Stapelfeld : Wird Müllverbrennungsanlage neu gebaut?

Die MVA Stapelfeld hat seit 2015 neue Besitzer, die mit der Anlage noch Geld verdienen wollen.
Die MVA Stapelfeld hat seit 2015 neue Besitzer, die mit der Anlage noch Geld verdienen wollen.

Der Energiedienstleister Beijing Enterprises Limited aus Hongkong denkt über eine Investition von 150 Millionen Euro in Stormarn nach.

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20. November 2017, 06:00 Uhr

In China wird zurzeit ein Neubau der Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld geprüft. Der Energiedienstleister Beijing Enterprises Limited aus Hongkong denkt über eine Investition von 150 Millionen Euro in Stormarn nach. Der Konzern hält heute die Mehrheitsanteile an der Anlage in Stapelfeld.

In dem Neubau sollen auch zukünftig bis zu 350 000 Tonnen Hausmüll und Gewerbeabfälle pro Jahr aus den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Segeberg verbrannt werden. Wie bisher schon werden damit Fernwärme und Strom erzeugt. Verbrannt wird hier künftig auch Klärschlamm, denn nach der neuen Düngemittelverordnung darf der ab Beginn kommenden Jahres nicht mehr auf Landwirtschaftsflächen ausgebracht werden.

2015 hatte der Abfallverwerter Energy from Waste (EEW) die Anlage übernommen. Entsprechende Überlegungen hat der Konzern jetzt bestätigt. Es gebe Vorüberlegungen, den Standort Stapelfeld durch Investitionen zu sichern. EEW besitzt in Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden inzwischen 37 Anlagen, in denen jährlich etwa 4,5 Millionen Tonnen Müll verwertet werden. Entsprechende Überlegungen hat auch Holger Heinig, der Technische Geschäftsführer der MVA bestätigt. Mit Blick auf die technologische Weiterentwicklung und geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen erschienen Vorplanungen in Abstimmung mit den Genehmigungsbörden als sinnvoll.

Untersucht wird jetzt die bestverfügbare Technik für einen Ersatzbau für die 38 Jahre alte Anlage. Sie soll in Zukunft möglichst effizient und umweltfreundlich arbeiten. Als erster Schritt wird jetzt an mehreren Stellen die Luftqualität gemessen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, will EEW voraussichtlich Anfang kommenden Jahres die Öffentlichkeit über das Vorhaben informieren. Sollten diese Voruntersuchungen die bisherigen Überlegungen bestätigen, könnte im kommenden Herbst der Bauantrag gestellt werden.

Vor zwei Jahren hatten die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn ihre Anteile an EEW für 20 Jahre verliehen. Sie hielten jeweils etwa elf Prozent. Auf eine Rückübertragung verzichteten sie dann aber und erhielten dafür jeweils gut eine Million Euro. Wenig später verkaufte dann der frühere Mehrheitseigner von EEW, der Finanzinvestor EQT aus Schweden, seine Anteile an den chinesischen Konzern.
Kritiker des Verzichts der beiden Kreise befürchteten Verluste durch entgehende Gewinnausschüttungen. Auch gab es früher Überkapazitäten in der Müllverbrennung. Die Befürworter aber wiesen auf die enorme Investitionssumme für eine Modernisierung hin. Auch gelten deutsche MVAs inzwischen als ausgelastet.
Durch die bald notwendige thermische Nutzung von Klärschlamm steigt das Abfallaufkommen weiter an. Die landwirtschaftliche Verwertung ist nicht mehr zulässig, weil damit Schwermetalle, Krankheitserreger und Schadstoffe auf die Felder gelangen.

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