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Bad Oldesloe : „Wir haben zusammen gefeiert, dann gab’s Streit“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Feier in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses endete auf der Intensivstation. Jetzt sahen sich die Beteiligten vor Gericht wieder – wegen schwerer Körperverletzung.

Was geschah in dem Oldesloer Mehrfamilienhaus am 28. August vergangenen Jahres? Bei einem Sturz zog sich ein 61-Jähriger schwere Verletzungen zu, so dass er auf die Intensivstation des Krankenhauses kam. Jetzt musste sich sein Nachbar (70) verantworten – angeklagt wegen schwerer Körperverletzung.

„Wir haben zusammen gefeiert, dann kam es zum Streit“, schildert der Angeklagte die Situation. Er habe den 61-Jährigen aus seiner Wohnung verwiesen. „Er schubste mich, ich schubste ihn zurück und gab ihm eine Ohrfeige.“ Dann sei sein Kontrahent gestolpert und mit dem Kopf auf den Treppenabgang aufgeprallt. Gegen dessen Kopf habe er nicht getreten. Sein Anwalt zeigt dem Richter einen Badelatschen, den der Angeklagte damals getragen haben will: „Wie kann man damit zutreten?“

Der Richter liest aus der Zeugenaussage eines weiteren Nachbarn vor. Der hatte die Streithähne damals getrennt und die Polizei und einen Rettungswagen alarmiert. Demnach habe der Angeklagte versucht, zuzutreten. Für eine Aussage steht er noch nicht zur Verfügung. Er habe verschlafen, entschuldigt er sich, als der Richter ihn telefonisch erreicht. Nach einer Stunde Verhandlungspause erscheint der Zeuge schließlich und sagt aus. Er habe in seiner Wohnung ein Geräusch gehört, als ob jemand stürzte. Dann sei er hinzugekommen und sah den Mann auf dem Boden liegen. Beide Kontrahenten seien stark betrunken gewesen. „Der Angeklagte versuchte einen Fußtritt, das habe ich verhindert.“ Das Opfer hatte zuvor die Hand des Angeklagten umgeknickt, sagt der einzige Zeuge aus. „Ich habe keinen Schlag gesehen und auch kein Blut.“

Das Opfer erinnert sich an nichts mehr: „Ich bin erst im Krankenhaus aufgewacht.“ Der Arzt habe ihm gesagt, eine Ader in seinem Kopf sei geplatzt. Im Arztbericht stehe auch das böse Wort „Delirium“.

Der Anwalt spricht von drei Versionen des Falls inklusive dem Polizeibericht: „Es ist eine schwere Aufgabe für das Gericht, die Wahrheit herauszufiltern.“ Der Angeklagte und sein vermeintliches Opfer hätten sich inzwischen versöhnt und verstünden sich wieder gut. Es bleibe allenfalls der Vorwurf einer versuchten Körperverletzung, so die Staatsanwältin. „Ob das Geschehen sich so wie in der Anklage ereignet hat, wissen wir nicht“, sagt auch der Richter. An einer Verurteilung bestehe auch kein öffentliches Interesse. Und so wird das Verfahren schließlich eingestellt.



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