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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 14:52 Uhr

Zeitreise in die Jahre des Schreckens

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Bad Oldesloer Heimatmuseum hat eine Ausstellung mit Foto- und Tondokumenten zum Bombenangriff vor 70 Jahren gestaltet

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2015 | 10:53 Uhr

Sirenengeheul, Gasmasken und Häuserruinen auf einer Fotowand: Diese Zeitreise hat es wirklich in sich. Im Oldesloer Heimatmuseum kann man sich ab heute in die letzten Kriegsjahre versetzen lassen. Im Mittelpunkt der kleinen aber intensiven Sonderausstellung, die um 14 Uhr eröffnet wird, steht der verheerende Bombenangriff auf Bad Oldesloe, der am 24. April vor 70 Jahren unter anderem das Präparandeum stark zerstörte. Das 1901 erbaute Gebäude befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Heimatmuseums und der Stadtschule. Am 24. April 1945 wurde das Präparandeum, in dem damals junge Lehrer ausgebildet wurden, von Bomben der Royal Air Force voll getroffen und regelrecht zerfetzt. Insgesamt gab es in dem Gebäude, in dessen Keller zahlreiche Menschen Schutz vor den Bomben gesucht hatten, rund 50 Todesopfer zu beklagen, darunter auch Landrat Carls. Dessen Amtssitz wurde nach den verheerenden Luftangriffen auf Hamburg im Sommer 1943 von Wandsbek nach Bad Oldesloe in das Schulgebäude verlegt.

Die schreckliche Bilanz des Bombardements weniger als zwei Wochen vor Kriegsende wird im Museum auf einer großen Schautafel verdeutlicht: Rund 300 alliierte Bomber legen innerhalb von 20 Minuten große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Die mehr als 700 Toten sind überwiegend Zivilisten, darunter viele Flüchtlinge. Mehr als 800 Menschen werden verwundet. Die Einwohnerzahl Oldesloes stieg von 9000 im Jahr 1939 infolge der Flüchtlingsströme bei Kriegsende auf mehr als 15000 Einwohner. Ein Drittel aller Gebäude der Stadt wurde beschädigt, 132 Häuser waren komplett zerstört. Eindrucksvoll wird das ganze Ausmaß der Zerstörung auf einer riesigen Fotowand dokumentiert. Wenn man davor steht hat man das Gefühl, mitten auf der Straße zu stehen. Es ist der Sülzberg und man schaut auf zerstörte Häuser und das alte Hotel Harmonie. In einer Schauvitrine werden „Volksgasmasken“ ausgestellt, außerdem ein Feuerlöschrohr der Marke „Flamor“, eine Feuerlöschbombe und alte Helme. In einer weiteren Vitrine steht ein großes Modell des Präparandeums, darunter eine Karte, auf der alle 1260 Bombeneinschläge im Stadtgebiet mit einem roten Punkt markiert sind. „Die meisten Bomben explodierten, viele versackten aber auch im weichen Moorboden. Die Säurezünder sind wahrscheinlich immer noch aktiv“, sagt Diethelm Schark, Vorsitzender des Fördervereins Heimatmuseum. In einer Ecke steht ein kleiner Kinderholzroller, der 1944 unter irgendeinem Weihnachtsbaum stand. „Die Leute hatten damals ja nichts. Der Roller wurde aus irgendwelchen Holzresten zusammengebaut und war nicht unbedingt funktionstüchtig“, sagt Andreas Ahne, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Heimatmuseums.

Höchst spannend ist auch ein altes Fotoalbum, das dem damaligen Bürgermeister Dr. Kieling gehörte – ein Unikat mit vielen Fotos aus Bad Oldesloe in den Kriegsjahren. Das Thema der Fotodokumentation ist der Luftschutz. Es gab ein Luftschutzhaus und sogar eine Luftschutzwerbewoche. Auf dem Dachboden des Museums wurde eine kleine Original-Wohnstube aus den 40er Jahre eingerichtet. Ein kleiner Tisch mit einer alten Schreibmaschine, vier Stühle, ein Buffett und eine Holzvitrine aus der Gründerzeit stehen hier. Herzstück ist ein Volksempfänger mit originalen Tondokumenten. „Achtung, Achtung, Bomberverbände befinden sich im Raum Hannover-Braunschweig“, verkündet ein Radiosprecher. Dann hört man Sirenengeheul und das Krachen und Heulen von Bomben. Durchsagen, Marschmusik und eine Ansprache von Goebbels sind zu hören – eine erschreckend authentische Athmosphäre.

>Die Sonderausstellung im Heimatmuseum kann bis Ende Juni jeweils freitags von 14 bis 16 Uhr und sonnabends von 10 bis 12 Uhr besichtigt werden

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