Kreis Stormarn : Wo Schwein und Huhn in Stormarn leben sollen

In Todendorf werden zwei Ställe  für je 40  000 Hähnchen  gebaut. Beim ersten Gebäude  kann demnächst Richtfest geferiert werden.  Foto: jpm
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In Todendorf werden zwei Ställe für je 40 000 Hähnchen gebaut. Beim ersten Gebäude kann demnächst Richtfest geferiert werden. Foto: jpm

Struktur der Landwirtschaft ändert sich, aber sind alle großen Ställe "Agrarfrabriken"

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02. Dezember 2011, 08:26 Uhr

Köthel/Ammersbek | "Kollegen haben mich schon gefragt, warum wir so klein bauen", sagt Rudolf Grunwald. Der Landwirt aus Trittau plant in Köthel einen Schweinestall mit knapp 1500 Mastplätzen. Das ist genau unter der Grenze, ab der eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSch) nötig ist.

Die braucht Grunwald zwar nicht, der Aufwand, den er betreiben muss ist aber fast genauso groß. Nach den Protesten im Dorf und nachdem der Kreis das Einvernehmen der Gemeinde ersetzt hat, schaut man in der Bauverwaltung nämlich besonders genau hin. "Es gibt Gutachten, von denen ich vorher nichts wusste, und die ich jetzt in Auftrag gegeben habe", sagt Grunwald.

Dazu gehört zum Beispiel die standortbezogene Vorprüfung für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die ist selbst beim "kleinen BImSch-Verfahren" für Ställe mit bis zu 3000 Mastplätzen die Ausnahme, so Klaus Knaack, Fachmann der Landwirtschaftskammer für Immissionsschutz. In Köthel könnte es sie wegen der Nähe zum FFH-Gebiet geben.

Genehmigungen nach dem BImSch, die das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, kurz LLUR, erteilt, sind in Schleswig-Holstein sind noch die Ausnahme. In Bundesländern wie Niedersachsen und vor allem Mecklenburg-Vorpommern sind wesentlich größere Ställe mittlerweile die Regel.

"Noch haben wir vor allem erweiterte Familienbetriebe", sagt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Die Struktur beginnt sich aber langsam zu verändern. "Wir kommen jetzt dazu, dass die Betriebe verstärkt Mitarbeiter einstellen müssen", sagt Koll. Und er geht davon aus, dass "der eine oder andere Landwirt, der seinen Hof über die Jahre immer erweitert hat, das Verfahren durchlaufen lässt, um seinen Standort zu sichern".

Ohne Proteste sind in Stormarn zwei Ställe für jeweils 40 000 Hähnchen in Toden dorf genehmigt worden. In Jersbek befindet sich der Antrag für einen Hähnchen-Stall im Verfahren, in Feldhorst und Ammersbek für drei Erweiterungen von Schweinemastställen auf knapp 3000 Plätze. "Ich hatte bis jetzt noch keine Anfragen von Bürgern", sagt Bürgermeister Horst Ansén.

Das mag daran liegen, dass das Verfahren neu ist oder dass der Stall weit draußen im Eitzenredder erweitert werden soll. Die Unterlagen liegen bis 15. Dezember in der Gemeindeverwaltung aus, (Zimmer 15). Einwendungen sind bis 29. Dezember möglich. Am Dienstag, 14. Februar, ist der öffentliche Erörterungstermin im Landesamt in der Schwartauer Landstraße 11 in Lübeck geplant. Unweit der nördlichen Kreisgrenze, im Neuengörser Ortsteil Stubben, läuft ebenfalls ein BImSch-Verfahren für die Verdopplung eines Schweinstalls auf knapp 3000 Mastplätze. Obwohl der Hof direkt im Ort liegt, gibt es im Segebergischen keine Proteste.

Anders in Köthel. Grunwald wird von der Initiative als "Agrar-Unternehmer" bezeichnet, obwohl "wir nur ein Familienbetrieb sind, der sich für die Zukunft rüstet", so der Trittauer. 1500 Mastplätze sind im Vergleich zu Ställen im Mecklenburg tatsächlich bescheiden. "Wir groß man baut, hängt immer von den betrieblichen Gegebenheiten ab", sagt Koll.

Für die Gegner der Ställe zählen schon 1500 Mastplätze zu den Agrarfabriken, gegen die man kämpfen muss, weil es "sonst keine Zukunft der Höfe und der bäuerlichen Landwirtschaft gibt", so das "Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken". Das geht aber nicht nur an den Realitäten, sondern auch an den Gesetzen vorbei. Der Verdienst aus 1500 Mastschweine reicht gerade mal für eine Familie. Und gesetzlich gilt es als privilegierte Landwirtschaft, wenn der Bauer das Futter für die Tiere auf dem eigenen Land anbauen kann. Für 1500 Schweine sind 50 Hektar ausreichend. Der Weg zu "Ställen mit einigen zehntausend Mastplätzen ist da noch weit.

Trotzdem sei der "Widerstand gegen Agrar fabriken und für eine artgerechte Tierhaltung" zu einer gesellschaftlichen Bewegung geworden, so das "Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken". In vielen Orten hätten Investoren ihre Pläne wegen der Proteste wieder zurückgezogen.

Für den noch landwirtschaftlichen geprägten Norden Stormarns trifft das nicht zu. In den vergangenen Jahren wurden dort bereits mehrere Ställe und auch Mastanlagen nach BImSch gebaut. Zwar gab es dabei auch Stress mit den Nachbarn, aber weder gab es öffentliche Proteste noch wurden Initiativen gegründet.

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