Nach dem Poststreik 2015 : Zettel statt Zustellung: Kunden in SH müssen Pakete selbst abholen

Irgendwie symbolisch: Die Hinweisschilder zur Paketausgabestelle hängen kopfüber.
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Irgendwie symbolisch: Die Hinweisschilder zur Paketausgabestelle hängen kopfüber.

In Teilen Schleswig-Holsteins setzt die Post auf ungewöhnliche Methoden, um der Paketflut wieder Herr zu werden. Beispiel: Bad Oldesloe.

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09. Juli 2015, 06:00 Uhr

Bad Oldesloe | Mit etwas ungewöhnlichen Methoden versuchen die Post-Bediensteten im Zustellbereich 23 in Bad Oldesloe, der aufgestauten Paket- und Briefflut Herr zu werden: Nur ein geringer Teil der Pakete wird überhaupt auf ein Fahrzeug geladen. Kunden erhalten stattdessen vorgeschriebene Zettel mit irreführenden Hinweisen.

„Ihre Sendung ist da“ heißt es in großen Lettern und kleiner, dass sie nicht zugestellt werden konnte, aber in der Emma-Ihrer-Straße abgeholt werden könne – „damit Sie ihre Paketsendung trotz des Poststreiks schnell erhalten.“

„Dabei hat es doch gar keinen Zustellversuch gegeben“, wundert sich Heinz Kuhlke (70) aus Bad Oldesloe. Ein Paket wurde ihm geliefert, aber gleich drei Abholkarten. Ähnlich ging es einer Lasbekerin, die am Dienstagnachmittag etwas fassungslos war: Statt der erhofften sechs Warensendungen reichte ihr ein Zusteller nur einen roten Zettel aus dem geöffneten Fenster des Postautos.

„Was glauben Sie, was wir jetzt zu tun haben“, war die Antwort, die Heinz Kuhlke bekam, als er fragte, was das denn für ein Service sein soll. „Wenn etwas liegengeblieben ist, muss es aufgearbeitet werden, wie es im normalen Arbeitsleben sonst auch der Fall ist, vor allem nach vier Wochen Streik“, sagt der 70-Jährige.

Genau darum beschreitet die Post allerdings diesen Weg. „Die Rückstände sind dort, wo intensiv gestreikt wurde, schon heftig“, sagt Post-Sprecher Martin Grundler, „um die Pakete den Kunden möglichst schnell zugänglich zu machen, bieten wir die Abholung an.“ Die ist allerdings mehr als eine „grundsätzliche Möglichkeit“. Wenn alle Pakete ausgeliefert werden müssten, „würde das schon eine Weile dauern, obwohl wir mit Hochdruck arbeiten“, räumt Grundler ein.

Das Ganze sei auch eine Frage der Abwägung: „Es ist einfach der Versuch, das Verfahren zu beschleunigen, um möglichst schnell zurück zum regulären Betrieb zu kommen. Es ist schon ärgerlich genug, dass die Kunden so lange auf die Zustellung warten mussten“, sagt der Postsprecher.

Die Halle auf einem Hinterhof der Emma-Ihrer-Straße im Oldesloer Gewerbegebiet sieht mit ihrem einfachen Holztisch nicht wie eine Ausgabestelle für Pakete aus. Ein zweites Abhollager gibt es zwischen Reinfeld und Lübeck. „Beide Hallen wurden auch schon während des Streiks genutzt“, so Grundler.

Offensichtlich ist es so, dass die älteren Paketsendungen abgeholt werden müssen, während neue Pakete gleich zugestellt werden. Problem für Firmen, die nach dem Streik Dutzende Pakete erwarten: Die aufgelaufenen Sendungen sind nicht sortiert, sondern nummeriert. Zu jeder Karte gehört ein Paket. Das heißt: Wer 50 Pakete erwartet, muss immer wieder los, weil die Abholkärtchen ebenfalls nach und nach verteilt werden. „Trost“: Am Freitag nächster Woche ist der Spuk vorbei. Pakete, die bis dahin nicht abgeholt wurden, werden zurückgesandt.

Wer verderbliche oder temperaturempfindliche Ware bestellt hat, hat ohnehin Pech. Grundsätzlich haftet die Post nicht für verspätete Lieferungen. Anders ist es nur bei Einschreiben oder DHL-Express. Die Posttochter war von dem Ausstand nicht betroffen. Wäre sie es, würde es wahrscheinlich aber ebenfalls keine Haftung geben, da Streiks im Sinne des Gesetzes als höhere Gewalt gelten. Auch bei termingebundenen Briefen wie Kündigungen, Mahnungen oder Bewerbungen hat der Versender Pech: Ist der Termin verstrichen, kann er nur auf die Kulanz der anderen Seite hoffen – sofern das möglich ist: Bei einem Auslandsvisum oder bei Konzertkarten nützt auch Kulanz wenig, wenn der Termin verstrichen ist.

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