Wohnraum nicht um jeden Preis

Geert  Karnick (Grüne)
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Geert Karnick (Grüne)

Die vier Reinfelder Fraktionen sprechen sich klar für mehr soziale Wohnungen aus und diskutieren über den Weg dahin

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26. November 2018, 11:15 Uhr

Soll Reinfeld weiter wachsen? Wie kann bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? Wie viele Wohnungen werden gebraucht und wo könnten diese gebaut werden? Diese Fragen wurden gerade bei einer Einwohnerversammlung diskutiert. Die vier politischen Fraktionen in der Karpfenstadt beziehen klare Positionen. Lorenz Hartwig, Fraktionsvorsitzender der CDU, bestreitet, dass Reinfeld nur nach Westen Richtung Dröhnhorst / Bolande wachsen kann, sondern sieht auch Potenzial in der Krögerkoppel. Diese könnte als Wohngebiet erweitert werden – in Richtung des ehemaligen Aldi-und Markant-Grundstückes.

Auch auf dem Gelände des ehemaligen Baustoffhandels direkt am Bahnhof sieht die CDU noch Baumöglichkeiten. Lorenz Hartwig teilt kräftig gegen Bürgermeister Heiko Gerstmann aus: „Was hat der Bürgermeister bisher für den sozialen Wohnungsbau unternommen? Es sind uns als CDU-Fraktion keine Aktivitäten und Gespräche mit Wohnungsbaugesellschaften oder Bauträgern in dieser Sache bekannt. Ohne Geld wird wenig passieren. Das bekommen wir nur, wenn die immer noch fehlenden Jahresabschlüsse fertig werden. Also, Herr Gerstmann, es ist Zeit, die Hausaufgaben zu machen.“

Geert Karnick von den Grünen: „Erst einmal muss geklärt werden, wohin wir wollen.“ Die Grünen seien nicht gegen die Pläne, hätten nur am Weg dahin etwas auszusetzen. Es sei, so Karnick, nicht die Frage des Müssens, sondern des Wollens: „Uns hat vor allem bei der Planung für das Gebiet Dröhnhorst der Ablauf nicht gefallen.“ Erst hätte der Bedarf geklärt werden müssen, dann die Suche nach zur Verfügung stehenden für Mensch und Umwelt schonenden Flächen, erst dann könne man über Infrastruktur und Investitionen sprechen. „Danach muss Reinfeld gemeinsam diskutieren und entscheiden, wie viele Wohnungen wollen wir wo bauen“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Wolle man überhaupt wachsen und die Probleme von Hamburg lösen, oder wolle man eine Obergrenze festlegen.

„Erst, wenn wir diese Punkte abgearbeitet haben, können wir uns darüber einigen, auf welche Fläche wir zugreifen“, so Karnick. Bebauungsvisionen seien momentan noch verfrüht. Die SPD fordert, das Hauptaugenmerk bei weiteren Bauplänen vor allem auf Mehrfamilienhäuser zu richten. Rolf-Jürgen Hanf, SPD-Fraktionschef, sieht einen Widerspruch zwischen Flächenversiegelung und Natur und fordert einen vernünftigen Kompromiss in Bezug auf die eventuelle Bebauung an der Dröhnhorst. „Die SPD spricht sich ganz klar gegen die Bebauung des Sportplatzes und für den Erhalt der Kleingärten aus“, so Hanf. Er fordert Transparenz und Nachvollziehbarkeit für die Bürger: „Wenn wir gemeinsam sagen, meinen wir nicht nur Politik und Verwaltung. Sondern das Gemeinsame umfasst auch die Beteiligung der Bevölkerung.“ Jens Löper von der WIR drückt die Haltung seiner Fraktion kurz und knapp aus: „Innenstadtbelebung geht vor Flächenfraß.“

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