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Ahrensburger Tunneltal: : Zukunftsprojekt führt in die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Archäologen graben bis Oktober entlang der geplanten S4-Trasse im Tunneltal. Zunächst sind es nur Voruntersuchungen.

Eine Wiese südlich von Ahrensburg, das Gebiet ist sensibel, weil Landschaftsschutzgebiet und zugleich eine archäologische Fundgrube: das Tunneltal. Der Ahrensburger Archäologe Alfred Rust entdeckte hier in den dreißiger Jahren altsteinzeitliche Kulturen und fand neben Werkzeugen ganze Rentiergeweihe. Jetzt wird wieder gegraben – im Auftrag der Bahn.

„Wir machen die Voruntersuchungen, im Rahmen der anstehenden Planungsphasen erstellt die Deutsche Bahn die Umweltverträglichkeitsstudie“, erklärt Grabungsleiterin Mirjam Briel und fügt etwas bedauernd hinzu, „wir dürfen nur dann graben, wenn etwas geplant ist. Umso erfreuter war die Steinzeitexpertin, als sie in das Grabungsteam berufen wurde: Das Tunneltal ist das wohl bedeutendste Grabungsfeld in Nordeuropa, „es ist wirklich ein Privileg, hier forschen zu dürfen“, sagt die 32-Jährige.

Gefunden hat das fünfköpfige Team bislang jede Menge – zumeist Splitter von Feuersteinen und Werkzeugen – etwa 12  000 Jahre alte Zeugnisse früherer menschlicher Besiedlung. Manche Fundstücke sind kaum größer als ein Zehn-Cent-Stück, „das Auge wird mit der Zeit darauf geschult, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden“, sagen die Grabungsfacharbeiter Otto West und Patrick Tarner. Beide liegen bäuchlings an einer etwa einen mal ein Meter großen und 30 Zentimeter tiefen Grube und schaben mit einer Kelle das Erdreich der Oberschicht beiseite.

Die Erde wird in ein feinmaschiges Sieb geschüttet und so lange gerüttelt, bis mögliche Fundstücke entdeckt werden. „Klar, manchmal ist gar nichts, und dann wieder gibt es kleine Stücke“, sagt Mirjam Briel. Die Fundstücke werden in kleine Beutel gepackt und katalogisiert, archiviert werden sie dann im Landesmuseum Schloss Gottorf.

Vom Ergebnis der bis zum Oktober dauernden Grabungen hängt es ab, ob es eine umfangreiche Hauptuntersuchung des Areals geben wird. Die Funde stammen von Rentierjägern, die – und das ist das Besondere – bereits mit Pfeil und Bogen gejagt haben, der sogenannten Ahrensburger Kultur. Im Gegensatz dazu gibt es noch die Hamburger Kultur (vor etwa 14  000 Jahren), deren Jäger waren mit Speeren unterwegs.

Die ersten Züge der S4 sollen in etwa zehn Jahren von Hamburg nach Bad Oldesloe fahren, die Kosten betragen jetzt schon über eine Milliarde Euro – darin enthalten sind übrigens auch die Grabungskosten.



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