zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 00:11 Uhr

„Wir wollen gerade, schlanke Bäume“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Waldspaziergang im Forst Hagen mit Jan Richter vom Ahrensburger Fachdienst Umwelt und dem Waldpädagogen Jens Lübbers

„Trotz aller Förderprogramm bleibt Schleswig-Holstein das waldärmste Flächenland“, sagt Jan Richter vom Ahrensburger Fachdienst Umwelt. Er ist zuständig für die Wälder im Besitz der Stadt. Dazu gehört der Forst Hagen mit etwa 125 Hektar. Beraten wird Richter vom Waldpädagogen Jens Lübbers, der in Diensten der Landwirtschaftskammer steht. Beide organisierte jetzt eine Führung mit Rekordteilnehmerzahl. Über 50 Teilnehmer erkundeten mit den Fachleuten „ihren“ Wald.

Ziel bleibt eine nachhaltige Forstwirtschaft. „Kahlschläge sind im Land verboten“, sagt Lübbers. Allerdings reißen Stürme oft größere Löcher in die Waldflächen, drei waren es in diesem Jahr bisher. Es darf auch nicht mehr Holz entnommen werden, als nachwächst. Bei der Aufforstung soll der Anteil von Laubbäumen steigen. „Wenn deren Anteil bei mindestens 80 Prozent liegt, gibt es dafür Fördermittel in Höhe von 85 Prozent“, erläutert Lübbers.

Anpflanzungen sind teuer, gerechnet wird mit Kosten von 10  000 Euro für einen Hektar Wald. Darin sind die Vorarbeiten und ein Zaun einkalkuliert. „Bei Eichenpflanzungen wird es noch etwas teurer“, sagt er. Ganz soll das Nadelholz aber nicht verschwinden, es wird unter anderem für Dachstühle gebraucht. Und weil Nadelbäume schneller wachsen, bringen sie auch rascher Erträge.

Zwei Hektar Wald möchte Lübbers im kommenden Jahr umbauen. „Wir wollen gerade und schlanke Bäume.“ Die Stürme im Frühjahr haben Löcher in den Forst gerissen, die so wieder gefüllt werden sollen. 460 Festmeter Holz gingen dabei verloren, mehr als die Hälfte der eigentlich geplanten Ernte. Deshalb muss der Einschlag in diesem Jahr drastisch gekürzt werden. Vor allem Stieleichen und Buchen werden auf den so entstandenen Freiflächen gepflanzt. „Der Boden ist gut hier, sie werden dem Standort gerecht“, sagt Lübbers.
Einige Jungbäume, die sich natürlich entwickelt haben, dürfen auch bleiben. „Wenn sie nicht zu viel Schatten werfen“, sagt Lübbers. Die Anpflanzungen müssen zunächst durch Zäune gegen Verbiss durch das Rehwild geschützt werden.
Einige Teilnehmer zählten zum Umweltausschuss, der anschließend tagte. „Das Gremium entscheidet auch jährlich über den Wirtschaftsplan“, sagt Richter. Der Forst Hagen werde bereits seit über 20 Jahren zu einem Mischwald umgebaut und sehe heute schon ganz anders aus. „Uns geht es nicht um maximale Rendite“, sagt er.
Erntereif ist Nadelholz mit einem Stammdurchmesser von 45 Zentimeter in 1,20 Meter Höhe. Bei Laubbäumen werden gut 60 Zentimeter angesetzt. Ein Stamm Nadelholz bringt im Sommer etwa 110 Euro Erlös. „Die unteren vier bis fünf Meter werden für Leimbinder verwendet, die nächsten 2,40 Meter werden für Paletten verwendet und die Krone ist Papierholz.“ Letzteres wurde früher oft im Wald zurückgelassen, heute werden damit gute Preise erzielt.

Etwa 125 Hektar umfasst der Wirtschaftswald im Hagen, zusammen mit den Feuchtgebieten im Tunneltal umfasst das Gebiet 339 Hektar. Es steht komplett unter Naturschutz.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen