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Ammersbek : Zukunft der Kirche steht auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Pläne für das Quartierszentrum in Ammersbek sind nach dem Rücktritt von Pastor Ralf Weisswange und Uli Ulbricht ungewiss.

Von den „großen Schritten in Richtung unseres Ziels Quartierszentrum“, die Pastor Ralf Weisswange und der Finanzausschuss-Vorsitzende Uli Ulbricht im Sommer-Gemeindebrief erfreut mitteilen, ist nichts mehr geblieben. Einen Monat, nachdem die Gemeindevertretung die Aufstellung eines B-Plans vertagt hatte, sind Weisswange als Vorsitzender und Uli Ulbricht von ihren Ämtern im Kirchengemeinderat zurückgetreten. Bedeutet das auch das Aus der Planungen für das Gemeindezentrum?

Wenige Stunden vor der letzten Gemeindevertretersitzung vor der Sommerpause teilte Weisswange Bürgermeister Horst Ansén (SPD) mit, das er und Ulbricht zurücktreten werden. „Herr Weisswange hat persönliche Gründe angegeben und gesagt, dass er sich auf seine Kernaufgabe als Pastor konzentrieren will,“ so Ansén.

Das dürfte allenfalls die halbe Wahrheit sein. Ralf Weisswange, seit 20 Jahren Pastor in Hoisbüttel, möchte das aber nicht aufklären: Er beantwortet keine Presse-Anfragen und ist auch während seiner Sprechstunde nicht zu sprechen.

Ralf Weisswange
Ralf Weisswange

Er und Ulbricht waren die entscheidenden Personen für die Planung auf dem Gelände des Gemeindezentrums Lottbek. Das hatte der Kirchenkreis Hamburg-Ost bei der (aus finanziellen und strukturellen Gründen erfolgten) Überprüfung aller Immobilien in die Kategorie C eingeordnet – „nicht aus Gemeinschaftsmitteln förderfähig“.

Aus dem eigenen Haushalt kann die Kirchengemeinde die Gebäude nicht erhalten. Also suchten der Pastor und der Finanzfachmann mit dem Kirchenkreis und der Ammersbeker Verwaltung nach einer Lösung. Die schien gefunden: Die Kirchengemeinde überlässt das rund 3000 Quadratmeter große Grundstück in Erbpacht einem Investor, der dort Senioren-Wohnungen und ein Quartierszentrum für Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen baut. Die Erbpacht sollte mindestens für die Miete für das Quartierszentrum reichen.

Damit die Rechnung aufgeht, ist allerdings eine erkleckliche Anzahl von Wohnungen notwendig. Ein mehrgeschossiges Haus mit 35 Wohneinheiten war den Fraktionen in Ammersbek  aber zu massiv. Erst recht den Nachbarn, denen laut B-Plan nur ein Vollgeschoss erlaubt ist und denen  Anbauten und Carports mit der Begründung, sie passten nicht  in das Wohngebiet, abgelehnt worden waren.

Also regte sich  Widerstand, der von der  Interessengemeinschaft erhaltenswertes Lottbek (Igel) organisiert wurde.    Man sei nicht generell gegen Wohnblocks oder gegen die Kirche, aber „wir  wollen nicht, dass hohe Blöcke in den Himmel ragen und  sind dagegen,  Baupläne für Privatinvestoren anzupassen, damit diese dann maximale Profite erwirtschaften können“, heißt es im IG-Blatt „Lottbeker Stachel“ vom 1. Juli.

Vor dem Bauausschuss Ende Juni hatte   die IG eine Liste mit gut 1000 Unterschriften gegen das Projekt übergeben.  Mit der Folge, das der Ausschuss auf Antrag der SPD und auch mit den Stimmen der CDU den Aufstellungsbeschluss für das Kirchengrundstück  von der Tagesordnung nahm. Man wolle das Gespräch zwischen  Kirche und  Anwohnern am 27. Juni abwarten,  so Ausschussvorsitzender Jürgen Kestien.    Auch in der SPD sehe man es so, dass die Planungen in dieser Form nicht zur vorhandenen Bebauung passten.

Mit den Igel-Vorstellungen, wie sich das alte Gemeindezentrum erhalten lasse,   konnten die Kirchenvertreter im Gespräch am Ende aber wohl wenig anfangen. Die Ideen reichten von Sparvorschlägen wie weniger Mülltonnen, Heizungssteuerung und  Licht mit Bewegungsmelder  über  Einnahmen durch Kurse und Spenden und Teilvermietung bis zur Gründung einer Stiftung und Sparen durch Investitionen: Den Bau einer Solaranlage und eine Verkleinerung durch Teilabriss.

Strukturelle Defizite lassen sich damit nicht beheben, geschweige denn Investitionen finanzieren. Und man muss kein Prophet für die Aussage sein, dass sich  die Bebauungspläne  kaum durchsetzen lassen ohne Akteure, die dafür eintreten. „Ich sehe meine Aufgabe darin,  die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen“, sagt Bürgermeister Horst Ansén, „wenn  das mehrheitlich nicht gewollt, habe ich das zur Kenntnis zu nehmen.“

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erstellt am 25.Jul.2017 | 06:00 Uhr

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