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Stormarner Tageblatt

21. September 2017 | 03:28 Uhr

„Zeigt eine breite Brust!“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Stellvertretender Landesvorsitzender fordert mehr Selbstbewusstsein von Feuerwehrleuten / Mitgliederrückgang bei den Wehren

Wie gut die Symbiose Feuerwehr und Politik funktionieren kann und mit welcher Weitsicht dann gemeinsam Entscheidungen getroffen werden, bei denen es um Kosten von mehreren hunderttausend Euro geht, haben der Kreisfeuerwehrverband und die Verwaltung des Kreises Stormarn jetzt wieder einmal bewiesen. Die Beschaffung eines neuen Einsatzleitwagens vom Typ ELW 2 für die Technische Einsatzleitung wird vorerst aufgeschoben, weil man das neue hochmoderne und mit viel Elektronik ausgestattete Fahrzeug erst dann bestellen und auch kaufen will, wenn gleich Digitalfunk und nicht erst noch das Auslaufmodell Analogfunk eingebaut werden soll. Das machten Kreiswehrführer Gerd Riemann und Landrat Klaus Plöger unabhängig voneinander deutlich. „Nun muss noch die Standortfrage der TEL-Fahrzeuge für die Zukunft geklärt werden“, erklärte Landrat Plöger. Noch stehen die Autos in der alten Rettungswache am Autobahnkreuz Bargteheide. Der neue Standort könnte in Bargteheide sein, aber auch in Hammoor. Bislang, so Plöger liege allerdings nur ein Angebot aus Bargteheide vor. Wenn Hammoor ernsthaftes Interesse habe, müsse die Gemeinde endlich ein Signal kommen.

Fast wäre Plöger gar nicht rechtzeitig zu seiner Rede anlässlich der Jahresversammlung des Kreisfeuerwehrverbands gekommen. Im Baustellenbereich auf der A1 war ein Lkw liegen geblieben und hatte so einen größeren Stau verursacht. Davon waren auch Feuerwehrleute betroffen, die eigentlich schon zur Sitzung der Kameradschaftshilfe anwesend sein wollten und es denn gerade rechtzeitig zur Jahresversammlung schafften.

Kreiswehrführer Gerd Riemann betonte in seinem Jahresbericht, dass nach der Auflösung der Feuerwehr Barkhorst nur noch 88 Wehren im Kreis registriert seien. Zudem habe die Aufsichtsbehörde einer Werksfeuerwehr die Leistungsfähigkeit aberkannt, sodass nur noch drei Werkswehren im Kreis existieren. Die Anzahl der Jugendfeuerwehren ist unverändert bei 36. Allerdings, so Riemann, lasse eine Jugendwehr (Hammoor) derzeit den Dienstbetrieb ruhen.

Riemann machte deutlich, dass im Kreisgebiet mehrere Feuerwehren weniger Personal haben als im Organisationserlass vorgegeben ist. „Sollte die Personalstärke zwölf oder weniger Einsatzkräfte betragen, ist die Leistungsfähigkeit akut gefährdet. Es könnte sein, dass die betroffene Gemeinde sich dann über ein Pflichtfeuerwehr Gedanken machen muss“, so Riemann.

Der stellvertretende Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands, Ralf Thomsen, schlug fand klare Worte: „Die Mitglieder der Feuerwehr sind hoch angesehen in der Bevölkerung. Jammern über zu wenige Mitglieder ist Jammern auf hohem Niveau. Verkauft euch besser. Zeigt eine breite Brust und geht nicht geknickt auf die Menschen zu.“ Landesweit habe man zwar einen Rückgang um 250 Einsatzkräfte zu verschmerzen. Aber die Tatsache, dass im vergangenen Jahr 200 Frauen neu in den Feuerwehrdienst eingetreten sind, sei ein tolles Signal. Darin stecke noch viel Potenzial. Und mit der Novellierung des Brandschutzgesetzes werde den Feuerwehren die Möglichkeit eingeräumt, Kindergruppen zu gründen und so künftig auch schon die Altersgruppe der Sechsjährigen an die Feuerwehr heranzuführen.

Zum leidigen Thema Digitalfunk sagte Riemann zwar, dass der kommen werde. Allerdings erst, nachdem die Integrierte Regionalleitstelle Süd ertüchtigt worden sei. Das sei für 2015 vorgesehen. Und bevor die Geräte ausgegeben werden könnten, bekämen die Feuerwehren noch neue Rufnamen, die dann gleich in das System mit eingepflegt und in den neuen Digitalgeräten programmiert würden.

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