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Stormarner Tageblatt

22. November 2017 | 21:13 Uhr

Schuldenfalle : Zweifel am neuen Insolvenzrecht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

AWO-Schuldnerberatung beobachtet deutlichen Anstieg bei Älteren.

In der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Stormarner Awo melden sich immer häufiger Menschen mit vielfältigen Problemen. Sucht und oft psychische Erkrankung sind mit 21,2 Prozent mittlerweile die Hauptursache für Verschuldung. Knapp dahinter mit 20,5 Prozent folgt die „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ – Leute, die mehr Geld ausgeben als sie haben, auf Raten kaufen und den Überblick verloren haben. Weitere wesentlich Ursachen für rote Zahlen sind eine gescheiterte Selbstständigkeit (17,4 Prozent) sowie Trennung, Scheidung oder Tod des Partners (15,2 Prozent).

Bei den drei Beratern in Bad Oldesloe, die in Bargteheide und Ahrensburg Sprechstunden anbieten, landeten im vergangenen Jahr 516 Anfragen. Die Zahl ist ähnlich wie in den Vorjahren, allerdings gibt es eine klare Verschiebung hin zu Älteren. 2011 waren 39 Prozent zwischen 26 und 40 Jahre, jetzt sind es nur noch 24 Prozent, während die Gruppe der 56 bis 67-Jährigen von 9 auf 19 Prozent stieg.

Die meisten Anfragen kamen wieder aus Bad Oldesloe (145) gefolgt von Ahrensburg (71), Bargteheide (46) und Reinfeld (45). Aus Ammersbek und Großhansdorf meldeten sich je 18 Personen, je 25 waren es in Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land, 36 in Nordstormarn, 16 aus dem Amt Trittau und zehn aus dem Amt Siek.

Ein knappes Drittel (31,8 Prozent) hatte Schulden in Höhe von 10 000 bis 20 000 Euro, weitere 18,9 Prozent bis 30 000 Euro. Bei 26 Prozent bewegen sich die Verpflichtungen zwischen 30 000 und 150 000 und zwei Leute kamen auf mehr als 300 000 Euro. Zusammen hatten die Ratsuchenden Schulden von 5,132 Millionen bei 1151 Gläubigern. Das waren vor allem Kreditinstitute (24,4 Prozent) sowie Firmen (19,3 Prozent) und auch Telefongesellschaften (11 Prozent)

Die Änderungen im Insolvenzverfahren werden von den Awo-Beratern nur zum Teil positiv beurteilt. Wichtigster Punkt ist die Verkürzung des Verfahrens auf drei Jahre. Dazu muss der Schuldner allerdings 35 Prozent der Verbindlichkeiten sowie die Kosten des Verfahren aufbringen. „Wir bezweifeln die Praxistauglichkeit, weil das nach unseren Erfahrungen kaum ein Schuldner schaffen kann“, sagt Siegward Derlin . Hinzu komme, dass die Vergütung des Insolvenzverwalters erheblich steige. Bei Summen bis zu 25 000 Euro erhält er 40 Prozent.

Eine Verkürzung des Verfahrens von sechs auf fünf Jahre, wenn der Schuldner die Kosten des Verfahrens aufbringen kann, halten er und Ute Lehmann dagegen für machbar: „Wir haben viele, die pfändbare Beträge erwirtschaften und dadurch in der Lage wären, die Verfahrenskosten auszugleichen. Das wird damit zunehmend ein Thema in der Beratung.“

Bereits in 2013 ist der Schutz der Anteile für Genossenschaftswohnungen in Kraft getreten. Bis zu 2000 Euro werden jetzt nicht mehr als Vermögen angesehen. Wenndie Anteile gekündigt werden mussten, drohte der Verlust der Wohnung.

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