Bad Oldesloe : Zehn Jahre in Schweigen gehüllt

Eingangstor: So stellt sich Rudolf Krebs die Gestaltung des Trave-Parkplatzes und des Übergangs in die Innenstadt vor.
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Eingangstor: So stellt sich Rudolf Krebs die Gestaltung des Trave-Parkplatzes und des Übergangs in die Innenstadt vor.

Architekt Rudolf Krebs kritisiert eine fehlende Planung für den südlichen Bereich der Lübecker Straße. Seine Vision durfte er jetzt im Bauausschuss vorstellen.

Andreas Olbertz. von
17. Januar 2018, 06:00 Uhr

Nein, das ist wahrlich keine ansprechende Ecke in Bad Oldesloe: Ein rumpeliger Parkplatz, eine verwaiste Geschäftszeile mit hässlicher Alu-Fassade, darüber leerstehende Wohnungen und dazu noch eine nur notdürftig gesicherte Uferböschung. Die südliche Lübecker Straße ist alles andere als ein einladendes Portal in die Innenstadt. Seit vielen Jahren passiert dort nichts. Ein „städtebaulicher Missstand“, wie es in der Fachsprache heißt.

Der Oldesloer Architekt Dr. Rudolf Krebs hat sich der Sache angenommen und Visionen für das Areal entwickelt. Vor etlichen Monaten hatte er sein Konzept an Bürgermeister und -worthalter gegeben. Doch es passierte nichts, denn das umfangreiche Papier kollidierte angeblich mit den städtischen Kaufabsichten (wir berichteten). Jetzt hat sich der Bauausschuss der Thematik angenommen.

„Die Stadt hüllt sich seit zehn Jahren in Schweigen, ob sie bereit ist, sich dieser großartigen Aufgabe zu stellen“, kritisierte der Architekt. Für ihn geht die Fußgängerzone von der Hindenburgstraße über die Mühlenstraße hinaus bis zur Lübecker Straße. Während das ehemalige Kaufhaus mit seinen Arkaden ein Beleg dafür sei, wie ein modernes Gebäude in die altstädtische Umgebung eingepasst werden könne, gebe es auf der anderen Seite der Trave eine „städtebauliche Katastrophe. Die Nord-Ost-Achse endet im Nichts“, so Krebs. Die Trave, die eigentlich ein städtischer Erlebnispunkt sein könnte, komme gar nicht zur Geltung, wuchere zu. Deutlich warnte er: „Kein Verzicht auf Parkplätze bedeutet Stagnation für das Stadtzentrum.“ Auch er will die rund 100 Parkplätze dort nicht ersatzlos streichen.

Rudolf Krebs schwebt anstelle des Parkplatzes ein sechsstöckiges Hotel vor. Die Stellplätze könnten in einer Tiefgarage angelegt werden. Für die rückwärtige Seite zum Traveufer hin schwebt ihm ein Restaurant mit Aussichtscafé vor. Auf der anderen Hälfte des Grundstücks, dem ehemaligen Teppichmarkt, hat der Planer Wohnbebauung vorgesehen – allerdings deutlich niedriger als der Hotelkomplex.

Von allen Fraktionen gab es freundliches Lob für die Pläne. Von „Hochachtung“ und „Anerkennung“ war die Rede, die Studie werde in die Beratung mit einbezogen. Hier und da mal eine Andeutung, ein sechsstöckiges Hotel könnte dann vielleicht doch etwas „heftig“ sein. Und natürlich der Warnhinweis, wie wichtig doch Parkplätze seien. Bürgermeister Jörg Lembke berichtete in dem Zusammenhang von einem Gespräch mit einigen Einzelhändlern: „Die wünschen sich, den Marktplatz kostenfrei zu beparken.“ Bauamtsleiter Thilo Scheuber würde von einem Hotel an der Stelle abraten und plädierte für großflächigen Einzelhandel.

Eine vorausschauende Planung ist ja schön und gut, aber, so Uwe Rädisch (CDU): „Zahlen müssen das die Investoren.“ Und die würden der Stadt oftmals ihre Interessen aufzwingen, ergänzte Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD).

2004 hat die Stadt das Grundstück verkauft. Damals gab es hochtrabende Pläne für ein „Trave Center“. Doch daraus ist nichts geworden. „Leider wurde damals keine Rückabwicklung vereinbart“, bedauerte Maria Herrmann: „Dass uns das Grundstück nicht gehört, ist bedauerlich.“ Schon länger bemüht sich die Stadt, die Flächen zu kaufen, wird vom Eigentümer aber offensichtlich hingehalten. „Der Eigentümer hat kein Interesse zur Entwicklung“, sagte Bürgermeister Jörg Lembke lediglich.

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