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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 15:04 Uhr

„Wunderbar, wie aus dem Leben gegriffen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Skulpturen-Ausstellung „Mama Mia – Gottesmutter und weltliche Mutter“ in der St. Marienkirche Basthorst eröffnet

Als Pastorin Kirsten Sattler eine Skulpturen-Ausstellung zum Thema Maria in Worpswede sah, kam ihr der Gedanke, diese nach Basthorst zu holen. „Maria ist hier sehr präsent. Seit zwölf Jahren lebe ich in der Marienkirche“, sagte sie und gab freudig bekannt, wie schnell sie für die Umsetzung Kirchengemeinderat Karl Fricke begeistern konnte. Bei einer feierlichen Vernissage und unter größtem Eindruck wurde die Ausstellung „Mama Mia – Gottesmutter und weltliche Mutter“ mit 20 Werken der renommierten Bildhauer Annegret Kon und Dietrich Heller eröffnet. „Die Figuren strahlen etwas Mütterliches aus: Geborgenheit, Schutz, Stolz und Zärtlichkeit, aber nie einengend oder bedrückend“, hob die Pastorin vor zahlreichen Gästen hervor.

Beide Künstler sind in ihrer Konzeption sehr verschieden: Annegret Kons Mutter-Kind-Figuren aus gebranntem Ton orientieren sich am Hier und Jetzt. Realitätsgeformt strahlen sie mit farbiger Bemalung eine Anmutung von Natürlichkeit aus. Durch ungeschliffene Arbeitsspuren ist die Figur belebt. Dietrich Heller arbeitet mit Stein und Bronze. Er setzt seine Schöpfungen in ein Experiment des Sehens, bei dem immer mehr Figürliches auftaucht. Die Kunstwerke sind in der Kirche und auf dem umgebenden Kirchhof zu erleben.

„Wir sind der Meinung, dass das wichtige gesellschaftliche Thema des Zusammenlebens der Generationen, aber auch von Menschen anderer Herkunft und verschiedener Kulturen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Immer wieder stellen wir bei unserer kirchlichen Arbeit fest, dass dieses Thema sich längst auch in unseren dörflichen Strukturen wiederfindet“, so Sattler.

„Wenn man hier auf dem Dorf lebt, muss sich die Welt ein bisschen selber schaffen“, sagte Karl Fricke bei der Vernissage und richtete sogleich den Blick darauf, was eine Gemeinde dazu treibt. „Wir wollen gegen den statistischen Trend arbeiten, dass die Kirche immer weniger an Bedeutung gewinnt. Die Kirche kann nicht nur, sie muss solche Anregungen geben“, appellierte er. „Wir wollen etwas dagegen setzen: Woher kommen wir, wohin gehen wir, und wie leben wir miteinander.“ Den Besuchern wünschte er mit „neuen Ansichten und Einsichten eine göttliche Spiritualität“.

Mit Kunst und Kirche verbindet sich eine lange Geschichte. „Hier ist es ein anderer Aspekt und durchaus nicht selbstverständlich. Zwischen Grabsteinen farbige Kunstwerke als entstehendes Leben und Sterben“, sagte Kreispräsident Meinhard Füllner und beglückwünschte die relativ kleine Kirchengemeinde zu ihrem Mut. „Moderne Kunst und Kirche gehören zusammen. Die Madonnen-Darstellung schlägt Brücken zu Menschen: Sein und Vergänglichkeit.“

Zur Einführung sprach Dr. Irmtraud Rippel-Manß aus Oldenburg: „Wunderbar, wie sich die Skulpturen hier entfalten und welche Lebendigkeit von ihnen ausgehen.“ Die Figuren von Annegret Kon hob sie mit der Kleidung, Frisur und Accessoires „wie aus dem Leben gegriffen und mit weltlicher Gegenwart“ hervor. Die Künstlerin hat lebende Vorbilder. Vor dem Altar steht die mehr als zwei Meter hohe Marmor-Skulptur von Dietrich Heller. „Sie scheint mehr zu verbergen als zu verraten“, sagte die Kunstexpertin.

Zum Einsatz kommen bei ihm elektrische Geräte, mit denen er ein Geflecht von Linien in der Steinmasse freilegt, die Bildebene tiefer setzt und mit Wölbungen und polierten Flächen unterschiedliche Bilder auffächert. Je nach Blickwinkel scheinen die figürlichen Hinweise wieder zu verschwinden. In seinen wesentlich kleineren Bronzeskulpturen spiegeln sich Licht, Schatten und Glanz als plastische Imagination. „Meine Bilder sollen treffen“, so Heller.

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von der Bläsergruppe „Feinblech“ sowie Maximilian Nagode (Orgel) und Ute Simon (Blockflöte).

Alle Skulpturen sind käuflich zu erwerben und beginnen bei 750 Euro. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 6. Juli dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Mit vorheriger Anmeldung bietet die Kirche auch Gruppen die Ausstellung an, bei Bedarf bei Kaffee und Kuchen. Telefonisch anzumelden bei Pastorin Kirsten Sattler (04159/ 338) oder Kirchenvorsteher Karl Fricke (04159-623).

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