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Ahrensfelder Brandstifter vor Gericht : Zeugen mit Erinnerungslücken

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen vier junge Feuerwehrleute aus Ahrensfelde.

Mit umfangreichen Zeugenvernehmungen wurde der Prozess gegen die Brandstifter aus der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde fortgesetzt. Zwölf Zeugen wollte das Jugendschöffengericht Ahrensburg dazu hören. Es geht um eine Brandserie in der Region Ahrensburg, die erst vor einem Jahr endete. Immer wieder gingen dabei Strohballenlager oder Papiercontainer in Flammen auf.

Weitere Täter wurden beauftragt
Die vier jungen Männer im Alter zwischen 20 und 21 Jahren sollen selbst einige Brandstiftungen verübt haben. Als sie den Ermittlungsdruck der Polizei spürten, beauftragten sie zwei weitere Täter mit den Brandlegungen und boten ihnen dafür Geld an. Diese sind bereits im vergangenen Juni abgeurteilt worden und sitzen jetzt ihre Haftstrafen ab (wir berichteten). Für die Tatzeiten besorgten sich die Angeklagten dann ein Alibi.

Bemerkenswert waren die Erinnerungslücken der jugendlichen Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten. Immer wieder hielt die Vorsitzende Richterin ihnen die Aussagen vor, die sie vor der Polizei und im Verfahren gegen die Mittäter gemacht hatten und stellte bohrende Fragen. „Sie haben das vor der Polizei so plastisch geschildert, dass ich an ihren Erinnerungslücken zweifele“, kritisierte auch der Staatsanwalt eine 17-Jährige. Immerhin hatte sie geschildert, dass bei einem Angeklagten Panik ausbrach, als er durch einen Anruf in ihrer Gegenwart von einer Zeugenaussage erfuhr.

Die Polizei hatte den Zeugen festgenommen, und er belastete die Angeklagten schwer. „Er wurde nervös und zitterte“, sagte sie vor der Polizei aus, „dann nahm er den Akku aus seinem Handy, damit er nicht mehr geortet werden konnte.“ Vor Gericht bestätigte sie nur, dass der Angeklagte ihr die Namen seiner drei Mitangeklagten genannt habe. „Er selbst hat sie nur zu zwei Bränden hingefahren, keinen gelegt.“

Ob die Angeklagten ihre zwei Mittäter tatsächlich bezahlt haben, bleibt noch offen. Denn drei der Angeklagten schweigen bisher. Von Geldübergaben sprechen nur einige Zeugen, die das vom Hörensagen erfahren haben wollen. Die beiden Komplizen hätten mit ihren Taten geprahlt, sagte eine 17-Jährige aus: „Einer sagte mir, er sei dazu von den Angeklagten erpresst worden.“ Ein Komplize habe sich beschwert, dass kein Geld geflossen sei, so ein anderer Zeuge. Wer es war, wisse er nicht mehr. „Wir machen das, damit wir in der Feuerwehr etwas zu tun haben“, will er von den Angeklagten gehört haben.

Strohballenmiete aus Frust agenzündet
Ein 22-jähriger Zeuge erschütterte auch die Angaben des einzigen aussagebereiten Angeklagten zur ersten Tat im November 2013, die er allein begangenen haben will. Aus Frust sei er damals mit dem Motorroller unterwegs gewesen und habe eine Strohballenmiete angezündet. Damals hatte er keinen Roller“, sagte der Zeuge gestern. Mit drei Angeklagten war er befreundet und hatte sich über ihr Verhalten gewundert: „Sie konnten mir nicht in die Augen schauen und haben sich bei Fragen nach den Bränden von mir weggedreht.“ Zudem habe er einen der Angeklagten auf einem Internetvideo von einem Containerbrand im Januar 2014 wiedererkannt: „An seiner Gangart habe ich ihn identifiziert.“

Das Motiv der Angeklagten war Geltungssucht, sie wollten sich in der Feuerwehr als tüchtige Helfer profilieren. „Sie waren immer die Ersten in der Feuerwache“, sagte ein Zeuge aus. Es bleiben also noch viele Fragen offen. Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag fortgesetzt, drei weitere Termine sind anberaumt.



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