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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 06:40 Uhr

Landgasthof "Zur Post" : "Wir sind wieder da"

vom

WOA-Macher Jensen und Hübner kaufen Wackener Gasthaus - und verpachten es an Torsten Arp / Der 33-Jährige startet mit seinem Team jetzt durch

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 09:32 Uhr

Wacken | Im vergangenen Juni schlug die Nachricht wie eine Bombe in der Region ein: Wackens Landgasthof "Zur Post" ist pleite. Jetzt hat Torsten Arp wieder eine Nachricht - diesmal eine gute: "Wir sind wieder da." Knapp zehn Monate nach dem schweren Gang zum Amtsgericht ist die Insolvenz abgewendet. Das renommierte Dorfgasthaus startet neu durch. Zu verdanken ist diese Entwicklung einem - wie Arp lobt - behutsam vorgegangenen Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin sowie Lieferanten und Banken, die mitspielten. Vor allem aber Holger Hübner und Thomas Jensen. Die WOA-Macher kauften den Gasthof. Torsten Arp ist jetzt Pächter und Geschäftsführer im fast hundert Jahre alten Traditionsbetrieb.

"Wir sind wieder voll geschäftsfähig." Arp ist im Gespräch mit unserer Zeitung anzumerken, welch große Last von seinen Schultern gefallen ist. Jetzt will er sich mit seinem Team wieder voll auf die Gäste konzentrieren. Und auch die hätten ihn ebenso wie seine Mitarbeiter in den schweren Zeiten nicht im Stich gelassen. "Wir haben eine gute Auftragslage."

Die Zahlungsunfähigkeit das Wackener Gasthauses hatte landesweit für Aufsehen gesorgt. Zum einen führte hier lange Jahre der prominente Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp die Geschäfte, bevor er das Zepter an seinen Sohn weitergab. Zudem ist die "Post" das einzige Gasthaus im weltweit bekannten Festivalort. Arp betreibt während der Festivaltage auch Europas größten mobilen Biergarten.

Die jetzt gefundene Lösung garantiert vor allem auch den Weiterbetrieb des Hauses, was ohne Torsten Arp wohl nur schwer möglich gewesen wäre. Der 33-Jährige ist Konzessionsinhaber für den Gaststättenbetrieb. Bei einem Wechsel hätte die Schankerlaubnis neu beantragt werden müssen - was in der Regel mit kaum erfüllbaren Auflagen verbunden gewesen wäre. An diesem Punkt sind in der Vergangenheit viele alte Dorfgasthöfe gescheitert. Arp weiß: "Das wäre auch in Wacken der Todesstoß gewesen." Vergangenen Sommer habe er denn auch Reaktionen aus ganz Schleswig-Holstein bekommen. Tenor: Viele Kollegen teilten sein Schicksal.

Dass die Organisatoren des Wacken Oper Air das Gasthaus nun retten, ist kein Zufall. Holger Jensen stand hier in jungen Jahren selbst hinterm Tresen, man kennt sich als alte Wackener. "Die verpachten das allerdings nicht für einen Appel und ein Ei", sagt Torsten Arp. Vereinbart sei die ortsübliche Pacht. Außerdem: "Hübner und Jensen wollen nicht Gastwirt spielen. Sie halten sich aus dem Geschäft ganz raus."

Nach und nach geht Torsten Arp jetzt daran, ein gastronomisches Konzept umzusetzen, das dem Gasthof eine gute Zukunft sichern soll. Ein Problem: In den weitläufigen Räumlichkeiten im Wackener Dorfzentrum können bis zu 700 Gäste bewirtet werden. Da soll jetzt Struktur rein. Die Kegelbahn wurde schon geschlossen, die Küche bereits grundlegend renoviert. Parallel dazu soll die eigentliche Gaststube zur "Poststube aufgeflitzt" werden. Die Stammgäste können sich künftig in der "Wackener Stube" einfinden. Hier steht jetzt auch der Fernseher und es darf geraucht werden. Nach und nach sollen auch die zeitweise reduzierten Öffnungszeiten wieder ausgeweitet werden. Arp setzt zudem ganz auf regionale Küche und Spezialitäten. So werden am Tresen künftig SH-Tapas angeboten. Auch das Bier kommt nicht mehr aus Hamburg, sondern aus Dithmarschen.

Wichtiges weiteres Standbein bleibt der wenige Kilometer entfernt liegende "Schweinehof". Das Anwesen des früheren Verlegers Alexander Jahr kann für Feiern gemietet werden. Auch viele Landespolitiker, die Hans-Jörn Arp immer wieder gerne einlud, lernten das idyllische Ambiente schon schätzen. Schwerpunkt für den Gaststättenbetrieb bleiben Veranstaltungen. Die Palette reicht von einer Küchenparty für geladene Gäste, die am Donnerstag stattfand, bis hin zu Zumba und italienischen Abenden. "Auch der Bürgermeister ist heilfroh, dass er sein Gasthaus behalten kann", weiß Arp.

Ein dickes Lob zollt er vor allem seinen Mitarbeitern. Das Küchenteam besteht aus sechs Leuten, plus drei Auszubildende. Drei feste Servicekräfte gibt es, eine Auszubildende kommt im Sommer. Dazu zehn bis 15 Aushilfskräfte nach Bedarf. "Wir sind jetzt alle ganz euphorisch - bis hin zum Lehrling", umschreibt Arp die Stimmung. Er schmiedet schon Pläne für das 100-jährige Bestehen des Gasthofes in sechs Jahren. Vielleicht ist das Haus dann sogar wieder in Familienbesitz: "Ich habe mit Jensen und Hübner ein exklusives Rückkaufrecht vereinbart."

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