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Bargteheide : „Wir waren verlorener in der Zeit“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ministerpräsident Torsten Albig diskutierte mit Schülern des Kopernikus-Gymnasium über Kultur, Bildung und freie Zeit

Seit März besuchte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) zehn Schulen. Unter dem Motto „Was kann, muss oder darf Kultur leisten“ diskutierte er zum Tour-Abschluss im Kopernikus-Gymnasiums Bargteheide. 150 Jugendliche verfolgten Albigs Auftritt, 15 waren in der inneren Runde und stellten dem Ministerpräsidenten Fragen.

Dass das KGB auch ein ausgeprägtes ästhetisches Profil besitzt, erstaunte Albig: „Ich hatte eine naturwissenschaftliche Schule erwartet, die nebenbei Theater spielt.“ Die Schule habe ihm ein komplett anderes Bild vermittelt, das wurde gleich zu Beginn deutlich: Der Kurs Darstellendes Spiel führte einen Auszug aus dem Stück „Der Sprung“ vor. Es wurde auf Basis eines Zeitungsartikels über die Produktionsbedingungen der Elektronikindustrie in China entwickelt. Die Kursteilnahme ist Pflicht in der Oberstufe, allerdings ist es bisher kein Abiturfach. „Das werde ich anregen“, so Albig, „warum nicht ein solcher Schulversuch im Land?“

Das G  8-Abitur lasse zu wenig Raum für kulturelle Interessen, kritisierte ein Schüler. Die Zeit für Hobbys und Freizeit sei eingeschränkt. „Wir waren in meiner Schulzeit viel verlorener in der Zeit als ihr“, so Albig, „wir haben sie weniger genutzt.“ Heutige Schüler seien fokussierter. Das größte Wissensdefizit sehe er heute in der fehlen-den Zeit, sich selbst kennenzulernen. Engagierte Lehrer und die Zusammenarbeit in Gruppen könnten Schule weiter stärken, so Albig. Er selbst sei ein mittelmäßiger Schüler gewesen, bis sich ihm ein Lehrer zugewandt habe: „Wir brauchen eine Ausbildung für Lehrer, die ihre Schüler lieben.“

„Gute Noten haben wenig damit zu tun, was jemand auf dem Kasten hat“, so ein Schüler. „Wir brauchen ein Fundament an Techniken, um uns die Welt zu erschließen“, entgegnete Albig. In einer sich ständig dramatisch verändernden Welt müsse man sich ständig auf Neues einstellen, aber einen Grundwertekanon behalten. „Antworten darauf finden sich eher in einem Kurs für griechisches Theater.“ Auf seiner Facebook-Seite erlebe er hingegen immer häufiger eine Unreife der Kommentatoren, das erfülle ihn mit Sorge.

Die KGBler wiesen auf ihr Projekt Kulturentreff hin. „Wir treffen uns jeden Sonntag von 16 bis 18 Uhr mit jugendlichen Flüchtlingen im Jugendzentrum“, so eine Schülerin. Gemeinsam werde gebacken oder der Weihnachtsmarkt besucht. „Die Flüchtlingshilfe wird meist von Senioren geleistet, wir wollen mit Gleichaltrigen ins Gespräch kommen.“ Das funktioniere erstaunlich gut und fördere den gegenseitigen Respekt voreinander. Sie sei überrascht, wie gut sich junge Migranten in unsere Kultur einfügten. Zum Abschluss übten Schüler auch Kritik. „Der Auslandsaustausch wird zunehmend eingeschränkt“, sagte einer, „es fehlen Partnerschulen.“ Dabei sei der Bildungswert eines Auslandsaufenthalts kaum zu unterschätzen.






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