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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 16:21 Uhr

Ahrensburg : Wohnungsbau nicht auf der Höh’

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die neuen Rentnerwohnungen des Vereins Heimat in der Fannyhöh sind fast fertig, für den Fasanenhof in der Manhagener Allee wurde der Grundstein gelegt.

Bezahlbarer Wohnraum ist rar in der Schlossstadt. Das wird auch noch eine Weile bleiben, weil man über ein Jahrzehnt verschlafen habe, sich um diese Fragen zu kümmern. Das sagte Bürgermeister Michael Sarach bei der Einweihung der neuen Wohnungen für Senioren, die der Verein „Heimat“ in Fannyhöh 7 hat bauen lassen.

Zuvor war der Verwaltungschef ein paar hundert Meter weiter bei der Grundsteinlegung für den „Fasanenhof“ an der Manhagener Allee. Auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück der ehemaligen Klinik entstehen 29 Eigentumswohnungen zwischen 53 und 169 Quadratmeter.

Matthias Bernhard, Geschäftsführer der Sparkassen-Immobiliengesellschaft SIG, erinnerte an die Vorgabe, die Fassaden des alten Gebäudes zu erhalten Die Substanz war aber so marode, dass nicht alles stehen bleiben konnte, anderes musste neu unterfangen werden. Nach dem Entwurf der Architekten Hage & Griesenberg entstand als Entree eine herrschaftliche Villenarchitektur aus drei Gebäuden. Zwischen den alten Hausabständen fügt sich im Hintergrund die Eingangssituation der Gartenhofwohnungen ein. Auch die historisierende Türmchenfassade habe den Geschmack der Kunden getroffen, so SIG-Vertriebschef Udo Schwarzburg. Von den 29 Wohnungen sind elf bereits verkauft.

Der Fasanenhof spricht mit Standard und Preis eine gänzlich andere Klientel an als die Gebäude des Vereins Heimat in Fannyhöh. „Wir benötigen einfach mehr günstigen Wohnraum in dieser Stadt, nicht nur für Senioren oder Behinderte“, befand Vorsitzender Jürgen Wahl. Zuletzt war der Verein in den 1970er Jahren in größerem Maße aktiv gewesen. „Wir haben vor einigen Jahren beschlossen, dass wir auch wieder neue Wohnungen entstehen lassen wollen und den Verein mit neuem Leben füllen. Ein Verein unserer Ausrichtung sollte nicht nur statisch verwaltend aktiv sein“, sagte Jürgen Wahl.

Wo jetzt 15 Wohneinheiten entstanden, hatte zuvor ein altes Gebäude des Vereins gestanden. Es sei „wirklich primitiv“ gewesen und habe nur Platz für acht Wohneinheiten geboten. Deshalb entschloss man sich für den Abriss und eine „enorme Verdichtung“ auf dem Grundstück. Die Stadt habe einer dreigeschossigen Bauweise zugestimmt, und „wir haben wirklich jeden Zentimeter ausgereizt so Wahl. Im September sollen die ersten Mieter einziehen.

Der Bürgermeister war nicht nur als Verwaltungschef gekommen. Seit der Gründung des Vereins „Heimat“ 1949 ist die Stadt Ahrensburg Mitglied. Der Verein war angesichts der vielen Kriegsflüchtlinge gegründet worden. Nach 1945 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Ahrensburgs, und es musste Abhilfe geschaffen werden.

Im April 2016 sollen zwei weitere ältere Gebäude des Vereins in Fannyhöh abgerissen und die Grundstücke neu bebaut werden. Die Zahl der Wohnungen steigt dadurch von sieben auf 21. Und der Verein würde gerne noch mehr bauen. Leider habe man sich über ein Grundstück bei der Langen Koppel nicht mit der Stadt einigen können, bedauerte Wahl. Auch im Baugebiet Erlenhof hatte der Verein Wohnungen mit sozial verträglichen Mieten bauen wollen.

Auf Beschluss der Stadtverordneten war die Zahl der Bauplätze dort bewusst gering gehalten worden. „Die Politik hat dort eine echte Chance vergeben. Ahrensburg kann sich so etwas wie den Erlenhof nicht mehr erlauben. Das muss klar sein“, so Michael Sarach. Als Bürgermeister müsse er das demokratische Ergebnis selbstverständlich akzeptieren und ein nachträgliche Diskussion lohne nicht.

„Aber ich halte die Erlenhof-Entscheidung weiterhin für einen folgenschweren Fehler. Hätten dort 600 Wohnungen gebaut werden können statt nur 350, hätten wir Menschen hier ansiedeln können, die nun weiterziehen müssen. Wir hätten manche Probleme gar nicht erst bekommen. Ahrensburg ist nicht in der Position, Bauplätze für Wohnraum ungenutzt zu lassen“, stimmte Sarach Wahl grundsätzlich zu.

Über jeden Bereich in Ahrensburg, der noch Platz für Wohnungsbau biete, müsse jetzt diskutiert werden, so Sarach. Deshalb sei die Erneuerung des 40 Jahre alten Flächennutzungsplans so wichtig. Sarach und Wahl bekräftigten, in Zukunft noch weitere Bauprojekte auf den Weg bringen zu wollen. „Der bezahlbare Wohnraum fehlt auch in anderen Generationen“, so der Bürgermeister. Es werde Verwaltung, Politik und Bürger noch viel Zeit kosten, die Verfehlungen der Vergangenheit in diesem Bereich auszugleichen.

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