Unheimliche Brandserie in Ahrensburg : Zwei Brandstifter aus Stormarn vor Gericht - Öffentlichkeit ausgeschlossen

Der zweite Brand in einer Nacht in Ahrensburg: Nachdem das Feuer in einer Gartenlaube gelöscht war, mussten die Einsatzkräfte zu einem brennenden Strohlager ausrücken.
Auf einem Feld im Ahrensburger Stadtteil Ahrensfelde brennen Strohballen.

Ein Jahr lang sollen sechs Männer immer wieder Strohballen angezündet haben - vier von ihnen sind Feuerwehrleute.

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09. Juni 2015, 17:50 Uhr

Ahrensburg | Gegen zwei der sechs Brandstifter, die für eine Brandserie im Raum Ahrensburg mitverantwortlich sein sollen, beginnt am Dienstag der Prozess vor dem Amtsgericht Ahrensburg. Ein 17- und ein 20-jähriger Angeklagter sollen laut Staatsanwaltschaft für eine Serie von sechs Feuern im Raum Ahrensfelde  mitverantwortlich sein. Sie müssen sie sich laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, Günter Möller, vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Die beiden Männer sollen die Handlanger von vier Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde gewesen sein, die ebenfalls Brände gelegt haben.

Die Richterin schloss zum Prozessauftakt die Öffentlichkeit aus, um den Minderjährigen zu schützen. Für die Hauptverhandlung hat das Gericht zwei Tage vorgesehen und hierzu acht Zeugen und eine Sachverständige geladen. Am kommenden Montag soll es ein Urteil geben.

Die beiden mutmaßlichen Brandstifter wurden in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Einer von ihnen war vermummt. Er hatte  einen Schal bis kurz unter die Augen gezogen, darüber trug er eine helle Basecap und eine weite Kapuze über dem Kopf. 

Einem der Tatverdächtigen werden drei, dem zweiten sechs Brandstiftungen in Ahrensfelde zur Last gelegt, bei denen ein Sachschaden von rund 84.000 Euro entstand.

Das Interesse der Öffentlichkeit an der Verhandlung war groß: Drei Fernsehteams,  mehrere Lokalreporter, eine Schulklasse und Feuerwehrleute der FF Ahrensfelde. Auch Landwirt Hans-Joachim Gerken aus Hammoor war im Saal. Bisher unbekannte Brandstifter haben ihm fünf seiner Strohmieten angesteckt: „Auch wenn die beiden jungen Männer vermutlich nichts mit diesen Brandstiftungen zu tun haben, interessiert es mich doch, aus welchen Beweggründen ein Mensch so etwas macht, und ich wollte diesen Menschen einfach mal ins Gesicht schauen . Kaum einer weiß, was für Folgen das für einen Menschen hat, der so etwas erleben muss. Ich möchte gerne, das die Täter ihre Taten bereuen”, sagte er im TV-Interview.

Insgesamt ist es in den vergangenen Jahren zu vermutlich 117 Brandstiftungen in Ahrensburg und Stormarn gekommen.  Ein großer Teil dieser Taten ist immer noch nicht aufgeklärt.

Zwischen dem 30. Oktober 2013 und dem 27. Oktober 2014 gingen immer wieder, teilweise weit abgelegene, Strohlager in Brand auf. Die Feuerwehr konnte nichts anderes tun, als die Heuballen kontrolliert abbrennen zu lassen, denn zu retten gab es nie etwas. Was die Feuerwehr in unregelmäßigen Abständen zu leisten hatte, beweist eine Auswahl an Einsätzen. Die Videos zeigen die ganze Kraft der Feuer.     

Im Dezember 2014 klickten dann die Handschellen – bei vier jungen Feuerwehrleuten. Sie sollen selbst zwei Brände gelegt, sieben weitere  „in Auftrag“ gegeben haben.

Einem 17- und einem 20-Jähriger wird vorgeworfen, mit Brandbeschleunigern die Strohmieten im Raum Ahrensfelde in Brand gesetzt und somit einen Schaden 84.000 Euro verursacht zu haben. Warum die beiden jungen Männer dies taten, soll nun vor Gericht herausgefunden werden. Der 20-jährige Angeklagte befindet sich in dieser Sache wieder in Untersuchungshaft, der 17 Jahre alte Angeklagte befindet sich in anderer Sache in Strafhaft.

Losgelöst von diesem Verfahren soll demnächst auch der Prozess gegen die vier Feuerwehrleute, die mittlerweile von ihrem Ehrenamt suspendiert sind, beginnen.

 

Obwohl die sechs Männer festgenommen wurden, flammte Anfang Mai die Stormarner Brandserie erneut auf. Ob ein Zusammenhang mit den zurückliegenden Tagen besteht, kommentiert die Staatsanwaltschaft aufgrund des laufenden Verfahrens nicht.

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