Stromtrasse : Wird Hamberge was aufgebrummt?

Bürgermeister Paul Friedrich Beeck befürchtet, dass neben den beiden 110 KV- noch eine 380 KV-Leitung gebaut wird.
Bürgermeister Paul Friedrich Beeck befürchtet, dass neben den beiden 110 KV- noch eine 380 KV-Leitung gebaut wird.

Auftakt des Dialogverfahrens in Nordstormarn: Bürgermeister befürchtet zusätzlichen Bau der 380-KV-Leitung in Hamberge.

shz.de von
14. Januar 2015, 06:00 Uhr

„Wir Hamberger haben Angst, von der geplanten 380 KV-Stromleitung betroffen zu sein“, sagt Bürgermeister Paul Friedrich Beeck. Jede Gemeinde wünsche sich natürlich, von der neuen Stromtrasse weitgehend verschont zu bleiben, doch in seiner Gemeinde sei man mit der A  20 und der 110 KV-Leitung direkt vor der Haustür schon genug betroffen, betont der Bürgermeister.

Falls sich das Energiewendeministerium und die mit dem Bau beauftragte Firma Tennet tatsächlich für die südlichste Variante der neuen 380-KV-Trasse entschieden, würde zu den bereits parallel in Hamberge verlaufenden 110-KV-Leitungen eine weitere Trasse entstehen – mit 70 Metern doppelt so hoch und mit 40 Metern doppelt so breit wie die Mittelspannungsleitungen. Aufgrund der Lärmschutzwälle müssten die Masten an einigen Stellen zudem weitaus höher als 70 Meter sein.

Hinzu kommt: Bei Hamberge ist eine Hochspannungsleitung nicht auf den bestehenden 110er-Trassen machbar. Allenfalls eine Mittelspannungsleitung könnte demontiert und mit an die neuen Masten gehängt werden. Das würde enorme Einschränkungen mit sich bringen, Häuser und Grundstücke in der Nähe der Trasse würden definitiv an Wert verlieren, sagt Beeck. Auch wenn der Ausstieg aus der Kernenergie wünschenswert sei und man mit den Konsequenzen leben müsse, habe seine Erfahrung ihn aber gelehrt, dass bereits besonders belasteten Gemeinden gern noch etwas zusätzlich „aufgebrummt“ werde.

Bei der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung „Dialogverfahren Ostküstenleitung“ in der Mehrzweckhalle hatten 250 Hamberger dann auch eine Menge Fragen. Zur Diskussion stehen drei Trassen-Varianten.

> Die kürzeste Variante wäre die entlang der A  20, die rund 47 Kilometer zum größten Teil im Kreis Segeberg verlaufen würde.

>Zweite Variante ist ein Ersatz der 220-KV-Leitung von Lübeck bis Henstedt-Ulzburg, die über Pöhls, Rehhorst und Wakendorf durch Stormarn verläuft und rund 50 Kilometer lang ist. Die 220-KV-Leitung würde dann demontiert.

>Die südlichste Variante verliefe durch Hamberge und entweder über Trenshorst und Treuholz oder längs der A  1 bis Pölitzfeld und von dort dann westwärts zwischen Rohlfshagen und Sattenfelde über die A  21 nach Buckhorn, zwischen Floggensee und Elmenhorst über die B  75 und dann fast parallel zur Landesstraße bis Bargfeld-Stegen und Kayhude. Das wäre mit 60 Kilometern die längste und damit auch teuerste Variante, so Beeck. Denn ein Kilometer kostet 1,4 Millionen Euro.

Zurzeit läuft das Dialogverfahren, das Montag, 19. Januar, im Gemeinschaftshaus Travenbrück in Tralau; Mittwoch, 21. Januar, im Gemeindezentrum in Elmenhorst und Donnerstag, 22. Januar, Gemeinschaftshaus Mönkhagen, fortgesetzt wird. Am 22. April ist eine weitere Konferenz geplant, wo die Ergebnisse ausgewertet werden. Falls die Hamberger Variante ausgewählt werde, müsse die Gemeinde abwägen, welche Chancen eine Klage habe, so Beeck.

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