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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 22:06 Uhr

Wo das Miteinander gut gedeiht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Im Kleingärtnerverein von 1950 geht es multikulturell zu und deshalb wird jetzt ein „Fest der Nationen“ gefeiert

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 10:18 Uhr

Insgesamt neun Kleingartenvereine gibt es in Bad Oldesloe, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Haftete den Schrebergärtnern früher ein Ruf von Spießigkeit und Gartenzwergidylle an, so hat sich das inzwischen grundlegend geändert. Immer mehr junge Familien, darunter viele Migranten, finden Gefallen am Gärtnern und Relaxen in der grünen Idylle.

Der Kleingärtnerverein von 1950 hat einige Besonderheiten zu bieten. Auf dem knapp 4,7 Hektar großen Gelände zwischen Ratzeburger und Industriestraße werkeln 80 Familien auf ihren Parzellen, die durchschnittlich 450 Quadratmeter groß sind. „Nur noch etwas mehr als die Hälfte unserer Vereinsmitglieder sind Deutsche, die andere Hälfte hat einen Migrationshintergrund“, sagt Bernhard Maes, seit 33 Jahren Mitglied im Verein.

Die Kleingärtner kommen aus Armenien, Russland, der Türkei, Afghanistan, der Ukraine und Kasachstan. Viele von ihnen haben inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlen sich als Oldesloer, so wie Viktor Schink, der seit 18 Jahren in der Kreisstadt lebt und seit 15 Jahren im Verein aktiv ist. Im Kleingarten des gebürtigen Kasachen schauen auch mal die drei erwachsenen Kinder vorbei oder toben die vier Enkel herum.

Auch im Garten von Fatmana Celiksaban hört man Kinderlachen. Ihr vierjähriger Sohn Mert spielt im Sandkasten mit seiner kleinen Freundin. Vor fünf Jahren pachtete die 39-jährige gebürtige Türkin den Garten, sehr zur Freude ihrer vier Kinder. Seitdem wachsen hier nicht nur rote Bete, Zwiebeln, Knoblauch und Petersilie, sondern es gedeihen auch kleine scharfe Paprika und eine besondere Salatart, die aus der Türkei stammt. Fatmana arbeitet gern in ihrem kleinen Paradies. „Allerdings habe ich während des Ramadan, der Fastenzeit, die Arbeit etwas schleifen lassen, denn es war so heiß“, gesteht die junge Frau, die ihre Gartenfrüchte gern an ihre Nachbarn und Freunde weitergibt.

Eigentlich gebe es den Grundsatz ein Drittel der Gartenfläche für Gartenbauerzeugnisse, ein Drittel für Freizeit und Erholung und ein Drittel für Bauten und Wege. „Das wurde früher mit dem Zollstock nachgemessen“, erinnert sich Bernhard Maes, der als Rechnungsführer im Vorstand arbeitet. Doch das werde heute viel lockerer gesehen. In vielen Gärten stehen ein großes Trampolin, Fußballtore oder Pools. Die Lauben und Gartenhäuschen haben Strom und fließendes Wasser manchmal auch kleine Heizöfen. Es fehlt also nicht an Komfort.

Viktor Schink ist täglich in seinem Kleingarten, denn er muss sich hier um seine große Schar von bunten Rassetauben kümmern. Besonders stolz ist er auf seine Brieftauben und die usbekischen Roller, die in geräumigen Volieren wohnen und auch frei fliegen dürfen. In der Luft drehen die „Roller“ gerne mal einen Salto, daher der Name. „Leider holt sich der Habicht immer wieder ein paar Tauben“, ärgert sich der 50-Jährige, der in seinem Garten neben Kartoffeln, Zucchini, Gurken und Bohnen, Himbeeren und Wein auch viele Blumen anbaut.

Arbeit gibt es also genug, und auch im Winter ist Viktor täglich im Garten. „Was soll ich zu Hause in der Wohnung sitzen, hier ist es viel schöner“, lacht der Hobbygärtner. Und mit den anderen Hobbygärtnern versteht er sich bestens, alle sind per du.

„Wir besuchen und helfen uns gegenseitig und tauschen Pflanzen“, betont Katrin Gruber, 2. Vorsitzende des Vereins. Außerdem müssen alle Hobbygärtner drei Mal im Jahr Gemeinschaftsarbeiten zur Pflege der Anlage leisten. Probleme gebe es eigentlich nur mit den Rehen, die immer öfter zum Naschen in die Kleingartenanlage kämen. „Um Punkt 12 Uhr stehen die Rehe auf dem Hauptweg“, hat Katrin Gruber schon des öfteren beobachtet. „Auch Graureiher, Wildenten und Füchse kommen in die Gärten“, weiß der 1. Vorsitzende Norbert Schack.

Die Kleingartenanlage ist nämlich öffentliches Gelände und daher auch fast immer offen für Spaziergänger. Der Nachteil: Es gebe immer wieder Einbrüche in Lauben, sagt Brigitte Radtke, die das Vereinshaus verwaltet. In dem geräumigen, rot gestrichenen Holzhaus finden auch private Feiern statt.

Am Sonnabend, 30. August, werden die Kleingärtner hier auch ihr traditionelles Sommerfest feiern, das zum ersten Mal unter dem Motto „Fest der Nationen“ steht. „Jeder bringt etwas Landestypisches zu essen mit und es gibt einen deutschen, russischen und türkischen Grill“, erklärt Bernahrd Maes. Dort brutzeln dann so unterschiedliche Leckereien wie türkische Frikadellen und Sucuk-Wurst, Lammsteaks und Hähnchen sowie Nackensteaks und Spanferkel. Und was gibt es für die Vegetarier zu essen? „Gras haben wir genug“, lacht Viktor Schink.

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