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Pflegediskussion : „Wir drehen uns mit unseren Argumenten im Kreis“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vier Bundestagskandidaten diskutierten im Bürgerhaus über Verbesserung der Situation in Pflegeheimen. Piratenkritisieren, dass Auszubildende keine Vergütung bekommen, sondern noch draufzahlen müssen.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 18:00 Uhr

Was ist eigentlich gute Pflege? Wie viel darf sie kosten? Und sind bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen für Pflegende notwendig? Mit diesen und anderen Fragen haben sich die Bundestagskandidaten Maren Berger (Grüne), Dr. Bernd Buchholz (FDP), Oliver Grube (Piraten), und Miro Berbig (Die Linke) auf einer Podiumsdiskussion im Oldesloer Bürgerhaus beschäftigt. Von den beiden großen Parteien, SPD und CDU, waren keine Kandidaten vertreten.

Alle vier Politiker hatten im Vorfeld ein eintägiges Praktikum in einer Pflegeeinrichtung absolviert, um so den den dortigen Alltag aus nächster Nähe kennenzulernen.

Doch es war nicht nur RSH-Chefkorrespondent Carsten Kock, der als Moderator den Kandidaten auf den Zahn fühlte, auch viele Stormarner Pflegeschaffende waren gekommen, um von den Politikern Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

Wie können mehr junge Menschen für den Beruf der Krankenschwester oder des Pflegers begeistert werden? „Das Image muss sich ändern“, so Bernd Buchholz (FDP). An der Bezahlung liege es nicht, dass es an Fachkräften mangelt. Die sei in Relation zu vergleichbaren Tarifen im öffentlichen Dienst recht gut, so Buchholz. Außerdem seien Berufe wir Friseur oder Mode-Fachverkäufer auch sexy, obwohl die Gehälter dort oftmals noch geringer seien. Empörung aus dem Auditorium und von Seiten der Linken und der Piraten. Pflegeberufe würden immer anspruchsvolle. Oftmals würde mindestens ein Realschulabschluss, häufig sogar das Abitur verlangt. In anderen europäischen Ländern seien Pflegeberufe sogar Studienfächer. Dies müsste finanziell entsprechend honoriert werden.

Die Umverteilung stimme nicht, es sei genug Geld vorhanden, so Miro Berbig (Linke). Das Geld würde in den Taschen der Krankenkassen und Pharmakonzerne verschwinden.

Zustimmendes Nicken erntete auch Oliver Grube, mit seiner Kritik an der Ausbildungsvergütung in Pflegeberufen. „Es kann nicht sein, dass Auszubildende 150 Euro monatlich Zahlen müssen, während in anderen Branchen eine Ausbildungsvergütung gezahlt wird.“

Viel Fachwissen brachte die Grünen-Politikerin Maren Berger in die Diskussion ein. Die gelernte Krankenschwester hat selbst viele Jahre in der Pflege gearbeitet, bevor sie seit 2009 als Berufsschullehrerin unterrichtet „Ich habe früh gemerkt, dass ich körperlich und psychisch nicht länger als zehn Jahre Vollzeit in der Pflege arbeiten kann“, sagt sie aus Erfahrung. Sie plädierte dafür, die Diskussion um eine gute Pflege nicht nur in der Politik zu führen, sondern in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und den Pflegenden selbst. „Wir drehen uns manchmal mit unseren Argumenten im Kreis.“

Ein Anfang hat die Podiumsdiskussion im Bürgerhaus gemacht. Zwei weitere fanden in Husum und Neumünster statt.

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