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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 09:46 Uhr

Meistertitel : Zum Glück gezwungen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dietlinde Schosnig holt DM-Gold im Halbmarathon – dabei hatte sie sich gar nicht selbst zu dem Lauf angemeldet und kurzfristig von ihrem Start erfahren. Silber ergattert derweil Udo van Stevendaal.

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Und als Dietlinde Schosnig mit ihrer Goldmedaille auf dem Siegerpodest stand, hatte sie für den Moment alle Zweifel vergessen, die sie zuvor wegen des Starts bei den Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon in Husum gehabt hatte. Freudestrahlend nahm sie zur Kenntnis: „Ein solcher Wettbewerb ist doch nicht eine Hausnummer zu groß, wie ich davor immer gedacht hatte.“ Den Triumph in ihrer Altersklasse W  55 hatte die bescheidene Athletin letztlich ihrem Spartenleiter vom SV Großhansdorf zu verdanken. „Manfred Hamann hat mich angemeldet und mir das am Mittwoch vor dem Halbmarathon erst mitgeteilt“, verriet die 54-Jährige: „Eigentlich bin ich kein Wettkampftyp. Sport muss vor allem Spaß bringen. Mein Motto: Wenn ich ins Ziel komme, möchte ich noch tanzen können.“

Für ein Freudentänzchen reichte nach ihren 1:30:54 Stunden über die 21,0975 Kilometer die Kraft in der Tat noch – zumal Schosnig gleichzeitig einen neuen Landesrekord aufstellte und eine gelungene Premiere feierte. Es war ihr erster Start bei einer nationalen Meisterschaft. „Ich war schon etwas überrascht, wobei meine Zeit im Vorfeld durchaus möglich war. Vor einem Jahr bin ich bei den Kreismeisterschaften mit einer ähnlichen Zeit Gesamtzweite geworden“, erklärte die im polnischen Masuren geborene und mit 16 Jahren nach Deutschland gekommene Athletin. Dennoch: „Man weiß im Vorfeld ja nie, wie sich ein Lauf entwickelt. Alles ist tagesformabhängig.“

Manfred Hamann fragte sich unterdessen nicht ganz zu unrecht: „Wo soll das noch alles hinführen?“ Es hörte sich so an, als sei der Leichtathletik-Spartenleiter des SV Großhansdorf unzufrieden mit den Leistungen seiner Sportler. Doch weit gefehlt: Seine Worte drückten viel mehr Erstaunen aus – und zwar im positivsten Sinne.

„Katja Berend hat sich gerade in Polen den EM-Titel über die 200 und 60 Meter gesichert, holte zudem Gold mit der 4x200-Meter-Staffel , und nun kommt auch noch ein Deutscher Meistertitel dazu – unfassbar, was die Athleten unseres kleinen Vereins so alles leisten“, frohlockte Hamann. „Mit einer Medaille für Dietlinde Schosnig hatten wir insgeheim gerechnet, dass es aber eine goldene wird, ist einfach sensationell.“

Und Hamann hatte noch einen weiteren Grund, stolz auf seine Abteilung zu sein. Zwar reichte es für Udo van Stevendaal (46) nicht ganz zum Sieg bei den M  45, aber immerhin zu einer Silbermedaille und darüber hinaus zum Landestitel. „1:16:35 Stunden sind eine erstklassige Zeit“, freute sich Hamann. Bei den Kreismeisterschaften Ende März in Bad Oldesloe hatte van Stevendaal den Titel noch in 1:19:54 Stunden verpasst, nachdem er kurz zuvor aus einem Trainingslager zurückgekehrt und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen war.

Hamann hofft nun, dass seine Abteilung auch in Zukunft an die Erfolge der vergangenen Wochen anknüpfen kann. „Wenn man so erfolgreich ist, will man natürlich mehr und hofft, dass nicht irgendwann der Absturz folgt“, weiß der Vorsitzende des Kreis-Leichtathletik-Verbandes. „In anderen Sportarten würde man jetzt wohl versuchen, noch bessere Athleten dazuzukaufen, um noch größere Erfolge zu feiern. Das ist bei uns nicht möglich. Daher genießen wir den Moment.“

Das tat auch Dietlinde Schosnig. Die 54-Jährige weiß – anders als Hamann – derweil genau, wo ihr Weg hinführen wird. Am 26. April wird die Großhansdorferin beim Hamburg Marathon starten. Ihr Ziel: 3:30 Stunden. „Aber vermutlich werde ich sogar schneller sein“, erklärte Schosnig. Anschließend will sie sich langsam vom kräftezehrenden Laufen zurückzuziehen und vermehrt auf Triathlon setzen. Durch den Deutschen Meistertitel im Halbmarathon verabschiedet sich Schosnig mit einem wahren Karrierehöhepunkt vom Laufen – man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. 

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