Kreis Stormarn : Wo ist Platz für 11 000 Wohnungen?

Schnelle Übersicht: Je dunkler, desto größer ist der Druck auf den Wohnungsmarkt.
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Schnelle Übersicht: Je dunkler, desto größer ist der Druck auf den Wohnungsmarkt.

Stormarn wächst noch stärker als prognostiziert, Städte und Gemeinden können aber nicht so viel Bauland ausweisen.

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30. Juni 2015, 06:00 Uhr

Die Bevölkerungszahl in Deutschland geht zurück, aber Stormarn wächst weiter. Und zwar stärker als alle Kreise in der Metropolregion und auch stärker als zuletzt prognostiziert. Am 30. September 2014, der neuesten offiziellen Zahl, hatte Stormarn 236  578 Einwohner. Das sollte laut Prognose erst im Jahr 2018 der Fall sein.

Das vom Büro BPW Baumgart & Partner genannte Bevölkerungsplus von 12  000 Menschen bis 2030 scheint schon von der Realität überholt zu werden. Das Bremer Büro hat im Auftrag des Kreises eine „Anpassungsstrategie für den Siedlungs- und Wohnungsbau im demographischen Wandel“ erstellt. Die endgültige Fassung bestätigt, was schon im Zwischenbericht deutlich geworden war: Selbst wenn alle Pläne für Innenverdichtung und Neubaugebiete umgesetzt würden, reicht das nicht, um genügend Wohnraum für alle Neu-Stormarner zu schaffen.

Dabei gibt es innerhalb des Kreises aber große Unterschiede. Den Druck bekommen vor allem die Städte und größeren Gemeinde im Süden zu spüren, während es auf den Dörfern in Nordstormarn sogar zu Einwohnerverlusten kommen kann. Die Dörfer im Norden außerhalb der Achse und mit wenig Infrastruktur und ÖPNV sind der Gemeindetyp F in der Liste. An erster Stelle stehen die Städte im Südkreis.

Mehr als 11000 neue Wohneinheiten wären laut Gutachten bis 2030 in Stormarn notwendig. Auf den nach B- oder F-Plänen möglichen Flächen könnten je nach Dichte der Bebauung 5750 und 8150 Wohnungen entstehen. Einfaches Fazit: Zwischen 2  900 und 5300 Wohnungen fehlen. Tatsächlich dürfte die Differenz sogar noch größer sein, weil die tatsächliche Entwicklung die Prognose schon überholt hat, Nachhol- und Ersatzbedarf nicht berücksichtigt wurde und die Flächenpotenziale der Städte und Gemeinden vermutlich nicht ausgeschöpft werden.

Deshalb sei es „von großer Bedeutung“, dass die Kommunen im Südkreis weitere Siedlungsflächen entwickeln, vor allem für verdichtete Bebauung. Die stärkste Nachfrage nach neuen Wohnungen erwarten die Autoren allerdings im Teilraum Mitte. Gerade die „hervorragend angebundenen“ Städte Ahrensburg und Bargteheide sowie die hamburgnahen Gemeinden Ammersbek und Großhansdorf mit U-Bahnhöfen seien für Wohnungssuchende attraktiv. Die kleineren Achsen-Gemeinden Delingsdorf, Tremsbüttel und Elmenhorst sollten ebenfalls weitere Flächen entwickeln,. auch weil die S  4 in Planung ist.

Da der Druck zunehmen wird, empfehlen die Autoren interkommunale Siedlungsentwicklungskonzepte mit Orten außerhalb der Achse. Unmittelbar angrenzende Gemeinden wie Hoisdorf oder Siek, Tangstedt oder Bargfeld-Stegen mit guter Infrastruktur sowie Flächenreserven böten sich für Wohnungsbau an.

Im Nordkreis sehen die Planer eine große Nachfrage vor allem in Bad Oldesloe. Auch wenn die Kreisstadt bereits umfangreiche Flächenpotenziale benannt habe, würden diese voraussichtlich nicht reichen, um dem tatsächlichen Bedarf gerecht zu werden.

Das gilt eigentlich für den ganzen Kreis: Nur wenn alle Potenziale ausgeschöpft werden und die Flächen dichter als bisher bebaut werden, lasse sich die Bedarfe an neuen Wohneinheiten decken, so das Fazit der Gutacher.

Sie geben der Politik auch gleich mit auf dem Weg, welche Konsequenzen ansonsten drohen: Steigende Immobilien- und Baulandpreise, Mitarbeitermangel, weil neue Fachkräfte sich keine Wohnung leisten könne, Firmen, die nicht kommen, weil Wohnungen knapp und teuer sind, Ausweichen von Wohnungssuchende in kleine Gemeinden oder Städte und Gemeinden auch im Lauenburgischen oder Segebergischen, Zunahme des Verkehrs aufgrund der weiteren Wege.

Zudem weist das Ingenieur-Büro angesichts des demografischen Wandels auf einen steigenden Bedarf an kleinen und barrierefreien Wohnungen hin. Weil es nicht nur um eine Anpassung im Bestand, sondern auch um Wohn-, Finanzierungs- und Beratungsangebote für Senioren gehe, die aus ihrem Einfamilienhaus ausziehen möchten, empfehlen die Gutachter einen „Wohnlotsen“. Über die Themen soll morgen bei einem internen Projektabschluss gesprochen werden, zu dem der Kreis Fachleute, Ämtervertreter und Bürgermeister eingeladen hat.

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