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Ahrensburg / Bad Oldesloe : Wo die Legionellen wohnen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Heimgarten-Zentrum muss für eine Million Euro saniert werden. Weitere Schulen werden untersucht.

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erstellt am 28.Mai.2017 | 06:00 Uhr

Im März wurden die Duschen der Sporthallen im Heimgarten-Schulzentrum wegen Legionellen-Befall geschlossen. Die Sanierung des gesamten Sanitärbereichs wird die Stadt mehr als eine Million Euro kosten. Der Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss hat die Ausgabe gebilligt, am Montag liegt es noch mal den Stadtverordneten vor. Aus dem Haushalt werden dafür 600  000 Euro für den Kreisverkehr im Beimoorweg genommen, die erst 2018 fällig werden, sowie 450  000 Euro, die für unerwarteten Grunderwerb eingeplant waren.

Lediglich 15  000 Euro kosten die Einmal-Wasserfilter, die als Übergangslösung an je zwei Duschköpfen in zwei Duschräumen angebracht wurden, damit Vereinssportler, vor allem die ATSV-Handballer, duschen können. Die Filter müssen monatlich getauscht werden – das Geld reicht für acht Monate.

Zwar wurde die Legionellen-Überwachung bereits 1988 verordnet, ist aber erst seit 2003 in öffentlichen Gebäuden und seit 2011 in allen größeren Gebäuden Pflicht. Und bei den Begehungen hat sich Entscheidendes geändert. Während die Prüfer früher meist nur darauf hinwiesen, dass die Regeln der Technik einzuhalten sind, wird das mittlerweile ohne Zeitverzug eingefordert. Was Stand der Technik ist, ändert sich allerdings mit der Zeit, dem Fortschritt und neuen Erkenntnissen. Deshalb verwundert es kaum, dass es bei 15 von 20 Stormarner Schulen Beanstandungen gab, die sich Ullrich Stegemann aus dem Kreisgesundheitsamt im vergangenen Jahr angesehen hat.

Mal gab es mehr, mal weniger Kritikpunkte, aber „das Heimgarten-Schulzentrum war das unrühmliche Highlight. Da habe ich alles gefunden“, so der Ingenieur. Das hängt natürlich mit der Bauzeit in den 1970er Jahren sowie mit der Größe der Schule und den im Laufe der Jahre erfolgten Am- und Umbauten zusammen. Lange Leitungssysteme oder ungenutzte Sanitäranlagen sind ebenso Ursache für den Legionellen-Befall wie Blindleitungen.

Im Heimgarten sind zudem die Feuerlöschleitungen mit dem Trinkwassernetz verbunden. „Die werden nie gespült“, sagt Stegemann. Mit der Sanierung werden die Systeme getrennt, wofür Kosten von 135  000 Euro angesetzt sind.

Die Proben, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte, zeigten einen Legionellenbefall zwischen 1100 und 5000 KBE (Koloniebildende Einheit) je Milliliter. Ab 100 KBE/ml werden technische Gegenmaßnahmen empfohlen, ab 1000 KBE/ml sieht die Trinkwasserverordnung eine kurzfristige Sanierung vor.

Stegemann hatte der Stadt nahegelegt, ein Ingenieurbüro mit einem Sanierungskonzept zu beauftragen. Dem schloss sich der Ausschuss an. „Dabei soll gleich mit untersucht werden, ob die bisherige Lage der Umkleiden und Duschräume die optimale Lösung für die Schule ist“, so Vorsitzender Christian Schubbert (Grüne).

Die Schulen in Reinfeld und Bad Oldesloe sowie das Schulzentrum Glinde hat Stegemann bereits in Augenschein genommen, ebenso die Selma-Lagerlöf- und die Stormarnschule in Ahrensburg. Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Anschließend stehen drei weitere Ahrensburger sowie die Schulen in Bargteheide auf Stegemanns Plan. „Es gibt Schulen, in denen alles in Ordnung ist, weil die einen Servicevertrag mit einer Klempnerei haben“, sagt der Ingenieur, normal seien aber eher „Auffälligkeiten“, wenn auch nicht so gehäuft wie im Heimgarten.

Das liegt nicht nur an Fehlern aus der Vergangenheit, sondern auch am begrenzten Wissen über Legionellen. Dass sich die Bakterien bei Wassertemperaturen zwischen 23 und 47 Grad wohl fühlen und prächtig gedeihen und erst ab 60 Grad Celsius sicher absterben, ist bekannt. Trotzdem kann es in langen Leitungssystemen sein, dass am Ende gerade mal 36 Grad heißes Wasser aus dem Hahn kommt – manchmal sogar Legionellen-frei.

Wenn befallene Leitungssysteme thermisch desinfiziert werden, indem man mehrmals 70 Grad heißes Wasser durchschießt, kann es aber auch durchaus sein, dass sich dort nach vier Wochen mehr Legionellen tummeln als vorher – weil die Bioschicht mit wegspült wurde, wo sie lebten. „Man muss wie eine Bakterie denken“, sagt Stegemann, „die sucht sich dann eine neue Wohnung, wo sie in Ruhe sitzen kann. “

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