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Reinfeld : Wohnraum: Nun sollen die Bürger helfen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Auch die Karpfenstadt weiß nicht mehr, wo sie Flüchtlinge und Asylbewerber unterbringen soll und bittet die Reinfelder im Hilfe.

„Die Zahlen der Flüchtlinge sind in den letzten Monaten dramatisch angestiegen“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann. So dramatisch, dass die Kommunen immer größere Probleme hätten, sie unterzubringen. „In Reinfeld fehlen definitiv mehr als 30 Wohnungen, um die Quote zu erfüllen“, sagt Gerstmann. Diese Zahl gilt nur für Asylbewerber im Verfahren. Flüchtlinge, die bereits eine Aufenthaltsgenehmigung haben, werden dabei nicht mehr mitgezählt.

Sie müssen aber ebenfalls untergebracht werden, was die Knappheit auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärft. Man rechne mit 67 angemieteten Wohnungen bis zum 1. Juli, so Gerstmann, das reiche jedoch „hinten und vorne nicht“. Waren es vor Jahren nur zwei Flüchtlingsfamilien, die das Ordnungsamt unterbringen musste, stieg die Zahl im letzten Jahr drastisch an. In diesem Jahr werden 88 Flüchtlinge erwartet.

Zur Zeit sind acht Personen im Obergeschoss des ehemaligen Gefängnisgebäudes in der Sperrsitzgasse untergebracht. Das Erdgeschoss ist aufgrund von Schimmel noch nicht bewohnbar. Nach einer Grundsanierung für rund 100  000 Euro könnten dort weitere 14 Personen untergebracht werden. Einige Familien leben in Containern auf dem Gelände des ehemaligen Awo-Bewegungskindergartens. Zudem hat die Stadt ab April ein Haus für zehn Flüchtlinge am Zuschlag, sowie Wohnungen am Heilsauring angemietet.

„Das reicht aber noch lange nicht aus“, so Gerstmann. Um des Problems Herr zu werden, ruft er in Zusammenarbeit mit der Gruppe „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“ Haus- und Wohnungsbesitzer auf, ihre Wohnungen an die Stadt zu vermieten. „Die Miete und Nebenkosten sind gesichert. Die Stadt oder das Jobcenter zahlen Miete und Nebenkosten im Rahmen der Sozialhilfe“, betont der Bürgermeister. Für eventuelle Schäden hafte außerdem die Stadt.

Gesucht werden Wohnungen jeglicher Größe und Ausstattung. Am Wochenende wurde ein Flyer an die Haushalte verteilt, um die Bürger zu informieren. „Wir wollen auch Hausbesitzer mit Einliegerwohnungen wachrütteln, denen die Probleme vielleicht noch nicht so bewusst sind, die aber Wohnraum zur Verfügung stellen könnten“, sagt Bürgervorsteher Gerd Herrmann. Da in Reinfeld in den letzten 20 Jahren fast nur hochpreisige Einfamilien- oder Eigentumswohnungen gebaut worden seien, sind Sozialwohnungen jetzt Mangelware.

Zurzeit prüft die Verwaltung zudem, ob eine Unterbringung von 30 Flüchtlingen in einem Teil der Alten Schule (Kosten: 20  000 Euro), der Erich-Kästner-Schule (30  000 Euro für 60 Plätze), die Aufstellung von Mobilheimen auf dem Parkplatz hinter der Sporthalle und auf angemieteten Bauflächen oder auf dem Gelände des Alpha-Park mit 18 Plätzen möglich sind. Obwohl Reinfeld „im Kreisvergleich noch relativ gut davor ist“, sei eine Notsituation absehbar. Gerstmann: „Die Quote ist auch in der Karpfenstadt nicht erfüllt.“

Hinzu komme, dass das Amt Nordstormarn seine Flüchtlinge – etwa 90 Asylbewerber – ebenfalls gern zentral in Reinfeld unterbringen möchte. Abgelegene Standorte wie Badendorf und Mönkhagen würden keine guten Voraussetzungen für eine Integration bieten.

„Die Stadt ist sehr dankbar für die Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helfer. Ohne sie kann der soziale Aspekt nicht abgedeckt werden“, betont der Bürgermeister. Bislang habe man nur positive Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht. Sie würden liebevoll betreut – meist ein Betreuer pro Familie - und die Integration schreite gut voran. Das Thema sei durchaus positiv besetzt in der Stadt. „Wir stehen in der menschlichen Pflicht, den Flüchtlingen mit oft erschütternden Schicksalen zu helfen“, ergänzt Albrecht Werner von der Reinfelder Asyl-Gruppe.


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erstellt am 22.Mär.2015 | 23:00 Uhr

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