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Ahrensburg : „Wir stehen für Lebensgefühle“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Magdalena Thams und Florian Bauer vermitteln an Schulen in Stormarn in Fragen der Sexualität.

„Lachen ist bei uns erlaubt, auslachen aber nicht“, sagt Magdalena Thams. Die Sexualpädagogin arbeitet seit Jahresbeginn an Schulen im Kreis Stormarn. Sie teilt sich mit Florian Bauer die Personalstelle, die vom Sozialausschuss des Kreistages bewilligt wurde. Das Angebot wird bereits gut angenommen: An 15 von insgesamt 63 Schulen in Stormarn war das Team schon tätig. Weitere Anfragen liegen vor.

Das Team arbeitet unter dem Dach der Beratungsstellen von pro familia. „Wir sind sehr froh, dass der Kreis uns dabei unterstützt, denn der Bedarf ist stark angewachsen“, sagt Elfriede Rohwedder, Leiterin der Beratungsstelle in Ahrensburg. Bisher half dabei die Sozialstiftung der Sparkasse, doch die Förderung ist ausgelaufen. So sorgte der Kreis dafür, dass die Angebote ausgebaut wurden. „Wir haben ein offenes Ohr für pro familia“, sagt Maik Neubacher vom Sozialausschuss.

Die Themen sind vielfältig. „Es geht zum Beispiel darum, wie Frauen- und Männerbilder konstruiert werden“, sagt Bauer. Noch immer würden Stereotypen verbreitet. „Schon im frühen Alter werden Rollen festgelegt, dass Männer der aktive Part sein sollen und Frauen erobert werden wollen“, ergänzt seine Kollegin.

Beide arbeiten als Mann-Frau-Team für Schüler aller Altersgruppen und Schulformen zusammen, das hat sich bewährt. Es gibt auch geschlechtsspezifische Gruppen. Sexualpraktiken und sexuell übertragbare Krankheiten, Verhütung und die Körperveränderungen in der Pubertät stehen auf der Tagesordnung, vor allem aber auch die Fragen der Jugendlichen. „Wir möchten mit ihnen einen positiven Zugang zu ihrer Sexualität hervor arbeiten“, sagt Magdalena Thams.
„Auch islamische Schüler nehmen unser Angebot gern an“, ergänzt Florian Bauer. Bisher habe er nicht erlebt, dass Eltern eine Teilnahme ihrer Kinder verboten hätten.

Albernheiten spielten sich vor allem in den sechsten Jahrgängen ab. „Wir geben ihnen Raum dafür und entschärfen die Situation mit Humor.“ Dabei hilft es dem Team, dass sie ohne Lehrer unterrichten. „Wir haben so einen anderen Zugang“, so Bauer, „wir bewerten keine Leistungen und unterliegen der Schweigepflicht.“ Er sieht seine Arbeit als Ergänzung zum Biologieunterricht: „Wir stehen für das Ganze, für Lebensgefühle und Lebenskonzepte.“

Ein weiteres Thema für Jugendliche ab 15 Jahren ist die Elternschaft auf Probe. Schüler können allein oder als Partner einen Säuglingssimulator betreuen und so auf ihre Verantwortung als spätere Eltern vorbereiten. Drei Nächte und vier Tage lang spüren sie, was das bei einem Säugling beutet. „Wir wollen sie damit aber nicht abschrecken“, betont Magdalena Thams.

Eine Gruppe junger Mütter hat einen Wegweiser für Schwangere erarbeitet. „Für Ahrensburg liegt er schon vor, für Bargteheide ist er im Druck“, erklärt Elfriede Rohwedder. Für Bad Oldesloe werde er vorbereitet. Die Beratungsstelle unterstützt ihre Klienten auch bei Fördermittel-Anträgen bei der Stif-tung Mutter und Kind.

Pro familia hilft auch bei der Verhütung. Für Bezieher von Grundsicherung und Hartz IV werden kostenlos Verhütungsmittel ausgegeben. „Die 30  000 Euro jährlich übernimmt der Kreis“, sagt Elfriede Rohwedder. Im Vorjahr sei die Beratungsstelle erstmals nicht damit ausgekommen und habe einen Zuschlag bekommen. Dieser Trend setzt sich fort. 2016 gab es 256 Anträge, in diesem Jahr bereits fast 200.





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