegels acht Stunden nach der Anzeige. Es sei aber vorstellbar, dass er trotzdem noch zielgerichtet gehandelt habe.

Der Angeklagte gab an, dass er nicht oft trinke, aber „wenn, dann nennen meine Freunde das echte Druckbetankung. Wenn ich trinke, höre ich nicht auf“, sagte er. Zu der ihm vorgeworfenen Tat, wollte der vierfach wegen Steuer- und Versicherungsdelikten vorbestrafte und mit 400 000 Euro verschuldete Vater von drei Kindern keine Aussage machen.

Die Sachverständige kam zu dem Fazit, dass Horst G. durchaus zu der ihm vorgeworfenen Tat körperlich in der Lage gewesen sein könnte. Ihr Medizinerkollege Dr. med. Axel Gehl hatte das Opfer nach der vorgeworfenen Tat untersucht. Er fand Verletzungen im Gesicht, an der linken Brust und an der Innenseite der Oberschenkel. Diese könnten aber auch von einvernehmlichen Sex der „härteren Gangart“ stammen oder sogar selbst zugefügt worden sein. Erhebliche Gewalteinwirkung sei nicht zu erkennen gewesen. „Die Verletzungen widersprechen den Aussagen des Opfers aber nicht“, so Gehl. Einen hundertprozentigen Beweis könne er aber auch nicht anbringen.

Richter Ulf Thiele folgte am Ende der Empfehlung des Staatsanwalts und verkündete den Freispruch des Angeklagten. „Dass sie beide sich körperlich sehr nahe gekommen sind, scheint bewiesen. Die Vielfalt der Zweifel lässt aber keine Verurteilung zu“, so der Richter. „Die Hauptzeugin hat sich in Widersprüche verwickelt, die ihre Glaubwürdigkeit fraglich erscheinen ließen.“

 

 

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