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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 17:37 Uhr

„Wir helfen, ohne zu fragen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

45 Ehrenamtliche engagieren sich bei der Reinfelder Tafel und versorgen jede Woche 200 Bedürftige

Magda Schirrmacher ist 84 Jahre alt und Gründungsmitglied der Reinfelder Tafel. „Solange ich noch kann, helfe ich hier gerne mit. Was soll ich allein zu Hause sitzen“, begründet die fröhliche Seniorin ihr ehrenamtliches Engagement, während sie mit dem Messer die welken Blätter von einem Salatkopf entfernt. Sie bereitet die Ware aus den Reinfelder Supermärkten für die Ausgabe vor. Mit dabei ist Amjad Alhannat aus Syrien. Der Asylbewerber hilft seit zwei Wochen als Ehrenamtler bei der Tafel mit. „Da kann ich etwas Sinnvolles tun und komme in Kontakt mit den Menschen“.

Bereits in Syrien hat der 31-Jährige in einer Flüchtlingsorganisation freiwillig mitgeholfen. In Reinfeld setzt er sein Engagement fort. Wie viele andere Asylbewerber in Reinfeld auch. „Die Asylbewerber sind hier alle sehr hilfsbereit und packen kräftig mit an“, sagt Wolfgang Westphal, der heute die Ausgabe der Lebensmittel organisiert. Aufgrund der steigenden Zahl von Flüchtlingen sei auch der Bedarf an Lebensmitteln, Helfern und Zuwendung gestiegen. Weitere freiwillige Helfer sind herzlich willkommen.

„Wir arbeiten hier bei der Ausgabe in zwei Schichten nach Dienstplänen“, erklärt er. Eingeführt wurde auch ein Rotationsprinzip für die Kunden, so dass jeder einmal der Erste an der Ausgabe sein kann. „Wir helfen, ohne zu fragen“ – das war bei der Gründung der Reinfelder Tafel vor über zehn Jahren das Motto und ist es bis heute geblieben. Vorsitzender Friedhelm Meya, der mit seiner Frau Ursula vor einigen Jahren die Leitung der Reinfelder Tafel von Gründungsvater Lutz Dammin übernahm: „Es wäre gut, wenn es die Tafel überhaupt nicht geben müsste.“ Er und sein Team stecken seit Jahren viel Zeit und Kraft, aber auch viel Herzblut und christliches Engagement in die Tafel. Ein Glück gibt es die ausgebauten Kellerräume im Evangelischen Kindergarten am Neuhof. Seit Jahren stellen die Reinfelder Supermärkte Waren zur Verfügung, die einwandfrei sind, sonst aber in den Abfall wandern würden.

Die meisten Bedürftigen kommen aus Reinfeld, die Tafel deckt jedoch ganz Nordstormarn an, so dass auch die umliegenden Dörfer versorgt sind – Tendenz steigend. Ein Zeichen, wie sehr die Versorgung von Familien, die am Existenzminimum leben, an Bedeutung gewonnen hat. In Reinfeld werden rund 200 Personen mit Lebensmitteln versorgt – davon 29 Asylbewerber und 56 Kinder.

Keiner brauche sich zu schämen, einmal wöchentlich immer donnerstags von 10.30 bis 13 Uhr bei der Tafel „einzukaufen“, so Friedhelm Meya. Keiner werde hier nach seinen Verhältnissen gefragt, bekomme lediglich für den reibungslosen Ablauf eine Nummer, die dann aufgerufen wird. Denn anders ist dem Ansturm auf die Tafel nicht Herr zu werden. Schon weit vor der Öffnungszeit stehen Bedürftige vor der Tür. Doch trotz des Andrangs ist hier kein Mensch nur eine Nummer, sondern wird mit Respekt und einem freundlichen Lächeln bedient. Viele Kunden kommen schon seit Jahren und machen Scherze mit Friedhelm Meya und seinem engagierten Team.

Die Lebensmittel holen die Ehrenamtler mit eigenen Fahrzeugen täglich bei den Discountern ab. In drei Kühlgeräten werden die verderblichen Waren untergebracht. „Bei uns wurde schon zwei Mal eingebrochen“, ärgert sich Magda Schirrmacher darüber, dass die Täter nicht einmal vor den Bedürftigen zurückschrecken. Drei Euro monatlich kostet der Einkauf in den renovierten Räumen der Tafel.

Um das „Einkaufen“ für die Kunden angenehmer zu gestalten, soll ein Warteraum mit Sitzgelegenheiten eingerichtet werden. Im Sommer sei es ja kein Problem, draußen vor der Tür Schlange zu stehen, aber zum Winter hin solle es dann doch etwas komfortabler sein, so Schirrmacher, die bereits seit mehreren Stunden auf den Beinen ist. Rechtzeitig zur Tafel-Öffnung wird sie das gesamte Gemüse kontrolliert haben. Und das sind schon so einige Kisten. Doch die 84-Jährige beschwert sich nicht. Im Gegenteil: Ihr Lächeln und ein netter Spruch verbreiten bei den Helfern und Kunden gute Laune: „Wenn ich andere glücklich machen kann, bin ich es auch.“






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erstellt am 04.Okt.2014 | 15:21 Uhr

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