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Ahrensburg : Wo Cash auf Helene Fischer trifft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zum fünften Mal „Music for free“. Tageblatt-Mitarbeiter Patrick Niemeier hat den ungewöhnlichen Tanz in den Mai verfolgt

30. April, 20.15 Uhr, Große Straße: Vor dem Restaurant „Berlin Milljöh“ haben vor einigen Minuten die Musiker von „Linewalkers“ ihr Konzert begonnen. Sie spielen Johnny Cash und haben sich in Sachen Kleidungsstil und Posen dem Country-Repertoire angepasst. Allerdings nicht zu aufdringlich. Musikalisch überzeugen sie voll – großer Applaus schon nach den ersten Titeln.

20.40 Uhr bei Delikatessen Boy: Andere Kulisse, andere Getränke – in diesem Fall eher Wein als Bier – zwischen Theken und Weinregalen. Hier spielen die „Koschmiders“ Beatles-Hits. Sie sehen dabei noch weniger nach den Beatles aus, als die Linewalkers nach Cash – lobenswert. Gelungener Auftritt, überzeugende Sänger, gute Stimmung, sehr gut gefülltes Geschäft. Vor der Tür steht Organisatorin Antje Karstens vom Stadtforum. „Es läuft wirklich sehr gut. Alles super“, sagt sie. 21.05 Uhr: Im „Rockefeller“ am Bahnhof drängeln sich die Besucher. Stadionrock von der Bühne, Stadionrockstimmung davor. „I am on a highway to hell“, grölt das Publikum mit. Die AC/DC-Hörner auf dem Kopf der Sängerin von „Curtain Call“ blinken, Kellnerinnen drängeln sich durch die Menge – möchte nicht mit ihnen tauschen. 21.30 Uhr vor dem „Asche“: „Gute Band, aber zu voll gerade“, sagt ein Mann, die Umstehenden nicken. Drinnen spielen „Tschmokie“ im Schweiße ihres Angesichts Hits der 70er und natürlich Smokie – Stadtfeststimmung.

21.40 Uhr „Casa Rossa“: Was für ein Szenenwechsel. Hier gibt es hochklassigen Soul. Gesungen von einer Vocal-Trainerin von „Deutschland sucht den Superstar“ namens Anya Mahnken, am Klavier begleitet vom Musiker und Komponisten Christoph Brüx. Der hat schon für Matthias Reim gearbeitet – das fällt aber an diesem Abend nicht negativ auf. Mahnken singt besser als 99 Prozent aller Superstarkandidaten in ihren kühnsten Träumen. „Ist das hier immer so elitär?“, fragt eine erstaunte Besucherin, die sich spürbar fehl am Platz fühlt.

Die Musikauswahl hingegen passt – edel und jazzig. Auch so manche lokalen Musikkenner sind schnell ausgemacht. Zum Beispiel die Sängerin der Big-Band der Stormarnschule. Sie summt im hinteren Teil des Restaurants mit – sympathisch. Ein kleiner Teil der Gäste sonnt sich allerdings etwas zu offensichtlich im eigenen Glanz oder dem, was sie dafür halten. Ihr verhaltener Applaus bleibt unsympathisch. An der Bar herrscht derweil Hochbetrieb. Kellnerinnen auch hier im Dauerstress. Weinschorlen sind sehr gefragt.

21.55 Uhr: Im „Bangkok“ zweihundert Meter weiter ist nicht mehr ganz so viel los. Georgie Carbuttler unterhält mit Akustikgitarrenbegleitung noch rund 20 Zuhörer, die ihm an den Lippen hängen. 22.05 Uhr „Milljöh“: Die Linewalker haben mittlerweile weibliche Gesangsunterstützung, es ist proppevoll. Nebenan sitzt ein entspannter Götz Westphal vom Stadtforum „Erstklassiges Wetter, tolle Gäste, super Musik“, lautet sein Fazit. 22.15 Uhr „Casa Rossa“: Der jazzige Soul von Brüx und Mahnken biegt in eine Zielkurve mit vielen gekonnten Vokalschlenkern ein. Im Erdgeschoss bereitet sich DJ Martin Hoefling auf die After-Show-Tanz-in-den-Mai Party vor. Sechs Stunden lang hat er die Lichtanlage installiert. „Ich freue mich und bin sehr gespannt“, sagt er. „Hier ist ja durchaus ein anspruchsvolles Publikum. Aber ich bin vorbereitet.“ Falls es eher ein House-Lounge-Abend wird, wäre es okay. Diverse Partyutensilien hat er dabei, „falls es doch eher Richtung Helene Fischer geht“, sagt er augenzwinkernd und zeigt auf noch verschweißte Luftschlangen. Ich weiß nicht, was ich ihm eher wünschen soll. Um 22.20 Uhr startet er seinen CD-Player und schaltet das Discolicht ein. Bis in die frühen Morgenstunden soll nun getanzt werden. Ich schaue auf die gut gefüllte Tanzfläche. Martin Hoefling legt „Blurred lines“ auf – kommt gut an. Ich glaube,− er wird die Luftschlangen noch auspacken können.

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erstellt am 01.Mai.2014 | 13:55 Uhr

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