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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 13:41 Uhr

„Zeit zu leben“ – besonders wertvoll

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dokumentarfilm von Sina Aaron Moslehi (19) aus Ammersbek über den Alltag in einem Hamburger Hospiz ausgezeichnet

Der 19-jährige Sina Aaron Moslehi für seinen Dokumentarfilm „Zeit zu leben“ von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat „wertvoll“ ausgezeichnet worden. Der nahezu 90-minütige Film zeigt den Alltag in einem Hamburger Hospiz. Darin porträtiert der junge Filmemacher drei Gäste, die ganz individuell mit ihrer Situation umgehen.

„Sterben und Tod – in Deutschland nach wie vor tabuisierte Themen“, so die Wahrnehmung des Jungregisseurs Moslehi. „Wenn am Ende des Lebens, nach einer schweren Krankheit, alle Therapien durchgeführt, alle Maßnahmen ergriffen, alle Möglichkeiten der Heilung ausgeschöpft sind, bleibt oft nur das Akzeptieren. Und das Warten“, sagt er, der zu diesem Thema hellhörig wurde, als er über einen Anwohner-Protest gegen Baupläne für ein Hospiz in Harburg hörte. Auch um Vorurteile wollte er auszuräumen.

In seinem ersten Langfilm erzählt er vom Alltag eines Hospizes in Hamburg. Drei an Krebs erkrankte über 60-jährige Menschen begleitet er bei ihrer Ankunft, ihrem Leben und ihrem Sterben im Hospiz. Sie sprechen über Erwartungen, Hoffnungen und Ängste und geben so einen Einblick in die kostbare letzte Phase ihres Lebens. Vordergründig steht in den sehr vertraulichen Gesprächen ihre Krankheit und wie sie sich damit auseinandersetzen.

„Ganz unterschiedlich sind sie mit ihrer Situation umgegangen. Eine Dame war sehr abgeklärt, sie möchte in Frieden sterben und hat keine Angst vor dem Tod. Der alte Herr hatte die Hoffnung, aus dem Hospiz wieder herauszukommen. Und die andere Dame kommunizierte offen ihre Ängste“, berichtet er. Beeindruckt habe ihn, welch intensives Leben er gespürt habe. „Es ist ein sehr ruhiger Alltag, aber in dieser Zeit findet Leben statt“, so sein positiver Eindruck. Der Film zeigt neben Personen, die gern erzählen, auch ruhige Bildszenen. Es geht ihm weder darum, etwas zu dramatisieren, noch zu beschönigen.

Doch es sind nicht nur ihre Schicksale und ihre Gedanken, die er ins Zentrum seines Films stellt. Auch die Mitarbeiter und die Familienangehörigen der Gäste reflektieren ihre Erfahrungen und Empfindungen. Klug und zurückhaltend beobachtet Moslehi die Geschehnisse. Dabei lässt er den Zuschauern im Film viel Raum, selbst über das Gesehene zu reflektieren. Würde- und liebevoll behandelt er sein schwieriges Thema. Jeder in diesem Film weiß um den Schmerz des Abschiednehmens, die Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen. Und doch, und das ist ein besonderer Verdienst des Films, werden auch die schönen Seiten des Lebens gefeiert. Denn das Leben mag zwar zu Ende gehen. Aber an diesem Ort des Sterbens ist die Wertschätzung des Lebens mindestens ebenso wichtig wie der Tod. Eine Botschaft, die dieser äußerst reife Film in jeder Minute verkörpert.

Gedreht hat Moslehi in HD-Qualität mit einer Canon EOS 7 D. In der Hauptdrehzeit von zwei Wochen war er jeden Tag im Hospiz, danach weitere vier Monate in unregelmäßigen Abständen. Mit dem Schnitt war er noch einmal etwa zwei Monate beschäftigt. Bei der 11.n Dokumentarfilmwoche in Hamburg wurde dieser Film kürzlich als Weltpremiere gezeigt und in seiner Gattung dokumentarisch, künstlerisch und filmhistorisch mit „wertvoll“ bewertet. Die FBW bewertet die Filme innerhalb ihres jeweiligen Genres. Über die Auszeichnungen entscheiden unabhängige Jurys mit jeweils fünf Filmexperten aus ganz Deutschland. „Dokumentarfilmer sind überwiegend Berufsfilmemacher. Man muss diesem Niveau entsprechen. Und da freut man sich über die Premiere“, sagt er und möchte den Film bei Film-Festivals einreichen. „Zeit zu leben“ wird voraussichtlich im Winter in einem Hamburger Kino zu sehen sein.








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erstellt am 24.Sep.2014 | 13:36 Uhr

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