Stormarn : Zu wenig Schwimmunterricht

Hatten Spaß bei den Sommerferien-Kursen und lernten auch schwimmen: Maximilian, Christian und Kira im Oldesloer Hallenbad.
Hatten Spaß bei den Sommerferien-Kursen und lernten auch schwimmen: Maximilian, Christian und Kira im Oldesloer Hallenbad.

Kreissportverband bietet mit Unterstützung der Politik Ferienkurse an. Kein Unterricht an acht von 31 Grundschulen

shz.de von
17. August 2018, 06:00 Uhr

Einfach mal ins Freibadbecken springen oder in der Ostsee baden – für viele Menschen ist so ein natürlich klingender Vorgang zu einem Problem geworden. Das zeigt sich auch in der Zahl der dramatisch angestiegenen Unfälle und leider auch Todesfälle in Bädern und an den Ostseestränden. Oft wird das Element Wasser unterschätzt, gleichzeitig ist die Zahl der Nichtschwimmer in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen.

Eine der zentralen Ursachen dafür liegt daran, dass jeder zweite Grundschüler nicht mehr schwimmen lernt. „Eltern schieben immer mehr Verantwortung auf die Schulen und Vereine ab, kümmern sich in vielen Fällen selbst nicht mehr“, sagt Adelbert Fritz, Vorsitzender des Kreissportverbands Stormarn, „wir müssen dann sehen, wie wir mit dieser Verantwortung umgehen.“

„Es ist ein Teil einer gesellschaftlichen Veränderung“, sagt KSV-Geschäftsführerin Verena Lemm. Dazu gehört auch, dass viele Grundschulen der Zielvorgabe des Bildungsministeriums nicht nachkommen, nach der jeder Schüler bis zur Orientierungsstufe mindestens das Bronze-Schwimmabzeichen absolviert haben sollte.

„Schwimmunterricht kann keine freiwillige Zusatzleistung sein und kein Streichposten, wenn mal Lehrer fehlen“, so Fritz. Auf der anderen Seite gebe es immer weniger Lehrer, die Schwimmunterricht anbieten dürfen. „Die Qualifikation müssen sie erst erwerben“, sagt der KSV Vorsitzende. Und dann gibt es gesetzliche Vorgaben, die der KSV nicht nachvollziehen kann. „Wir haben eine DLRG Rettungsschwimmerin, die gerne Schüler unterrichten würde, aber sie darf nicht. Wie in anderen Bereichen auch, tun sich die Schulen schwer, Angebote anzunehmen“, sagt Verena Lemm schulterzuckend.

Eine der Antworten, die der KSV gemeinsam mit der Kreispolitik gibt, sind die Sommer-Seepferdchenkurse, eine in Schleswig-Holstein einmalige Lösung. In Ferien-Crashkursen lernen Kinder schwimmen. Angeboten werden sie Kurse in Bad Oldesloe, Barsbüttel und Stapelfeld. Der Kreis unterstützt den Unterricht mit 5000 Euro. „Als CDU-Fraktion haben wir uns sehr früh dafür eingesetzt, mittlerweile sehen es auch alle anderen Fraktionen als eine Notwendigkeit“, sagt Kirstin Krochmann, Vorsitzende des Schul-, Kultur- und Sportausschusses.

Für die nächsten beiden Jahre ist die Finanzierung gesichert. „Ich bin mir aber sicher, dass das Thema mittlerweile bei der Landesregierung angekommen ist und dass sich dort etwas tun wird. Schwimmen an den Schulen ist wieder stärker in den Fokus gerückt“, so Krochmann.

Während die Kooperation mit den Schulen in den Vorjahren gut gelaufen sei, zeigte sich Lemm in diesem Jahr verwundert, dass gleich in mehreren Orten keine Anmeldezettel für die Sommerschwimmkurse verteilt wurden. „Wir haben die Rückmeldung von Eltern, die nichts davon mitbekommen haben. Das ist verwunderlich. Die Teilnehmerzahl ist dadurch von 180 auf 100 Kindern gesunken“, so Lemm. Da es auch noch Abmeldungen gab, waren es in diesem Sommer nur 73 Kinder.

Unter dem Strich ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein, „aber immer noch viel besser, als nichts zu machen“, sagt Fritz. Selbst die Kinder, die das Seepferdchen am Ende nicht bestehen – in diesem Jahr liegt die Quote bei eta 50 Prozent – hätten durch den Kurs gelernt, sich über Wasser tzu halten. Für das Seepferdchen müssen 25 Meter geschwommen, ein Gegenstand aus schultertiefem Wasser geholt und vom Beckenrand gesprungen werden.

Erstaunlich sei es, dass immer mehr Kinder erstmal an tieferes Wasser gewöhnt werden müssen. „Manche mögen nichtmal einen Fuß in das Becken setzen“, zeigt sich Verena Lemm erstaunt: „Solche Ängste lassen sich natürlich nicht in zehn Tagen beseitigen. Wer nicht ins große Becken mag, kann auch das Seepferdchen nicht bestehen Da braucht es mehr Geduld. Aber es ist wenigstens ein Anfang gemacht.“

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