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Baumfrevel in Oldesloe : "Ziel verfehlt – Note sechs!"

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

War der Obstbaumschnitt der Bauhofmitarbeiter an den Apfelbäumen auf dem Höter Berg zu radikal?

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 12:30 Uhr

Ute Gladigau kann es immer noch nicht fassen. „Hier bei den Apfelbäumen hat sich jemand sehr viel Arbeit gemacht, doch leider ist alles ganz falsch geworden. Das ist gruselig und eine absolute Katastrophe“, klagt die Gärtnermeisterin, die auch im Naturschutzbund (Nabu) aktiv ist, und zeigt auf einen Apfelbaum mit hunderten von Schnittstellen. Dieser radikale Obstbaumschnitt, der vor etwa zwei Wochen von Mitarbeitern des Bauhofes an 55 Apfel- und Birnbäumen auf der drei Hektar großen Streuobstwiese am Höter Berg durchgeführt wurde, ist schon von weitem an den vielen hellen Holzschnittstellen sichtbar. Einigen Apfelbäumen wurden die hohen Kronen gar um die Hälfte gekappt, haben große und viele Schnittwunden im Geäst.

„Das sind Quadratmeter an Wunden, die die Bäume jetzt verkraften müssen“, sagt Klaus Graeber, Vorsitzender des Nabu, der vor 15 Jahren die Obstbaumwiese von der Stadt pachtete. Hier stehen mehr als 80 Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume, die damals Günter Fielmann der Stadt spendete. Der Nabu entwickelte zusammen mit dem Pomologen Meinolf Hammerschmidt ein besonderes Pflegekonzept für die alten Hochstammsorten. Danach sollten die Bäume nur vorsichtig und zurückhaltend beschnitten werden, um sie zu großen und alten Bäumen heranwachsen zu lassen. „Dieses Konzept und 15 Jahre Arbeit sind jetzt zunichte gemacht worden“, klagt Graeber. Das Lebensalter der Bäume sei durch den radikalen Schnitt um mindestens 20 Jahre verkürzt worden, schätzt der Biologe.

Immerhin blieben aber die Kirsch- und Pflaumenbäume vom „Pflegeschnitt“ verschont. Ein kleinerer Apfelbaum dagegen wurde um rund ein Drittel seiner ursprünglichen Größe gestutzt, die abgeschnittenen Äste liegen noch daneben. „So schneidet man einen Baum, wenn man eine Hecke haben will“, betont Fachfrau Ute Gladigau. Denn nun würden die so stark beschnittenen Apfelbäume jede Menge Wassertriebe ausbilden, die mühsam wieder entfernt werden müssen. „Wir müssen uns nun zusammen mit der Stadt überlegen, wie wir die Bäume weiterhin pflegen wollen, denn unser ursprüngliches Konzept lässt sich jetzt nicht mehr realisieren“, so Klaus Graeber.

Natürlich gebe es auch unter Fachleuten verschiedene Meinungen und Auffassungen, wie man Obstbäume am besten beschneidet. „Aber niemand kann mir sagen, dass man das heutzutage so macht, wie hier geschehen. Das ist völlig unlogisch. Ziel verfehlt, Note sechs“, meint Ute Gladigau, die auf der Obstbaumwiese am Höter Berg regelmäßig Einführungen in den „sanften“ Obstbaumschnitt anbietet. Rund 1000 Oldesloer haben hier an den Bäumen schon den richtigen Obstbaumschnitt erlernt.

Tassilo von Bary versteht die ganze Aufregung um die Obstbäume nicht so recht. „Der Baumschnitt ist ordnungsgemäß und von Fachleuten durchgeführt worden. Vielleicht kann er keinen Schönheitspreis gewinnen, aber er war auch notwendig, um drohenden Windbruch an den hohen Bäumen zu verhindern“, rechtfertigt der Verwaltungschef die Radikalkur des Bauhofs.

Der Naturschutzbund habe es in der Vergangenheit nicht richtig geschafft, alle Bäume zu pflegen, so dass dem Bauhof der Auftrag zum Schnitt erteilt worden sei. „Allerdings werden wir uns jetzt künftig mit dem Nabu besser absprechen. Die Kommunikation war schlecht“, räumt von Bary ein.

 

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