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Neue Meierei eröffnet : Wo man mehr als Milch kauft

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof eröffnet mit Minister Robert Habeck die gläserne Biomeierei in Mühlenrade. Elf Millionen Liter Milch wollen sie jährlich verarbeiten.

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erstellt am 25.Aug.2015 | 06:00 Uhr

„Es ist ein Tag der doppelten Symbolik“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck, als er mit leichter Verspätung in Mühlenrade eintraf. Er kam von einer Kundgebung des Bundes Deutscher Milchbauern, die unter dem akuten Preisverfall leiden, und wollte die Meierei des Hamfelder Hof eröffnen, die 27 Biobauern für elf Millionen Euro in Mühlenrade bauen ließen.

„Unser Ziel ist, dass wir noch in diesem Jahr den Biolandlandpreis für Milch zahlen“, sagt Janosch Raymann (29), Geschäftsführer der Hamfelder Hof Bauernmeierei GmbH & Co. KG, „Wir müssen den Betrieb aber erst mal richtig zum Laufen bringen.“ Viereinhalb Jahre vergingen vom Planungsbeginn bis zur offiziellen Eröffnung, ein Jahr wurde gebaut, und in einem Jahr soll der zweite Bauabschnitt eröffnet werden: Der eigene, 500 Quadratmeter große Hof- und Meiereiladen.

Produktion und Lager beanspruchen 2000 qm. Milchverarbeitung, Butterherstellung und Tütenabfüllung finden in getrennten Räumen statt. „Wir haben bewusst nicht eine Halle, auch wenn das planerisch viel aufwändiger war“, sagt Raymann. Wie vieles andere auch: In den Räumen herrscht ständig ein leichter Überdruck, damit von außen nichts eindringen kann, das Wasser wird mit UV-Licht hygienisch aufbereitet das Abwasser aus der Produktion wird geklärt und auf den eigenen Feldern verregnet, es gibt eine Wärmerückgewinnung, und eine Photovoltaikanlage ist in Planung.

Natürlich wird die Biomilch nicht nur anders produziert, sondern auch schonender verarbeitet. Frischmilch bietet der Hamfelder Hof auch ohne Homogenisierung an, sie wird aber nur über den Naturkostfachhandel vertrieben. Zweimal in der Woche wird zurzeit traditionelle Sauerrahm-Butter produziert. Geplant ist die Herstellung von Yoghurt ausschließlich aus Rohmilch ohne Milchpulver.

Davon, dass die Produkte besser sind, sind die 27 Mitglieder der Bauerngemeinschaft ohnehin überzeugt, ihnen geht es aber nicht nur um Qualität, sondern vor allem darum, wie produziert wird. „Mit der Milch kaufen Sie eine gesunde Umwelt“, sagt der Angeliter Biolandwirt Johannes Tams.

Erst dieses Bewusstsein, mit dem sich – so Janosch Raymann – „immer mehr Verbraucher beschäftigen“, ermöglicht es den Biobauern für ihre Milch Preise zu verlangen, von denen andere nur träumen können. „Sie setzen ein Zeichen, dass es auch anders gehen kann, dass man sich durch eine regionale und nachhaltige Produktion von der Entwicklung in anderen Ländern unabhängig machen kann“, sagt Habeck, der aber auch weiß, welches wirtschaftliche Risiko die 27 Biolandwirte mit der neuen Mini-Meierei eingegangen sind.

Großmolkereien verarbeiten mehrere hundert Millionen Litern im Jahr, in Mühlenrade startet man, auch wenn das Gebäude beeindruckend ist, mit einer Rohmilchmenge von elf Millionen Litern. Dass man anders ist, will man auch zeigen. Ein Besuchergang bietet allen Interessierten einen Blick von oben in die Produktionshallen. Bislang ist das nur mit Anmeldung möglich, wenn der Laden fertig ist, wird durchgängig geöffnet sein.

1986 hatten Angelika Raymann und Heinz Elfenkämper-Raymann den elterlichen Hof auf Bio umgestellt. Die von ihnen produzierte Vorzugsmilch ließ sich nach 1990, als öffentlich vor dem Verzehr von Rohmilch gewarnt wurde, nicht mehr verkaufen. Es dauerte sechs Jahre, bis die Trittauer Mili Meierei bereit war, Biomilch vom Hamfelder Hof abzufüllen. Es wurde eine Erfolgsgeschichte, der sich 36 Landwirte anschlossen.

Mili gibt es nicht mehr, die Meierei wurde von Hansano übernommen und schließlich geschlossen. 23 der 36 Biobauern gründeten 2011 die Hamfelder Hof Bauernmeierei und ließen die Milch in Witzwort verarbeiten. Heute sind es 27, „und wir sind noch auf der Suche nach Betrieben“, sagt Janosch Raymann. Es geht dabei aber nicht um Wachstum an sich. „Wir wolle den Betrieben die Entwicklung in einer bäuerlichen Landwirtschaft ermöglichen“, beschreibt er die Intention der Gemeinschaft. In der Politik nennt man das „Leuchtturmprojekt“. Und dafür gab es auch Zuschüsse in Höhe von 1,85 Millionen Euro von EU, Bund und Land.

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