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Stormarner Wochenschau : Wo es rund läuft und wo nicht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mal läuft es rund, mal unrund, mal wird geradelt –was dabei rumkommt, ist vermutlich alles eine Frage der Sichtweise.

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erstellt am 13.Jun.2015 | 08:00 Uhr

Absage

Kaum hatten die Grünen im Bauausschuss ihren Antrag präsentiert, kam auch schon das Veto … na, zumindest ein schwerwiegender Einwand … aus der Verwaltung: „Das geht nicht, dafür müssen wir den B-Plan ändern.“ An anderer Stelle musste ein Schild entfernt werden, weil es angeblich nicht zulässig war. Da platzte Vorsitzender Maria Herrmann (SPD) irgendwann der Kragen: „Wir wollen nicht wissen, warum es nicht geht. Verwaltung soll uns zeigen, wie es geht!“ Klare Ansage. Was sitzen denn da auch für Leute im Rathaus? Nur Lebensferne Sesselpupser und Paragrafenreiter?

Da werden Erinnerungen an eine Sitzung wach, in der es um die Verhinderung von Spielhallen in Schulnähe und Innenstadt ging. Damals wurde Anita Klahn nach allzu trockenen und negativen Ausführungen etwas ungehalten. Und siehe da: In der nächsten Sitzung präsentierte Ulrich Langenberg eine gestochene Vorlage, mit der noch immer erfolgreich verfahren wird. Geht doch.

Das Übel sitzt aber nicht alleine in der Verwaltung. Auch Politik muss ihren Teil beisteuern. Allzu oft glauben die Abgeordneten nämlich genau zu wissen, wie es laufen soll, präsentieren einen Antrag, der wenig bis keinen Spielraum lässt und wundern sich dann, wenn er von der Verwaltung abgelehnt werden (muss). Schlauer wäre es, dass Anliegen zu formulieren und von der Verwaltung zu verlangen, dass Wege zur Umsetzung beziehungsweise Erreichung dieses Ziels aufgezeigt werden. Und erst dann wird beschlossen, wie es gemacht werden soll.

Im konkreten Fall ging es um den Umbau des ehemaligen Kurbads neben der Oldesloer Schwimmhalle zu einem Wohnhaus. Warum auch immer (da ist schon immer eine Wohnung drin) soll das nicht möglich sein. Das wahre Anliegen der Grünen ist aber, dort Flüchtlinge unterzubringen. Das konnte man aus dem Papier nicht im Ansatz erahnen. So kann ein Schuss ins Blaue schon mal zum Rohrkrepierer werden.

 

Hut ab!

333  333 Kilometer kamen beim Stadtradeln in Stormarn zusammen, 47    999 Kilo CO2 seien dadurch gespart worden. Das sind zwei Zahlen, die man durchaus bezweifeln darf. Wenn man Schüler herausrechnet, die meist ohnehin mit Bus oder Rad zur Schule fahren, bleiben noch 175  000 km. Das wären bei der pauschal angenommen Ersparnis von 144 g CO2 je Personen-Kilometer immer noch 25  000 kg.

Ein Mittelklassewagen produziert etwa 180 g CO2 je km. Sitzen zwei Leute im Auto sind es nur noch 90 Gramm pro Person. Das wären bei 175  000 Kilometern 15  750 kg. Davon müsste man noch mal mindestens 500 kg abziehen, weil Radfahren anstrengend ist. Wer radelt produziert mehr als doppelt so viel CO2 wie normal, etwa 99 gegenüber 42 Gramm pro Stunde. Bei einer Geschwindigkeit von 18 km/h bräuchte man für 175  000 Kilometer 9722 Stunden, was bei einer Differenz von 57 Gramm pro Stunde zusätzliche 554 kg CO2 bedeutet. Dann bleiben noch gut 15  000 Kilo weniger CO2. Die halbieren sich aber noch mal, wenn das Auto mit vier Personen besetzt ist oder statt des Mittelklasse- ein Kleinwagen gefahren wird. Die realistische Ersparnis ist also um den Faktor 3,2 bis 6,4 geringer als die „offizielle“. Was aber nicht den Umkehrschluss zulässt, dass man das Fahrrad stehen lassen und ins Auto steigen sollte. Dann könnte man das Atmen aus Klimaschutzgründen auch gleich einstellen.

 

App-gefahren

Die Oldesloer TMS wird Partner der Lübecker Musikhochschule. Deren Studenten entwickeln Multi-Media-Programme zum Einsatz im Musikunterricht und die Schüler und Lehrer sollen sie ausprobieren. Das klingt doch spannend. Aber bedenklich ist das schon. Über die positiven Wirkungen von Musik und Instrumentalunterricht gibt es nichts zu diskutieren – man muss sie sich halt nur leisten können. Instrument, iPad, Zubehör – da wird der Geldbeutel reichlich strapaziert. Von Lehr- und Lernmittelfreiheit sind wir unendlich weit weg. Und von Chancengleichheit noch viel weiter (auch wenn jetzt bestimmt ein schlauer Oberstudienrat sagen wird: Quatsch, ist doch überhaupt nicht möglich!). Eigentlich müssten sich Studenten und Dozent hinsetzen und genau das Gegenteil entwickeln: Moderner, interessanter, guter Unterricht für den man eben keine teure Ausstattung braucht.
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