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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 04:23 Uhr

Jersbek : „Wir leisten da Pionierarbeit“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Archäologie und Architektur, Promis und Plattdeutsch: Der Heimatbund setzt mit seinem Jahrbuch wieder starke Akzente.

Die Diskussion um Alfreds Rolle im Nationalsozialismus geht weiter. Der Archäologe war durch seine Funde aus der letzten Eiszeit im Ahrensburger Tunneltal bekannt geworden. Ins Zwielicht geriet er später durch seine Mitgliedschaft in der SS-Organisation „Ahnenerbe“. In seiner Heimatstadt Ahrensburg wurde das bereits vor einigen Jahren kontrovers diskutiert. Jetzt hat sich der Historiker Günther Bock mit dem Thema beschäftigt. Sein Beitrag ist im neuen Jahrbuch des Heimatbunds Stormarn zu finden, das jetzt frisch auf den Markt gekommen ist.

„Die Archäologie wurde an den Universitäten in der Nazizeit stark aufgewertet“, sagt Mitherausgeber Burkhard von Hennigs. Viele Professoren hätten dabei eine unrühmliche Rolle gespielt, namentlich an der Kieler Universität. In diesem Milieu war auch Rust heimisch und bestens mit Nazigrößen vernetzt, wie Bock nachweist. Rust sei nicht so unbelastet gewesen, wie es nach der Entnazifizierung schien, so von Hennigs. „Das tut seinen außergewöhnlichen Forschungen im Tunneltal keinen Abbruch.“

Besonders am Herzen liegt von Hennigs der Artikel über die Löwenapotheke in Bad Oldesloe, mit deren Restaurierung er einst befasst war: „Damit ging ein Traum in Erfüllung.“ Selbst hat er sich mit der dänisch geprägten Architektur im Schleswig-Holstein des 18. und 19. Jahrhunderts beschäftigt. Für von Hennigs steht etwa Christian Frederik Hansen, der in Kopenhagen studierte, in einer Reihe mit Baumeistern wie Schinkel. Hansen hat unter anderem das Herrenhaus Altfresenburg geplant.

Dr. Johannes Spallek hat sich kritisch mit der Renovierung der katholischen Notkirche in Glinde befasst. Solche Kirchen wurden für die Flüchtlinge aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Diese Renovierung habe das Gesicht vollkommen verändert. „Der Raumeindruck ist heute völlig neu, die Schlichtheit des Baus ist verloren gegangen.“ Als Denkmal seiner Bauzeit sei es damit verloren: „Das ist ein kulturpolitischer Skandal.“ Die Geschichte werde so entsorgt, kritisiert von Hennigs: „Weiteres Beispiel dafür ist der Abriss des Heereszeugamts in Glinde.“

Neben Geschichte und Architektur setzt das Jahrbuch weitere Akzente. Stormarner Persönlichkeiten wie Matthias und sein Urenkel Hermann Claudius oder der Großhansdorfer Bildhauer Siegfried Assmann werden vorgestellt und auch der Naturschutz ist ein Thema. Und ebenso ist die niederdeutsche Sprache vertreten, was stets ein besonderes Anliegen des Heimatbundes ist. „Wir leisten da Pionierarbeit“, sagt der Vorsitzende Helmuth Peets. So sei es gelungen, Niederdeutsch als Unterrichtsfach an den Schulen zu etablieren.

Umfangreiche Quellenangaben und Anmerkungen öffnen den Weg für weitere historische Forschungen. Die Autoren danken der Kulturstiftung der Sparkasse, die das Buch als Sponsor erst ermöglicht hat.

Der 34. Jahrgang des Jahrbuchs

für den Kreis Stormarn mit vielen interessanten Beiträgen und Bildern umfasst 246 Seiten und ist ab sofort in den Buchhandlungen erhältlich.

Es kostet 15 Euro pro Stück.


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