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Stormarner Tageblatt

24. August 2017 | 01:56 Uhr

Zeitverträge treiben Lehrer aus dem Land

vom

Befristungen müssen eingedämmt werden / Antipädagogisch und unzumutbar

kiel | Bis zu sieben Verträge in anderthalb Jahren, teils sogar auf nur zwei Monate befristet - und während der Sommerferien die Ungewissheit, ob es im neuen Schuljahr überhaupt an irgendeiner Schule weitergeht: Das ist kein Einzelfall, sondern für Junglehrer in Schleswig-Holstein nichts Ungewöhnliches. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert ebenso wie der Philologenverband, die für Betroffene und Schulalltag gleichermaßen nervenaufreibende Praxis der Vergabe kurzer Zeitverträge zu stoppen. Die Vorsitzende des Bildungsausschusses des Landtags, Anke Erdmann (Grüne), will noch im August beantragen, dass das Bildungsministerium Möglichkeiten aufzeigt, wie sich die Befristungen eindämmen lassen.

"Unzumutbar" findet Blanka Knudsen, Vize-Landesvorsitzende der GEW, die Unsicherheit, der Inhaber von Zeitverträgen ausgesetzt sind. Der Worst Case sei, wenn befristete Verträge bereits zum Ende eines Schuljahrs enden. Dann kommt zum Rätselraten über eine Verlängerung noch Arbeitslosigkeit während der Ferien. Die Schüler sieht Knudsen ebenso als Leidtragende: "Die befristeten Beschäftigungsverhältnisse gefährden die pädagogische Kontinuität und Planungssicherheit. Beides aber sind tragende Säulen einer vernünftigen Arbeit an den Schulen."

Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes, sagt: "Es ist geradezu antipädagogisch, wenn andauernd die Lehrer wechseln." Er weiß: "Auch bei Eltern sorgt dies immer wieder für Unmut." Beide Lehrerverbände warnen davor, dass das Abspeisen mit Zeitverträgen zum Bumerang für das nördlichste Bundesland werde. "Wer es sich leisten kann, kehrt Schleswig-Holstein den Rücken", beobachtet Siegmon. Hamburg etwa biete deutlich zügiger feste Stellen an, weiß Knudsen: Dabei herrsche in Mathe und Naturwissenschaften bereits akuter Mangel beim Lehrernachwuchs. "Wir haben schon ein großes Loch und schaufeln es noch tiefer."

Nach Angaben des Kieler Bildungsministeriums waren Mitte Juni 1862 Lehrkräfte mit befristeten Verträgen beschäftigt. Das entspricht 4,8 Prozent aller Stellen und ist offenbar ein neuer Höchststand.

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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