Wirtschaft optimistischer denn je

VSW-Geschäftsführerin Nicole Marquadsen mit dem Vorsitzenden Michael Voigt und Stellvertreter Oliver Franke (r.).
VSW-Geschäftsführerin Nicole Marquadsen mit dem Vorsitzenden Michael Voigt und Stellvertreter Oliver Franke (r.).

Trotz weltweiter Krisenherde erwarten Unternehmen der Region bessere Geschäfte / Nur der Personalmangel bremst

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06. Juni 2018, 06:00 Uhr

Seit Anfang der 1990er lädt der VSW seine Mitgliedsunternehmen in der Region zur Konjunkturumfrage ein. An ein Ergebnis wie in der 2018er-Umfrage kann sich Vorsitzender Michael Voigt aber nicht erkennen. Trotz der bereits absehbaren Verwerfungen in der Weltwirtschaft schätzen die hiesigen Unternehmen die Lage noch besser ein als in den beiden Vorjahren.

Dem „Verband und Serviceorganisation der Wirtschaftsregionen Holstein Hamburg“ gehören 374 Unternehmen an, davon 163 aus Stormarn. An den Umfragen beteiligen sich durchschnittlich ein Drittel der Firmen. Mehr als die Hälfte der Betriebe (56,8 Prozent) schätzen ihre wirtschaftliche Situation besser als in den Vorjahren ein. Das ist das höchste Ergebnis der vergangenen vier Jahre. „Man dachte schon, da geht nichts mehr, aber wir haben noch mal relevant höhere Zahlen“, sagt VSW-Geschäftsführerin Nicole Marquadsen.

Voigt findet es angesichts der nicht einfachen Weltlage vor allem erstaunlich, dass die Negativaussagen abgenommen haben. „Es scheint fast so, als könne den Unternehmen in der Region zurzeit fast nichts schrecken“, so Voigt, der den Aufschwung in Europa für „relativ stabil“ und die Auswirkungen der US-Sanktionen für „beherrschbar“ hält – „wenn das nicht in einen globalen Handelskrieg ausartet.“ Die positiven Aussagen in der VSW-Umfrage decken sich auch mit den Ergebnissen aus Erhebungen der IHK. Fast zwei Drittel der Unternehmen (63,6 Prozent) verzeichnen eine nochmals bessere Auftragslage. Nur bei jeder elften Firma (acht Prozent) ist sie schlechter geworden. Dass die Unternehmen an die Zukunft glauben, zeigt sich bei der Investitionsbereitschaft. Jede dritte Firma will sie nochmal steigern, 59,1 Prozent auf dem derzeitigen Niveau halten.

Mehr als die Hälfte der Betriebe (56,8 Prozent) haben in den vergangenen sechs Monaten neue Mitarbeiter eingestellt, nur 11,4 Prozent Personal abgebaut. 2016 hatte nur jedes dritte Unternehmen neue Leute eingestellt. Allerdings wird das immer schwieriger. Die Stormarner Arbeitslosenquote liegt mit 3,1 Prozent schon jetzt unterhalb dessen, was als Vollbeschäftigung gilt.

Insofern könnte die hohe Investitionsbereitschaft mit einem gesunkenen Interesse an Neueinstellungen zusammenhängen. „Wenn die hiesige Wirtschaft ein Problem hat, dann Mitarbeitermangel. Das ist längst mehr als ein Fachkräftemangel“, so Marquardsen. „Wir suchen seit mehr als zwei Jahren einen Lebensmittelchemiker“, sagt Voigt, der Geschäftsführer bei Hela in Ahrensburg ist. Die prekäre Lage macht allerdings auch erfinderisch, „Viele Firmen suchen kreative Wege zur Erhöhung des Nettogehalts“, sagt der stellvertretende VSW-Vorsitzende Oliver Franke. Das können Einkaufs- oder Tankgutscheine, betriebliche Altersvorsorge, Zuschüsse für Kinderbetreuung und Sportangebote oder so genannte „Incentives“ zur Wertschätzung sein: gemeinsame Veranstaltungen, Feiern oder Reisen. Marquadsen: „Wenn man die Unternehmen vor zehn Jahren danach gefragt hätte, hätten sie gesagt ‚Wieso sollte ich?‘ Jetzt ist das Thema im Mittelstand angekommen.“

Eine immer wichtigere Rolle bei der Mitarbeiterwerbung spielt auch der Wohnungsmarkt. Die Mieten sind mittlerweile so teuer, dass sie ein Normalverdiener kaum noch bezahlen kann. Voigt plädiert für mehr geförderten Wohnungsbau. „Kommunalen Genossenschaften sind der beste Weg zu einer echten Mietpreisbremse.“

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