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Stormarner Tageblatt

21. November 2017 | 16:45 Uhr

Zusammenhalt und Wir-Gefühl

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vortrag der Universitätsgesellschaft: Einzelhändler müssen in Innenstädten an einem Strang ziehen und sich ständig hinterfragen

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2015 | 15:24 Uhr

Sterben die klassischen Einkaufs-Innenstädte und welche Tendenzen sind zu erwarten? Die Universitätsgesellschaft Sektion Bad Oldesloe hatte zum Vortrag rund um die „Zukunft der Innenstädte“ geladen und rund 40 neugierige Oldesloer waren ins Bürgerhaus gekommen, um den Ausführungen von Ulrich Jürgens zu lauschen.

Der machte gleich zu Beginn klar, dass er keine exklusiv auf Oldesloe gemünzten Aussagen treffen wolle, aber durchaus in der Lage sei, strukturelle Veränderungen aufzuzeigen, die es zulassen, Rückschlüsse auf Entwicklungen in der Stormarner Kreisstadt zu ziehen. Dazu gehört die Erkenntnis, dass der klassische familiengeführte Einzelhandel kleiner Fachgeschäfte sich weiterhin überall auf dem Rückzug befindet. Große Ketten hingegen bestimmten immer häufiger das Geschehen. Edeka oder Rewe schlucken dabei immer weiter die mittleren und kleinen Betriebe wie zum Beispiel Tengelmann. „Dieser Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen“, betonte Jürgens.

Klar sei auch, dass ein Nahversorgungszentrum oder Supermarkt in Innenstadtnähe die kleinen Geschäfte nicht belebe, sondern Kunden abziehe. Kompliziert werde es aber auch immer, wenn ein Frequenzbringer in der Innenstadt – wie ein Kaufhaus – wegfalle. Bei Leerständen sei die Frage, wie diese Gebäude genutzt werden können. Neubesetzungen von Immobilien seien in Fußgängerzonen wie in Bad Oldesloe immer kompliziert. „Da sind Einkaufszentren mit einer zentralen Verwaltung im großen Vorteil, weil sie abgestimmt und geplant entscheiden können, welches Sortiment wo einzieht. In kleinen Innenstädten entscheiden einzelne Vermieter oft nicht im Sinne eines abgestimmten Angebots“, erklärte Jürgens. So entstehen dann drei Frisöre oder Bäcker in direkter Nachbarschaft, obwohl das am Bedarf vorbeigehe. Entscheidend sei es also für kleine und mittelgroße Städte, sich klar zu machen, dass man an einem Strang ziehen muss, wenn man eine Chance haben will. Auch wenn unterschiedliche Indiviudalinteressen aufeinanderstießen, müsse man im Sinne des großen Ganzen an einen Tisch.

Der Einzelhandel dürfe sich auch in einer Fußgängerzone nicht dem veränderten Kundenverhalten versperren, dass nicht mehr nur auf Grund der Einkommensverhältnisse aufgespalten sei. Wichtig sei heute oft auch der Eventcharakter beim Einkauf, neue Qualitätsansprüche „kritischer Kunden“ und das Bewusstsein, dass auch Discounter immer mehr auf Regionalität und lokale Marken setzen – dieses Qualitätsargument also nicht mehr exklusiv beim Fachhandel liegt.

Einkaufsstraßen sollten sich kollektiv für eine Aufwertung entscheiden. Das funktioniere aber nur durch Zusammenhalt und einer verpflichtenden Teilnahme der Händler. Wer nur auf alte Konzepte setze – die vielleicht ein paar Jahrzehnte funktionierten – werde mit großer Wahrscheinlichkeit zum Verlierer werden. Ständige Erneuerung sei heutzutage wichtig. Die Augen dürfe man auch nicht davor verschließen, dass der „fast schon disneyhafte Charakter mancher Outlet-Zentren“ auf große Beliebtheit stoße.

„Wir fühlen uns bestätigt in Befürchtungen, die wir im Bezug auf die Pläne in der Post haben“, zog Maria Herrmann (SPD) erste Rückschlüsse. „Es zeigt, dass das Wir-Gefühl in Bad Oldesloe im Einzelhandel gestärkt werden muss“, so Hartmut Jokisch (Grüne).  

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