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Selbstbewusst : „Wird nicht leicht, uns zu schlagen“

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

VfB Lübecks Keeper Jonas Toboll spricht im Interview vor dem morgigen Endspiel im Fußball-Landespokal gegen Regionalligarivale ETSV Weiche über seine Erwartungen, warum es keinen Favoriten gibt und über seine eigene Vorbereitung.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 14:00 Uhr

Morgen treffen noch einmal die beiden besten Fußball-Regionalligisten Schleswig-Holsteins aufeinander. Ab 17 Uhr duellieren sich an der Lübecker Lohmühle der gastgebende VfB und der ETSV Weiche im Endspiel um den Landespokal. Es geht nicht nur um die Qualifikation für den DFB-Pokal, sondern auch um eine Menge Geld: Der Sieger streicht aus dem DFB-Fernseh- und Marketingtopf rund 140 000 Euro ein. 20 000 Euro davon fließen in den SHFV-Solidartopf, aus dem die letzten Acht im Landespokal noch Prämien erhalten. Weiche stand 2012 und 2014 im Endspiel und verlor jeweils unglücklich beim VfB Lübeck (2:4 n.V.) und Holstein Kiel (12:13 n.E.), erreichte aber nie die DFB-Pokal-Hauptrunde. Die Lübecker, mit 13 Titeln Rekordpokalsieger, waren zuletzt im August (1:2 gegen Paderborn) vertreten. Wir sprachen vor dem Endspiel mit VfB-Keeper Jonas Toboll.

Jonas Toboll, was würden Sie mit 120    000 Euro machen?

Ich würde mir ein Haus kaufen – natürlich in Lübeck. Aber Sie spielen sicher auf etwas anderes an.

Richtig, diese Summe winkt dem VfB wenn Sie am Sonnabend den Landespokal gewinnen und erneut in den DFB-Pokal einziehen. Gab es bereits Verhandlungen mit den Verantwortlichen, wie dieses Geld aufgeteilt wird?

Ja, wir haben eine Prämie ausgehandelt – und zwar so, dass es für beide Seiten passt und alle zufrieden sein können. Wir wissen ja, welche finanziellen Schwierigkeiten es in der jüngeren Vergangenheit gegeben hat, deshalb sind der Titel und die Prämie für den VfB enorm wichtig – sie wird dem Verein gut tun. Das ist allen bewusst, damit der Verein auch in Zukunft auf gesunden Beinen steht – das kommt ja auch uns zu Gute.

Mit dem VfB haben Sie die Chance auf die Titelverteidigung, neben Kapitän Moritz Marheineke sind Sie der Einzige im aktuellen Kader, der den Pott zum dritten Mal gewinnen könnte. Wie groß ist die Vorfreude?

Die Vorfreude ist riesig. Der erneute Finaleinzug zeigt, dass wir diesen Wettbewerb sehr ernst nehmen und die Herausforderungen, die er mit sich bringt, auch annehmen. Dass Moritz und ich den Pokal zum dritten Mal holen können, ist eine schöne Randnotiz. Viel wichtiger ist, dass wir nach einer nicht so prickelnden Saison noch ein Highlight vor der Brust haben und die nicht gerade einfache Spielzeit positiv abschließen können. Darauf haben alle in den letzten Wochen hingearbeitet.

Wie wird Ihre Vorbereitung am Finaltag aussehen?

So wie sonst auch vor einem Heimspiel, habe ich meine Rituale. Ich werde sehr früh im Stadion sein, um erst einmal in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Dann geht es unter die Wärmelampe, die heißen Hände unseres Physiotherapeuten werde ich dann in Anspruch nehmen, ehe ich meine Mobilisationsübungen machen und es zum Aufwärmen raus geht. Das läuft noch ganz ruhig ab. Erst wenn Nils Lange in der Kabine kurz vor dem Anpfiff die Musik aufdreht, drehen auch wir alle auf und fahren richtig hoch.

Beim letzten Endspiel-Aufeinandertreffen mit dem ETSV standen Sie und Moritz Marheinke 2012 in der Startformation. Auf der Lohmühle sahen die Flensburger nach 0:1-Rückstand kurz vor Schluss wie die Sieger aus. Dann hat Deniz Kadah den VfB in die Verlängerung geschossen, und Sie gewannen 4:2. Wird es am Sonnabend ähnlich eng?

Das Punktspiel vor kurzem in der Liga hat das ja schon gezeigt. Die 2:3-Niederlage war knapp, aber damals hatten wir gerade den Trainer gewechselt, es war noch sehr unruhig und fragil aufgrund der sportlich nicht so tollen Situation. Mittlerweile haben wir uns stabilisiert und sind als Mannschaft gefestigt. Es wird nicht leicht, uns zu schlagen – aber das gilt auch für den Gegner, der eine erfahrene Truppe hat. Ich gehe von einem engen Spiel mit dem hoffentlich besseren Ende für uns aus.

Sollte es zum Elfmeterschießen kommen, rücken Sie in den Fokus. Inwiefern freut man sich als Keeper auf solche Situationen?

Mir wäre es lieber, wenn die Jungs das in der regulären Spielzeit erledigen. Ich stehe nicht gerne im Vordergrund. Und Elfmeterschießen hat immer auch etwas mit Glück zu tun. Ich wünsche mir, dass die bessere Mannschaft gewinnt, nicht die glücklichere.

Wie gut sind Sie auf ein solches Szenario vorbereitet – kann man sich überhaupt darauf vorbereiten?

Nein, das kann man nicht, wir haben das deshalb auch nicht trainiert.

Rein von der Papierform her sind die Flensburger Favorit. Der VfB kämpfte in der Regionalliga um den Klassenerhalt, Weiche mischte oben mit. Welche Rolle könnte das am Sonnabend spielen?

In Flensburg wird seit Jahren hervorragend Arbeit geleistet. Der ETSV hat mit Daniel Jurgeleit einen tollen Trainer, ein tolles Team und ist daher so erfolgreich. Das kommt nicht von ungefähr. Aber es ist nur ein Spiel, und da ist es egal, ob wir eine turbulente Saison hinter uns haben. Denn wir haben uns stabilisiert, sind selbstbewusst und auf einem guten Weg. Deshalb mache ich mir über die Rollenverteilung keine großen Gedanken. In einem Finale ist die Tagesform viel wichtiger.

Aber es könnte ein Vorteil sein, dass Sie als Außenseiter nicht das Spiel machen müssen. Sie haben im Sommer ja auch den Titel gegen Drittligist Holstein Kiel geholt...

Das stimmt, aber wir müssen uns auch nicht kleiner machen, als wir sind, sondern das Selbstvertrauen an den Tag legen, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Selbst wenn wir in der Liga noch weiter unten stehen würden: Die Chance, ein Finale zu gewinnen, hat man immer. Erst recht in einem Heimspiel.

Apropos Heimspiel: Welche Rolle spielt es, das Finale vor heimischer Kulisse auszutragen, ein Wettbewerbsvorteil des VfB?

Auf jeden Fall, das wird uns mit Sicherheit einen großen Schub geben. In der Saison hat man das gesehen. Es lief alles andere als rund, aber die Fans standen hinter uns und haben alles gegeben und uns großartig unterstützt. Das wird auch morgen so sein und uns zusätzlich pushen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Welche Überschrift wollen Sie am Montag im Sportteil des Stormarner Tageblatts lesen?

VfB Lübeck beendet durchwachsene Saison mit Pokaltriumph.

 

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