zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

23. August 2017 | 08:45 Uhr

Zum achten Mal das Erfolgskonzept

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Tageblatt-Mitarbeiter hat die Entwicklung der Ahrensburger Musiknacht über Jahre verfolgt. Auch am Wochenende war er wieder dabei

Sonnabend, 18 Uhr, Ahrensburg, eine Holzhandlung: Zum achten Mal Musiknacht. Für mich selbst die siebte. Organisatorin Felizitas Thuneke hat es zu einer Besonderheit gemacht, dass einer der bekanntesten Acts des Abends gleich zu Beginn spielt. Heute ist es Bluesröhre Inga Rumpf. Als sie die Bühne zwischen den Holzregalen betritt, ist die Halle frühzeitig sehr gut gefüllt, ein echter Gradmesser für den Gesamterfolg. Die Sängerin ist optisch gealtert, aber das steht ihr, passt es doch noch besser zu ihrer rauchigen Stimme. Ihre Begleitmusiker – im Hauptberuf bei den Kölner von BAP tätig – spielen auf den Punkt und souverän.

In den ersten Reihen stehen begeisterte Musikfans. Ansonsten hat sich das Publikum der Musiknacht verändert. Aus der Musikveranstaltung ist ein Society-Event geworden. Ein immer weiter wachsender Teil der Gäste kommt nicht wegen der guten Musik hierher, sondern auch, weil es schick geworden ist, dabei zu sein. Das geht etwas zu Lasten der Atmosphäre. Denn auch wenn viele Besucher begeistert mitgehen, sind auch viele gekommen, denen man etwas mehr Begeisterung für die durchweg qualitativ hochwertige Musik an sich wünschen würde.

20 Uhr, Sparkasse Holstein: Oft schon habe ich mit Felizitas Thuneke darüber gesprochen, ob man nicht vielleicht auf dieser Plattform mehr Nachwuchsbands eine Chance geben sollte. Sie betont stets, dass sie das gerne würde, aber dass sie auch ein Stammpublikum mit Erwartungshaltungen hat. Und genau diese möchte, ja muss sie – erfüllen.

In der Sparkasse ist seit einigen Jahren aber ein Ort für die Talente innerhalb der Musiknacht geschaffen worden. Dort spielt gerade Hannah Mattwig, als ich das Foyer betrete. Ein älterer Mann sagt mir entsetzt, dass die ganz anders aussieht als auf dem braven Foto im Programmheft „Mit Mütze, und Metall im Gesicht“. Das passe doch gar nicht hierher, merkt er an. Ecken und Kanten und große Neuerungen sind nicht gefragt im Programm der Musiknacht. Schade eigentlich.

Denn mehr ehrlich enthusiastische Musikerinnen wie Hannah, würden der zum Teil fast schon langweiligen Professionalität des Gesamtprogramms gut tun. Sie ist die Antithese zu den erfahrenen Veteranen und zugleich eine der charmantesten Erscheinungen. Mit ihren eigenständigen Songwriterklängen ist sie mehr als nur ein Farbtupfer. Sie gehört genau wie die junge Popband „Trying Empire“ zu den spannenderen Entdeckungen des Abends.

21 Uhr Stadtresidenz: Georg Schroeter und Marc Breitfelder beweisen bei ihrem achten Besuch bei der Musiknacht, dass sie noch immer zwei großartige Bluesmusiker sind, die glaubwürdig rüberkommen.

Dass leider eben nicht nur echte, enthusiastische Musikfreunde unterwegs sind, beweist sich erneut. Das ständige Geplapper im Hintergrund nervt nicht nur mich. Es muss sogar darauf hingewiesen werden, bitte nicht in der ersten Reihe mit Handys zu telefonieren - Kopfschütteln.

23 Uhr Haspa: Elizabeth Lee von Cozmic Mojo sieht aus wie die Hippie-Tochter von Steven Tyler und Janis Joplin. Ihre Band ist ein pumpendes Bluesrock-Ungetüm. Das Publikum ist begeistert. Sie singt von Freiheit und wirkt zwischen den weichgezeichneten Bankwerbeplakaten genau daher Fehl am Platz. Ist das Subversion oder schon der Ausverkauf von Glaubwürdigkeit? Nicht jeder „ungewöhnliche“ Rahmen ist passend.

0 Uhr im Parkhotel: Hier beginnt langsam die Aftershow mit großem Jam. Das ist für die Musiker selbst zum Herzstück des Abends geworden. Jetzt kommt auch die Begeisterung der Vorjahre auf. Die Musik steht wieder im Mittelpunkt. Thuneke ist zufrieden. Kann sie auch sein. Denn die Besucherzahlen sprechen für ihr Erfolgskonzept.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen