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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 07:10 Uhr

Bargteheide : Zoff um 160 Quadratmeter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Rechtsstreit zwischen Bahnhofseigentümer Stephan Gloge und der Stadt Bargteheide.

Seit drei Jahren gehört der Bargteheider Bahnhof Stephan Gloge. Er ist sicher, dass die Tage des Gebäudes mit der Funktion als Bahnhof gezählt sind. Am Tag des offenen Denkmals führte er kürzlich Besucher durch den 150 Jahre alten Bau. Lokalpolitiker hatten dazu eine Ausstellung zu seiner Geschichte zusammengestellt. Und Gloge berichtete in einer Fragerunde im Büro der Grünen, was ihn an der Sanierung noch hindert: ein Rechtsstreit mit der Stadt.

„Das Dach muss dringend erneuert werden“, sagt er. Die Kosten dafür seien mit dem Preis eines Einfamilienhauses vergleichbar, schätzt er. Auch die Fassade sei sanierungsbedürftig. Doch bevor er nicht als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen ist, will Gloge nichts investieren. Dafür benötigt er eine so genannte Unbedenklichkeitsbescheinigung seitens der Stadt.

Darüber soll jetzt ein Gericht entscheiden. Denn die Stadt hat ihr Vorkaufsrecht für den südlichen Teil des Grundstücks geltend gemacht, auf dem die Fahrradständer stehen. Um diese 160 Quadratmeter dreht sich der Rechtsstreit. Er erziele damit keine Einnahmen, sondern habe nur Kosten, so Gloge: „Das Gebäude darf für mich kein Minus machen.“ Er habe kein Problem mit den Rädern, aber der Stellplatz sei eine öffentliche Aufgabe für die Stadt.

Das sieht Bürgermeister Henning Görtz ganz anders: „Dieser Teil des Grundstücks ist als öffentliche Verkehrsfläche im Bebauungsplan eingetragen.“ Eine andere Nutzung sei deshalb nicht möglich. Deshalb habe der Gutachterausschuss des Kreises für Bodenrichtwerte den Wert dieses Grundstücksteils als gering eingestuft. Die Stadt habe Gloge einen Pachtvertrag für die Nutzung angeboten, der Betrag sei ihm aber zu niedrig gewesen. „Wir wollten unser Vorkaufsrecht eigentlich nicht nutzen“, sagt Görtz dazu.

„Der Bürgermeister will das Grundstück von mir quasi geschenkt haben“, so der Bahnhofsbesitzer. Streitpunkte sind auch die Grundsteuer und Kosten für Straßenreinigung. Die solle die Stadt für den Teil des Grundstücks übernehmen, der nur von den Pendlern mit Fahrrad genutzt wird, findet Gloge. Auch hier widerspricht Görtz: „Das Gesetz verpflichtet jeden Eigentümer dazu, Grundsteuer zu bezahlen.“

Die Bahn habe den Bahnhof nur verkauft, weil sie ein neues Gebäude plane, so Gloge. „Das wird weiter südlich entstehen.“ Die Bahn habe sich von keinem aktiven Bahnhof getrennt. Die S 4 werde deshalb früher kommen als 2024, ist er überzeugt.

Noch ist die umfangreiche Steuerungstechnik aus den 1980er Jahren im Gebäude untergebracht. Dieser Platz werde zukünftig nicht mehr benötigt. Der Fahrdienstleiter im Dienstraum werde heute hauptsächlich nur gebraucht, um die Handschranke zu den Außengleisen zu bedienen. Die Situation sei hier gefährlich. „Ich habe selbst schon einige Beinahe-Katastrophen an der Schranke gesehen“, sagt Gloge. Auch der Bahnsteig sei zu eng und nicht behindertengerecht, doch die Bahn wolle bis auf weiteres nicht in eine Verbesserung investieren.



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